Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1865)
- Date
- 1865-01-31
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ligionsgemeinde und Kamille voraustellen. Wir mußten die Frage beantworten: wie heiligt sich der Mensch überhaupt in der Allgemeinheit, im Staate, in der Religwnsgemeinde, in der Familie? ehe wir zu der Frage kamen: wie heiligt sich der Einzelne innerhalb dieser? Dennoch haben wir unsere Aufgabe mit diesem Bande noch nicht erschöpft und eine folgende, abschließende Lieferung wird noch eine Reihe von Abhandlungen zu bringen . haben, wie: über die sogenannten Glaubenslehren, über die sechshundertdreizehn Ge- und Verbote der Tradition, die Geschichte des israelitischen Cultus, Wir hoffen, diese letzte Abtheilung der Veröffentlichung bald übergeben zu können. Möge der vorliegende Theil sich derselben günstigen Aufnahme zu erfreuen haben, welche die beiden ersten Bände erfuhren und die uns so oft in dem Verlangen nach der Fortsetzung entgegentrat." — So weit das Vorwort. Die hier gegebene Abtheilung des ganzen Werkes behandelt daher, nachdem, das Princip der Heiligung im Allgemeinen erörtert worden, I. die Heiligung des Menschen in feinem Verhältniß zu sich selbst, in der Selbsterhaltung und in der Selbftveredlung in allen ihren Momenten; II. die Heiligung des Menschen in seinem Verhältniß zu seinen Nebenmenschen, und zwar zuerst in der Allgemeinheit der Menschen, und wiederum diese zunächst in der Gesammtheit, als Einheit des Menschengeschlechtes, deren Grundlagen und Aufgaben, und dann in deren Instituten, d. i. der Staat, dessen Zwecke und Grundprincipien nach der israelitischen Religion, die israelitische Religionsgemeinde, was sie ist und was sie soll, und die Familie, die Ehe, die Eltern, Kinder und Geschwister, Hierauf die Heiligung im Verhältniß des einzelnen Menschen zu seinen Nebenmenschen, und zwar zuerst im Verhältniß zu allen einzelnen Menschen, dann zum Staate, zur Religionsgemeinde, zur Familie. Endlich III. die Heiligung in dem Verhältniß des Menschen zu den übrigen Wesen. Man sieht, daß hier alle Momente deS menschlichen Lebens, die bürgerlichen wie persönlichen, die staatlichen wie die der Familie zur Sprache kommen und in eingehender Weise vom höchsten religiösen und sittlichen Standpunkte nach Lehre und Erfahrung erörtert, werden. — Die Baumgärtnert'sche Buchhandlung hat für sich, wie von den ersten beiden Bänden, auch von diesem Theile eine Separat-Ausgabe veranstaltet. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus dem Großherzogthum Sachsen, im Januar. (Privatmitth.) Was unsere politischen Verhältnisse betrifft, so haben wir alle Ursache, uns über dieselben zu freuen. Wir sind in dieser Beziehung von den Einflüssen der Reaction, welche in anderen deutschen Staaten durch mancherlei erneuerte Beschränkungen in der Lage der Israeliten sich Luft machte, unberührt geblieben. Die letzte Ausnahmsbestimmung, die uns noch an mittelalterliche Zustände erinnert, nach welcher bis jetzt bei dem von einem Juden abzulegenden Eide einer der Herren Landrabbiner oder dessen Vertreter anwesend sein mußte, wird, wie sicher verlautet, bei dem nächster Tage zusammentretenden Landtage auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werden. — Was unsere religiösen und shnagogalen Zustände angeht, so sind auch solche gut geordnet, und wäre eine Klage wie anderwärts über zu sehr überhandnehmenden Jndifferentismus oder fanatische Orthodoxie im allgemeinen nicht begründet. Auch unsere Schulen erfreuen. sich derselben Berücksichtigung und Überwachung von seiten der Regierung wie die anderen Confessionen, und ist den Lehrern gegen die vieler anderer Staaten eine sorgenfreiere, ehrenvollere Stellung angewiesen. Daß unsere Landgemeinden theilweise durch das freie Niederlassungsrecht decimirt werden, ist eine Erscheinung, wie solche von vielen anderen Ländern berichtet wird, und für dieselben bezüglich der Finanzzustände der Gemeindekaffen — unangenehm empfundene. Einen Beweis von der Humanität unseres Fürstenpaares mag Ihnen der Umstand bieten, daß bei Gelegenheit eines Besuches desselben, welche der Stadt Geisa im Sept. v. I. zu Theil wurde, die königl. Hoheiten bei ihren ersten Gängen zur Besichtigung der Stadt die nenerbaute Synagoge besuchten und der dort anwesenden Empfangs-Deputation die wohlwollendsten Gesinnungen zu erkennen gab. HB. Preußen. Berlin, 16. Januar. Unter diesem Datum enthält die „Köln. Zeitg." folgenden Correspondenzartikel, der sich auf den vor Eröffnung deö Landtages gehal-