Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1865)
- Date
- 1865-01-24
- Page
- Seite 58 (sequence 12)
- Language
- German
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sonders die Verbesserung des Gottesdienstes, beschäftigten ihn während seines ganzen Lebens und ist besonders seine Schrift über die Einführung der Orgel und die Beseitigung der Piutim verdienstvoll. - Sein Leichenbegängniß war imposant; an seinem Grabe sprachen der Großrabbiner Lippmann, der Herr v. Bouteiller im Namen der Akademie und Herr Levh-Bing von Nancy. Besonders war es der vorzügliche Charakter .desVerstorbenen, welchen die Redner feierten. Correspondenz. Jüdische Griese von Albert Cohn. VI. Im Laufe des Jahres 1809 zeigten die Herren Dälembert, Mardochön und Pollonais, einer nach dem andern, dem Consistorium an, daß ihre Söhne die polytechnische Schule und die Schule von Saint-Cyr verlassen hätten und zu Unterlieutenants in den Corps der Artillerie oder reitenden Jäger ernannt seien. Es waren dies wahrscheinlich die ersten jungen Leute, welche in diese verschiedenen Institute eingetreten waren, um in ihnen eine höhere und zwar militärische Erziehung zu erhalten. Seit dieser Zeit haben mehrere Hunderte junger Leute aus unseren besten Familien dem Vaterlande ihr'Verlangen bewiesen, sich ihm in allen Zweigen der Künste, Literatur und Wissenschaften nützlich zu machen. Während sie nur den 380sten oder 40Osten Theil der allgemeinen Bevölkerung bilden, zeigt die Ziffer ihres Besuches der höheren Schulen gewöhnlich das Verhältniß wie 1 : 18 oder 1 : 20. Die politischen Veränderungen von 1814 übten auch auf die Stellung unserer Glaubensgenoffen ihren Einstuß. Die Culte werden unter den Minister des Innern gestellt, der, unter dem Datum des 30. Mai und 15. Juni, folgende mit der Unterschrift Montesquiou und Generalsecretär Guizot versehene Rundschreiben an den Vorsteher des Consistöriums von Paris richtet. „Die göttliche Vorsehung hat das Joch des Despotismus zerbrochen. Der Schutzgeist Frankreichs schwebt jetzt Über demselben. Dieses schöne Königreich wird seinen alten Glanz wieder erhalten unter der milden Herrschaft der Lilien,*) unter dem väterlichen Scepter eines *) Drei Lilien bildeten das Wappen dev Bourbonen., Die Redaction. Franzosen, *) eines Nachfolgers Ludwig des: Gerechten, Heinrich des Guten, unter dem Scepter Ludwig. XVIII. Eure Kinder werden nicht mehr.den Armen ihrer Mütter entrissen werden, um auszugehen, den Erdkreis zu verwüsten und ihn mit ihrem Blute zu tränken; ihr werdet den Trost haben, in ihrer Mitte zu leben und sie zu der Thätigkeit zu erziehen, zu der Gott sie beruft; ein dauernder Friede wird uns allen Ruhe und Glück sichern! Die Gewissensfreiheit, wird hoch geachtet. Die Diener der verschiedenen Religionen sollen gleichmäßig durch das gemeinsame Staatsoberhaupt/ geschützt, eure Forderungen gleichmäßig in der Wagschale der Gerechtigkeit abgewogen werden. Ihr werdet sie nicht immer zu wiederholen brauchen, weil sie nicht mehr werden durch die Gleichgiltigkeit in Empfang genommen oder von vornherein zum Vergessen vermtheilt werden. Ihr werdet nicht mehr Gott um Milderung seines Zornes zu bitten brauchen; eure Gebete, eure Gesänge werden nur noch Dankeshymnen sein. Indem ihr Dankesfeier wegen der glücklichen Rückkehr Sr. Majestät nach Frankreich anordnet, fordert die eurer Lenkung untergebenen Gläubigen auf, zu Gott um die Unterstützung und Erfüllung des einzigen Wunsches des Königs zu stehen, nämlich alle seine Kinder, alle Franzosen glücklich zu machen!" „Herr Vorsteher! Während der traurigen Jahre der jüngsten Vergangenheit befahl man den Dienern der Religionen Dankfeier für den Gewinn dieser oder jener Schlacht; diese Diener gehorchten zitternd, aber in ihrem Innern thaten sie Wünsche für den Frieden, die sie laut werden zu lassen nicht wagen durften. Indessen war in diesen Zeiten unser erhabener, unser legitimer Herrscher, obwohl stets voll Theilnahme für den Ruhm unserer Krieger, nichtsdestoweniger betrübt über das Unglück seiner Unterthanen. Er studirte, er überdachte in der Stille der Zurückgezogenheit, er'berechnete in der Gerechtigkeit und väterlichen Güte seines Herzens die Mittel, eines Tages durch einen ehrenvollen und zuverlässigen Frieden das Glück eines Volkes zu sichern, welches gesättigt ist mit Ruhm. Indem er wieder auf den Thron seiner Väter stieg, waren die keuschen Hände Ludwig des Ersehnten nicht mit einem Zeichen des Raubes und Verderbens bewaffnet; sein Scepter war ein einfacher Olivenzweig, welchen er unseren erhabenen Befreiern dar- *) Napoleon war bekanntlich Corse und noch als Italiener geboren, da die Franzosen erst ein Jahr später die Insel erhielten. Die Redaktion.