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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-07 · Heft 6 (7.2.1865) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 6 (7.2.1865)
Date
1865-02-07
Page
Seite 85 (sequence 7)
Language
German
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, 85 als daß Maimonides jenen Glaubensartikel aufgestellt hat. Wir glauben aber nicht, daß Maimonides selbst seine Autorität für so unfehlbar hielt, daß er daraus ein Schisma gemacht hatte. Maimonides sah sich durch die Zeitverhältniffe, in welchen der Islam und das Christenthum .mit Gewalt und mit Ueberredung auf das bedrängte und zersprengte Häuflein Israels einstürmten, genöthigt, solche Glaubenssätze aufzustellen, um dem Volke einen bestimmten Anhalt zu geben, seine Ueberzeugung in sicherer Gestaltung zu besitzen und den Feinden entgegen halten zu können. Dafür spricht auch die Beschaffenheit dieser Glaubensartikel, z. B. des fünften. Hatte er doch selbst jener Gewalt für einige Zeit weichen müssen. M. hatte überhaupt aus seinem doctrinären und formulirenden Geiste heraus allzu sehr die Neigung, Glaubenssätze aufzustellen und sie für unbedingt auszugeben, .wie er z. B. in Mor. Neh. III, 45 den Glauben an das Dasein der Engel für einen Glaubensartikel erklärt, der an Bedeutung und Wichtigkeit dem Glauben an das Dasein Gottes zunächst stehe, während er doch unter den dreizehn Glaubensartikeln nichts davon erwähnt. Dahingegen schweigt er im ganzen Llore, in welchem er doch Lehre und Gesetz so ausführlich behandelt, von der Messiaslehre gänzlich, und hat kein Wort für denselben und beschließt das unsterbliche Werk nicht mit dem Wunsche nach der Ankunft des persönlichen Messias, sondern mit den Worten: „Er aber möge uns und allen unseren israelitischen Brüdern seine Verheißung erfüllen: dann öffnen sich die Augen der Blinden und die Ohren der Tauben erschließen sich" (Jes. 35, 5): Das Volk, das wandert im Finstern, schaut ein großes Lichts die da wohnen im Lande der Todesnacht — Licht strahlt über sie (das. 9, 2.). Wir können hierüber diesen Gegenstand schließen, müssen aber doch noch eine Bemerkung hinzufügen. Der Rabbiner zu Kaposvar ergeht sich mit der lächerlichsten Emphase in Redensarten, wie das ganze Herz des jüd. Volkes von dem glühendsten Glauben an den persönlichen Messias erfüllt sei und wie daher jeder, der diesen Glauben nicht hegt, diesem Volke und seinen theuersten und heiligsten Empfindungen nicht mehr angehört. Es ist ihm dies n'eben Maimonides der zweite Beweis für die Unbedingtheit jenes Glaubensartikels. Vielleicht ist der Mann hierin „ehrlich" und das Volk in Kaposvar glüht wirklich so für den persönlichen Messias. Trotzdem ist seine Behauptung nicht wahr. Es sind schon lange, lange Zeiten, in welchen das jüdische Volk in vielen Ländern der Erde für diesen Glauben sehr, sehr kalt geworden und das Kommen des Messias sogar zu Scherzreden und Spottworten verwendet hat, und viele derer, welche beim Seder den Eliasbecher hinstellen und die Thüre öffnen, lächeln dabei und erzählen sich neckische Anekdoten von dieser Procedur. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Menton (bei Nizza), im Januar. Der Katalog der Günzburgischen Bibliothek, in Paris. Schon von alten Zeiten her ist die Sitte in Israel, die Literatur durch materielle Mittel von den Reichen unterstützt zu sehen. Ist es nicht schon ein alter Midrasch: Ischaschar wird sich mit dem Gesetze abgeben und Sebulon wird den Handel für ihn treiben. Ueberflüssig wäre es, hier Beispiele dafür aus allen Zeilen anzuführen; wer kennt nicht den Ausdruck aman, welcher als eine der höchsten Tugenden gepriesen wird. Und in der That waren hier dem Reichen Mittel geboten, dasjenige, welches er nicht selbst leisten kann, doch wenigstens zu fördern; denn wie uns der Satz ■"nrtTh mm ai-na m ■ona zeigt, ist es durchaus nicht neu, daß die Gelehrten der Unterstützung anderer bedürfen; noch älter ist der Ausspruch anb amanb »-12)19 a^iaab abi Was wir aber im Mittelalter so häufig finden, daß die Reichen Werke abschreiben ließen, um zum Theil dem Verfasser und dem Abschreiber einen Gewinnst zukommen zu lassen und zum Theil seinen eignen Ehrgeiz zu befriedigen, eine schön und werthvoll ausgestattete Sammlung zu besitzen, ist in der neuesten Zeit selten geworden. Findet man noch hie und da in Polen, Uügarn, dem Oriente und seltener in Deutschland (nie in Frankreich und England) einige Privat-a^ma ma, so sieht man leider den reichen Juden jedes literarische Werk, welches auf Juden und deren Geschichte Bezug hat, von sich stoßen; gibt er dem Autor eine Summe oder nimmt er sogar eine Widmung an, so wird durchaus nicht das Werk, welches unterstützt wurdegut ausgenommen. Es wird entweder vom Besen gestreichelt und hinausgekehrt, wo-es bei gutem Glücke zum Einpacken in Spezereiläden dient, oder, um edelmüthig zu . verfahren, an arme Gelehrte verschenkt; ich gestehe, daß letzteres noch sehr zweckmäßig ist.

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