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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-07 · Heft 6 (7.2.1865) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 6 (7.2.1865)
Date
1865-02-07
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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Selten findet ein hebräisches Werk ein Asyl in der Bibliothek der Salons, die jetzt so modern geworden ist, und nie auf dem Tische der Salons, wo für die Besuchendeneinige Prachtbände aufliegen. Brauchen sich vielleicht die Juden ihrer Literatur zu schämen? Verdienen nicht Gabirol's Gedichte wenigstens neben Lamartine zu liegen? Könnte man vielleicht nicht ein kleines Plätzchen der schönen Ausgabe der Philosophie des Maimonides von Munk neben den philosophischen Schwärmereien des Voltaire einräumen? Warum nicht die Makamen des Charisi neben den unübertrefflichen Makamen von Rükert? Warum nicht eher Grätz's Geschichte als eine schlechte Übersetzung von Thiers und Guizot? Ich bin zulange von Deutschland abwesend, um den richtigen Vergleich anzustellen; das Factum bewährt sich jedenfalls, daß nicht einmal eine Bibel in Prachteinband in jüdischen Salons gefunden wird. Doch entfernen wir uns nicht zu sehr von dem eigentlichen Gegenstände. Im Mittelalter, den Epigraphen der Manuscripte nach zu urtheilen, finden wir sehr viele Laien, die eine reichhaltige Bibliothek von Manuskripten besaßen; ich bin im Augenblicke nicht im Stande, welche aus der rabbinischen Secte zu nennen, dafür aber von der der Karaiten, die ich erst unlängst Gelegenheit hatte, näher zu studiren. Der gottselige Pinsker führt schon eine Familie Feruz (ri-ps) an und eine andere ist die des tpr *p in Damascus, wie es scheint, der auch den Jgaron von Abraham ben David für sich abschreiben ließ, und welches Exemplar in Oxford gegenwärtig sich befindet; ich werde vielleicht Gelegenheit haben, einige Verse, die der Abschreiber dem npiss gewidmet hat, mitzutheilen, und woraus hervorgeht, daß er ein eifriger Sammler war; in Petersburg sind viele Manuscripte, die ihm angehörten. Die Klöster haben einen großen Theil der Manuscripte aufbewahrt und aus deren Sammlungen entstanden viele öffentliche Bibliotheken, so z. B. Wien, München, Paris, Rom rc. Pococke hat die Bodlejana in Oxford und de Rosst Parma mit hebräischen Manuscripten bereichert. Noch nicht lange, haben zwei Juden ebenfalls viele Werke gesammelt, woraus ebenfalls Bibliotheken wurden, welche jetzt unter dem Namen der Oppenheimerischen und Michaelischen Sammlung der Bodlejana angehören. In neuester Zeit besitzen Zunz, Luzzatto, Carmoly, wie auch das Seminar in Breslau nicht unbedeutende Sammlungen. H. Abraham Firkowitz, ein karaitischer Rabbi, aus der Krim, hat seit Jahren sich Mühe gegeben, alle möglichen Werke der karaitischen Literatur zusammenzuzuholen; er hat auch bei Gelegenheit rabbanitische Manuscripte mitgenommen, diese Sammlung befindet sich jetzt in der kaiserl. Bibliothek zu St. Petersburg. Pinsker hat einen Theil davon, als sie noch Privateigenthum in der Krim waren, nicht ohne Erfolg ausgebeutet; eine winzige und vielleicht sehr unbedeutende Nachlese, die dieser Gelehrte, besten Tod wir alle nur bedauern, gelassen, werde ich nicht lange dem gelehrten jüdischen Publicum vorenthalten. — Ein anderer eifriger Sammler ist R. Eliezer Aschkenasi, geboren in Polen und wohnhaft in Tunis; er selbst ist Schriftsteller und hat manches Schöne im om edirt. Er ist es, der die Bibliothek der Herren Günzburg ausgestattet. Den Wohlthätigkeitssinn dieser Familie, zum Theil in Petersburg zum Theil in Paris wohnhaft, hervorzuheben, ist hier durchaus meine Aufgabe nicht; übrigens sind ihre Spenden genug aus den jüdisch-russischen Blättern bekannt. Ich will nur bei Gelegenheit sagen, daß H. Joseph Günzburg (Vater) erst unlängst 70,000 Rub. für die Erbauung einer Synagoge in Petersburg gegeben; außerdem ist er es, der den größten Theil für den Unterhalt des Rabbiners re. beisteuert. H. Horace Günzburg, der schon in diesen Blättern genannt wurde und der selbst sehr unterrichtet und der hebräischen Literatur ungemein zugethan ist, hat nun auf das Anregen des Gelehrten Sen. Sachs, Aschkenasi's dreimalige Ausbeute in Afrika und Italien angekauft. Sen. Sachs hat es übernommen, den Katalog dieser werthvollen Sammlung, welche aus mehr als 400 Nummern besteht, zu machen, und wir lesen mit größtem Vergnügen die ersten acht Columnen, in Paris gedruckt, in hebräischer Sprache, groß Quart. Es geziemt mir nicht, über den hebräischen Stil S. Sachs zu sprechen, größere Meister als Steinschneider haben ihn als einen der besten beurtheilt; insoweit mir der Anfang vorliegt, kann ich nur die Klarheit der Sprache rühmen und den schönen Einfall, als Ueberschrift jeder Seite anzugeben, wovon darin die Rede ist. Er sängt an mit der Beschreibung eines noch ungekannten p'73ö von R. Abraham, Sohn des R. Ephraim. Er rectificirt eine Stelle im matt), die Ben-Jacob emendirt und Zunz unverständlich gefunden hat. Sen. Sachs gibt die Vorrede des Werkes und zieht sehr gelungene Schlüsse für den Autor des gedruckten p»ö, R. Jischak Korbeil. Er berichtigt, scharfsehend wie immer,

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