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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-31 · Heft 5 (31.1.1865) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 5 (31.1.1865)
Date
1865-01-31
Page
Seite 65 (sequence 3)
Language
German
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«5 arischen Völkern bis nach Indien hinem aufgezwungen worden und nur durch das Schwert erhalten bliebe, so ist dies historisch nicht richtig. Die Verbreitung des Islam, wenn auch durch das Schwert gefördert, hätte sich binnen eines halben Jahrhunderts nicht vom Indus bis zum Ebro ausdehnen können, wenn die Völker ihm nicht entgegengekommen; er hätte z. B. den Parsismus nicht ohne Weiteres völlig verdrängen können, wenn die Völker nicht dazu reif gewesen; gerade daß er in Indien trotz Despotismus nur einen Theil des Volkes bezwingen konnte, ist ein Beweis für unsere Ansicht; am wenigsten aber hätte er sich nunmehr zwölf Jahrhunderte erhalten können, trotz des Auseinanderfallens seiner politischen Macht, wenn er nicht tief in den Anschauungen auch der ihm zugefallenen arischen Völker Wurzel gefaßt. Aber abgesehen hiervon, wie will Herr Burnouf den Menschengeist in so enge Fesseln schlagen, ihn so abgrenzen, der Entwickelung unfähig erklären, daß auch die civilisirtesten Völker trotz aller Entwickelung nicht fähig werden sollten, andere höhere und reinere Begriffe in sich aufzunehmen, sondern daß sie auf immer an ein gewisses Quotum und Quäle von Begriffen unauflöslich gebunden sein sollten! Hier zeigt sich jener Schematismus mit seiner Consequenzmacherei in seiner Geistesenge und Einseitigkeit. Was endlich feinen Einwand gegen die Heranbildung der Menschheit zum lautern Monotheismus betrifft, daß die Völker nicht rückwärts gehen, also zum Mosaismus zurückkehren könnten, so ist dieser ganz unerheblich. Wir haben niemals gesagt, daß die Völker wirkliche und völlige Mosaisten werden würden; nicht die Propheten, nicht die Talmudisten haben dies gesagt, denn die letzteren lassen nach dem Erscheinen des Messias sogar auch für das israelitische Volk alle Ceremonialgesetze aufgehoben werden, und nicht der Mosaismus selbst, der seine concreten Gesetze nur an das Volk Israel richtet. Sondern es handelt sich hier nur um die höchsten Lehren und Grundsätze und deren Anerkennung und Verwirklichung in der gesammten Menschheit. Allerdings meinen wir hiermit nicht blos das Dogma der Einzigkeit GotteS und der Schöpfung, sondern auch alle Consequenzen deffelben, also die Gottebenbildlichkeit des Menschengeistes, die Einheit des Menschengeschlechtes, die allgemeine Nächstenliebe, die Gleichheit vor dem Gesetze, die persönliche Freiheit u. s. w. In der That sehen wir nicht ein, wie bei Ansichten, nach welchen das Menschengeschlecht in so schroff bis in die innersten Geipestiefen gespaltene und an ihre ursprünglichen Begriffe auf immer gebundene Raren zerfällt, die Einheit desselben und die daraus folgenden Principien noch aufrecht erhalten werden können; wir sehen nicht ab, wie auf Grund dieser Ansichten das Sklaventhum der schwarzen Race nicht sehr triftige Gründe finden sollte. Die Geschichte zeigt aber nun hinlänglich, daß die Völker nicht selten zu den Quellen früherer Weisheit und Cultur zurückgehen müssen und daß die Menschheit mühsam nach der Verwirklichung von Principien ringen muß, die bereits vor Jahrtausenden proclamirt worden. Die Entwickelung des Menschengeschlechtes verfolgt eben keine gerade Linie und schreitet nicht nach dem Compaß vor; sie macht Seiten- und Rückgänge, aber um dadurch zu einer größeren und höheren Entfaltung, zu einer in- und extensiven Verbreiterung und Vertiefung zu gelangen. Wie? Was heißt das Wiedererwachen der Wissenschaft, wenn nicht ein Zurückgehen zu Plato, und Aristoteles, zu Homer und Sophokles, zu Phidias und Praxiteles? Der Mosaismus hatte die Mündlichkeit und Oeffentlichkeit des Gerichtes, den Wegfall aller Foltern und Torturen, das Geschworenengericht, die Handels- und Gewerbefreiheit, die Selbstverwaltung, die Volksvertretung, die allgemeine Wehrpflicht proclamirt und concret verwirklicht, und hat nicht erst die moderne Gesellschaft zu diesen Principien zurückgehen müssen und hat noch heute um deren Verwirklichung den schwersten Kampf zu kämpfen? — Wir hätten noch manchen Satz des Herrn Burnouf zu bestreiten, wollen uns aber heute hiermit begnügen. Wir glauben bewiesen zu haben, daß das ganze, auch das semitische Heidenthum in seiner Ausbildung pantheistisch war, aber in der ersten Grundlage des Heidenthums mancher auch arischen Völkerschaften der Gedanke der göttlichen Schöpfung und der Trennung von Gott und Welt vorhanden waren. Daß der Menschengeist allseitiger Entwickelung auch in der Vegriffswelt fähig und nicht einem dürren Schematismus unterworfen sei, und endlich, daß es in der Entwickelung des Menschengeschlechtes allerdings darauf aukomme, früher verkündete Principien zur allgemeinen Anerkennung und Verwirklichung zu bringen. Hiermit fielen die Ansichten des Herrn Burnouf zusammen. (Schluß folgt.) ö*

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