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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-31 · Heft 5 (31.1.1865) · p. Seite 64

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 5 (31.1.1865)
Date
1865-01-31
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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facheS, einerseits die Einheit des Menschengeschlechtes, die bei aller Nüancirung der Nationalitäten und Racen im 7 Wefeü 'des MenscheugeisteS einen breiten Boden hat und in den wichtigsten Elementen des geistigen und leiblichen Menschen, des Bedürfnisses und der Thätigkeit, des staatlichen und bürgerlichen Lebens eine untrennbare Ädenti- ' tät erweist. Alsdann übersieht man die Entwickelung, welche die Racen und die Völker einander nähert, sie vermischt, ihre Verschiedenheiten abschleift, ihren Charakter verändert, ihre Bestrebungen ausgleicht, ihre Resultate austauscht und alle gemeinsam weiter führt. Je entwickelter die Nationen werden, je weiter die allgemeine Entwickelung vorwärts schreitet, desto mehr wird jener Schematismus über den Haufen geworfen^ Hierzu kommt noch, daß die Forscher über den Charakter und Lebensinhalt der Racen durchaus nicht einig sind und daß sie den Einzelnen sehv verschiedene Momente und Aufgaben vindiciren, woraus hervorgeht, daß die Voraussetzungen jener Schemata durchaus nicht so sicher sind, wie deren Urheber vermeinen und behaupten. Es wird sich dieses im Verlaufe dieses Artikels zeigen. Diese Gedanken drängten sich uns aufs neue lebhaft auf, als wir in dem jüngsten Hefte der llsvue des deux Mondes (XXXIV annde, T. 54, 4. livrais.) einen länger» Aufsatz des Herrn Emile Burnouf „la science des r&igions“ lasen. Derselbe nimmt auf unsere „Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee im Iudenthume, Christenthume und Islam" Bezug, ein Umstand, der, nachdem bereits IO Jahre seit dem Erscheinen der französischen Uebersetzung derselben verflossen sind, uns nur zur Befriedigung dienen konnte. Nachdem er unsere Ansicht über den Ursprung und Fortgang des Christenthums und dessen Verhältniß zum Iudenthume und Heidenthume auseinander gesetzt, stimmt er mit unserer Meinung an sich überein, erklärt sie aber aus anderen Prämissen, bestreitet deshalb unsere Folgerungen und zieht deren ganz andere. Er geht nämlich von der Ansicht aus, daß die Arier den Pantheismus, die Semiten den Monotheismus als ihre religiöse Grundanschauung hätten. DaS Christenthum wäre die Religion der arischen Völkerschaften, aber aus dem Iudenthume, also aus dem SemitiSmus entsprungen. Die europäischen Völker wären daher nach Ursprung und Anlage pantheistisch, aber durch eine semitische Religion an den Monotheismus gewöhnt. Das Christenthum wäre daher ein Compromiß zwischen dem semitischen Monotheismus und dem arischen Pantheismus. Es sei richtig, daß die Menschwerdung Gottes das Fundament des-Christenthums sei, die Incarnation, durch welche den. pantheistischen Ariern Genüge geschehen. Denn während die Semiten Gott als einzig und einig/als Schöpfer der Welt, also nicht mit der Welt identisch sondern von ihr gesondert auffassen, hätten die Arier keinen Begriff von der Schöpfung, im Sanskrit fehle sogar das Wort schaffen, die Welt ist/ ihnen eine Incarnation Gottes oder eine unmittelbare Emanation seines Wesens. Während daher das Christenthum den Monotheismus festhalte, stelle es doch die Dreieinigkeit auf, und während es die Lehre von der Schöpfung sich angeeignet, behaupte es doch eine Jncarnation Gottes. Bis hierher könnten wir nun den Weg des Herrn Burnouf allenfalls mitgehen. Aber seine Folgerungen sind nun ganz anders. Er bestreitet nämlich unsere Ansicht, daß diese Elemente sich beseitigen und im Laufe der Entwickelung schwinden werden und so die reine Gotteslehre, wie sie im Mosaismus begründet liegt, zur allgemeinen Erkenntniß der Menschheit gelangen werde. Burnouf aber behauptet, daß die arischen Völkerschaften ihre pantheistische Natur niemals aufgeben können und werden, daß sie die Vorstellung der Menschwerdung Gottes vermöge ihres Ursprungs und ihrer Anlagen auf immer festhalten und den Gedanken der Schöpfung der Welt durch Gott niemals wirklich fassen werden und daß darum das Christenthum wirklich die rechte Weltreligion sei, weil es ein Compromiß beider religiösen Anschauungen, die durch die ganze Menschheit wie zwei Ströme nebeneinander laufen, sei. Er fügt hinzu, daß eine Rückkehr zum Mofaismus auch darum unmöglich sei, weil die Völker niemals rückwärts gingen. — ES ist nicht schwer, gegen diese Ansichten des Hrn. Burnouf eine Menge kräftiger Einwände zu erheben. Wir wollen nur einige berühren. War der Pantheismus allein das Eigenthum der Arier? War nicht das Heidenthum der Aegypter und Phönizier ebenfalls pantheistisch? War nicht der Sabäismus der Araber vor dem Auftreten Mahommed's, also eines der bedeutendsten Stämme der Semiten, ebenfalls pantheistisch? Finden wir nicht dagegen die Spuren der Lehre von der Schöpfung auch bei arischen Völkerschaften? Die nordische Mythologie läßt die Welt vom Alfadir schaffen, und wenn die griechische und römische Mythologie ein Chaos annimmt, läßt sie nicht die Welt aus diesem Chaos durch Gott schaffen? Das sagt uns schon Ovid in den ersten Versen der Metamorphosen. Wenn Burnouf behauptet, daß der semitische Islam nur durch die Gewalt des Schwertes

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