Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1865)
- Date
- 1865-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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89. Jahrgang. Allgemeine JW 5. WVVHfWW #M> */♦ Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 31. Januar 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstag», in l'/z bi» 2 Bogen. Prei» de» Jahrgang» S Thlr. Halbjährig i Thlr. 16 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1 '/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 7» Bogen 3 Thlr.. für x/t Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt. Expedition für beide Lehtere hat sich da» König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau hier unterzogen. I n h a l t. Leitende Artikel: Racenschematismus. — Zum fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläum des Herrn M. M. Haarbleicher in Hamburg. — Spenden-Liste fir die Rießer- Stistung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem Großherzogthum Sachsen. Preußen: Berlin. O österreichischer Kaiserstaat: Aus demTvkayergebirge. Holland: Haag. Frankreich: Paris. Schweiz: Aarau. (Korrespondenz r Jüdische Briefe von Albert Cohn. (Schluß von VI.) — Leitende Artikel. Bonn, 22. Januar. NacenschLmatismus. Wenn die Geister von einem äußerlichen Erfassen der Dinge zu einer liefern Erforschung des Wesens übergegangen sind, so ist nichts gewöhnlicher, als daß sie entweder im philosophischen Begreifen aus Voraussetzungen oder auf Grund historischer Vorstellungen einem Schematismus verfallen, in dessen Rubriken sie alle Erscheinungen bringen und durch den sie die menschliche Natur nach bestimmten Formeln vereinseitigen und fesseln. Die Richtigkeit dieser Bemerkung erweist sich gegenwärtig wieder an dem Schematismus der Racen, den man jetzt verschiedentlich aufgebaut. Seitdem nämlich die Sprachforschung und das gründlichere Verständniß der ältesten Dokumente den Zusammenhang der indo-graeco-germanischen Völkerstämme, die man unter dem Pamen der Arier zusammenfaßt, erkennbar gemacht unddiese von den semitischen Völkerschaften, als die Hebräer, Syrer und Araber, unterscheiden gelehrt, faßt man die distinctiven Lebensmomente, dieser Racen mit einer Schärfe und Consequenz auf und errichtet zwischen ihnen so große Schranken, daß der neue Schematismus fertig ist, nach welchem nun die Geschichte von neuem construirt wird. Es geht hierbei ebenso 311. wie bei dem Nationalitätsprincip. Indem man jede bedeutsame Nationalität von der andern in schroffen Contouren unterschiedlich zeichnet, jeder einen gesonderten Charakter, eine bestimmte Lebensaufgabe, eine abgegrenzte Stellung zuschreibt, hat man sich eine Rubricirung geschaffen, in deren Fächer man bequem was nur möglich hineinbringt, aber sehr ungehalten ist, wenn sich etwas nicht hineinschicken will- Bis jetzt ist es das Nationalitätsprincip gewesen, das sich auch in politischer und socialer Beziehung hat geltend gemacht und vielfach für Freiheit und Fortschritt sehr unglückliche Wirkungen gehabt hat. Wir fürchten, daß dies in nicht weiter Zukunft auch mit dem Racenprincip der Fall sein wird.*) Man vergißt hierbei Zwie- *) In der jüngsten Zeit begegneten wir, schon jenem alten Einspruch gegen die Gleichberechtigung, daß die Juden Fremde seien, in das Gewand ihrer semitischen Race gekleidet. Asiaten mag man sie nicht mehr nennen, denn die Deutschen waren ja auch einmal Asiaten, aber als Semiten stehen sie den Ariern gegenüber. .