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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-31 · Heft 5 (31.1.1865) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 5 (31.1.1865)
Date
1865-01-31
Page
Seite 66 (sequence 4)
Language
German
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Zum funfundWaMgjährigLn Amtsjubrläum des Herrn M. M. Haardleicher in Hamburg. Wir wissen nicht, ob wir die Billigung unseres Freundes für uns haben, wenn wir an dieser Stelle seinen Namen öffentlich nennen und ihm zu seinem Amtsjubiläum den Ausdruck unserer Verehrung und Glückwünsche darbringen. Denn derselbe gehört zu den wenigen Männern, welche ihr dauerndes und eifervolles Wirken nur ungern unter die Sonnenstrahlen der Oeffentlichkeit versetzt sehen und ihre Anonymität konsequent durch viele Jahrzehnte hindurch bewahrt haben. Aber gerade weil diese Anspruchslosigkeit jetzt eine so seltene Tugend ist, drängt es uns um so mehr, dem Freunde die Anerkennung auszusprechen, die er seit so langer Zeit in unserm Herzen gefunden. Herr M. M. Haarbleicher verwaltet am 28. Januar 25 Jahre lang das wichtige und mühevolle Amt des Secretärs der israelitischen Gemeinde zu Hamburg, ein .Amt, das nicht blos wegen der Größe der Gemeinde, sondern noch mehr wegen sehr bedeutender Vorrechte, welche bis vor einigen Monaten die Gemeinde besaß und der Vorstand auszuüben hatte, von Wichtigkeit und mannigfacher Anstrengung war. Doch dies ist ein örtliches Verdienst und die Gemeinde selbst hat es zu feiern. Herr'Haar bl eich er war aber auch einer der wenigen Männer, welche gleich mit dem Beginn der Allgemeinen Zeitung des Judenthums zu dieser als Mitarbeiter in die engste Beziehung traten und in uneigennHigster Weise dauernd in ihr für und durch sie wirkten, nicht vorübergehend irgend eine Mittheilung machten, sondern ununterbrochen sie auf ihrem Wege begleiteten, ihr ihren Charakter geben halfen und so den wesentlichsten Antheil an unserer Arbeit und unseren Erfolgen hatten. Schon in Nr. 23 des ersten Jahrgangs (1837) begegnen wir seinen beiden trefflichen Gedichten „Tal und Geschem" oder „Frühling ist in Judäa! Herbst ist in Judäa!" Schon in No. 24 begann er seine „Privatmittheilungen schon in Nr. 41 brachte er einen ausführlichen Aufsatz über das „Hamburgsche Gesetz." Seitdem' ist mit geringer Ausnahme alles, was als Hamburger Correspondenz in den vollendeten 28 Jahrgängen dieser Zeitung erschienen ist, aus Herrn Haarbleicher's Feder geflossen. Wer von unseren Lesern diese genauer beachtet hat, weiß, daß sie sich nicht auf das Referat localer Vorkommnisse beschränkt, daß sie vielmehr überall auf die allgemeinen Ereignisse, Verhältnisse und Erscheinungen im Jüdenthume Rücksicht nimmt und sie mit Schärfe und Klarheit auf dem Gruflde eines sehr reichen Wissens und einer entschiedenen Ueberzeügung betrachtet und bespricht. Ueberall tritt sie für echt jüdische Religiosität, wahrhafte Aufklärung und Gewissensfreiheit in die Schranken und weiß für diese ebenso vielen Witz wie Scharfsinn zu verwenden. Haarbleicher gehört zu den leider immer seltener werdenden Geschäftsmännern, welche mit ihren industriellen Beschäftigungen ein lebhaftes Interesse für alle humanen und wissenschaftlichen Fortschritte, für Bildung und Intelligenz, aber auch das wärmste Herz für das Judenthum vereinigen und diesem mit Eifer ihre Talente zu Gebote stellen.*) So ist freilich die Mitarbeiterschaft unseres Freundes an dieser Zeitung längst über das fünfundzwanzigjährige Jubiläum hinausgewachsen; aber die Feier seines Amtsjubiläums scheint' uns die Berechtigung zu. geben, auch für seine schriftstellerische Thätigkeit, die auch in einigen anonymen Broschüren und in zahlreichen als Manuscript erschienenen Druckschriften bestand, feine Anonymität zu brechen, um Gelegenheit zu haben, auch öffentlich unfern Dank und die Wünsche' auszusprechen, welche zu diesem Tage aus treuem Freundesherzen fließen. Möge sein Leben noch an vielen schönen Tagen reich fein und die Frische des Geistes, die er sich bewahrt hat, sich noch in den letzten Strahlen seines Abendrothes abspiegeln! Wir aber flechten einen Ehrenkranz, den wir ihm mit Freundeshand aus der Ferne auf das Haupt setzen! Spenden-Liste für -Le Rießer - Stiftung. 1199) Rabbiner vr. A. Salwendi in Bereut 6 Thlr.— Gesammtsümme: 2212 Thlr. 17^/2 Sgr. Die Redaction. *) Wie wir schon einmal bemerkt, ist Herr Haarbleicher auch Verfasser des Gedichtes „Hagbahah", welches seitdem in so vielen Synagogen gesungen und in allen jüdischen Gesang- und Lesebüchern wiederholt worden ist, freilich unter dem Namen Rießer's, in dessen Zeitschrift „der Jude" es zuerst (anonym) erschienen war.

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