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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-24 · Heft 4 (24.1.1865) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 4 (24.1.1865)
Date
1865-01-24
Page
Seite 49 (sequence 3)
Language
German
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4S' bei 'Befestigung desselben; die Veränderungen bestehen in den concreten Erscheinungen,' in der- Vermänmgfaltignng der Lebensverhältnisse, in den-Mchtüngen und -Bedürfnissen, die-sich , aus der Entwickelung herausbilden? Und ebenso ' verhält es' -sich mit - der - Religion. -Die großen Wahrheiten, die uns aus der Gnade der göttlichen Offenbarungverkündet worden, die Grundsätze der -Liebe und des Rechtes, die-uns gegeben worden, die Grundlehren über das-Wesen Gottes, daS Verhältniß zwischen Gott und dem Menschen, das Wesen des Menschen, die Pstichten und Rechte, die ihm-einwohnen, sind-ewig und un? wandelbar,-unveränderlich dieselbigen wie die Gesetze der Menschennatur, wie die' Gesetze der göttlichen Schöpfung. Aber wiedieselben, sich, in der concreten Erscheinung, wie sie in der Lebensweise und in den einzelnen Verhältnissen sich zu detailiren und zu verkörpern haben, das ist der.Entwickelung unterthan, das ist der Veränderung unterworfen, das/ Hai sich ebenso nach den Richtungen und Zuständen der 'Zeiten wie nach den Verhältnissen und Umständen des Individuums zu modificiren. Du kannst zu dem jetzigen Israeliten nicht mehr - sagen: bringe ein Rind oder ein Lamm auf -dem Altar des' Heiligthuins dar; du. mußt zu ihm sagen: richte ein inbrünstiges Gebet zu deinem Gotte; du kannst zu dem Kaufmann nicht sagen: verbinde dem Ochsen das Maul nicht beim Dreschen^ ja nichti einmal zu . dem jetzigen Landmann, der mit. Ochsen nicht, mehr drischt, sondern du mußt zu jenem sagen: behandle deine Untergebenen mit Milde und Freundlichkeit, und zu. diesem, wie es der Talmud thut: versorge deine Hausthiere mit allem Röthigen und behandle sie. menschlich und schonend. Doch noch eins müssen wir chervorheben. ' Das Wesen der Entwickelung tritt geradezu dem/Aufbau aus der bloßen Vernunft des Individuums, aus der bloßen Richtung einer Zeit entgegen. Das Wesen der Entwickelung befaßt die Entfaltung aus dem Gegebenen, aus dem Ueberkommenen, aus dem geschichtlich Gewordenen und Geltenden.; Aus individuellen Voraussetzungen und aus dem vorwiegenden Charakter einer'Zeit kann nichts Allgemeines und'Dauerndes hervorgehen und das Verhältniß des Ewigen und Veränderlichen in, der Religion zueinander - erfordert lediglich eine Veränderung vermittelst der Entwickelung aus dem Gegebenen heraus.; . ■ : Aus- .diesen;Momenten aber entspringen die Nuance rungen, die auch m der Partei der Entwickelung innerhalb des Judenthums zu Tage getreten sind?-Wir beabsichtigen -nichts die eine oder die ändere zu beurtheilech so wenig wie wir dies' Lei"iH.reri -sondern nur, sie zu Zeichnen'und sie zu charäkterisiren. - Wir gewahren hier eine analoge Erschemung!. Sö' wie wir viele gesehen, welche' sich-zum Principe der Stabilität bekennen, -aber bewußt und unbewußt weit darüber hinweggehoben -sind: so auch tragen nicht wenige den Grundsatz der- Entwickelung ' äls völlberechtigt vor sich her und ihr Sinn 'und ihr Herz'! hängt wie durch Unsichtbare Bande an der alten Sitte und Satzung; Auch ist nichts selbstverständlicher; ' als dassauf'dem Gebiete der Entwickelung theoretisch und sactisch eine große Mannigfaltigkeit herrscht.' Sägt doch schon das alte Sprichwort: „Jeder Jude hat seinen eigenen Schulchan Aruch" — weil jedes Individuum' sich in dem großen Convolüt der Satzungen nach seinem Wissen, Denken und Fühlen in eigener Weise zurechtfindet, bald dieses bald jeUes für wesentlicher hält, was anderen von geringerer Bedeutung erscheint. Um wie viel mehr da, wo die Stetigkeit des formülirten Gesetzes nicht mehr für unbedingt gehalten wird. Wenn das Band der Autorität zerrissen ist, so ist zwar -die freie Bewegung des Geistes - gewonnen, aber desto länger dauert es, bis -mau zu schwanken aufgehört und wieder auf festem Boden stehen' gelernt hät? Doch laßt sich schon jetzt wenigstens nach gewissen Principien diese Mannigfaltigkeit in gewisse Kategorien bringen. 'Hier sind es-'nun zunächst diejenigen, welche zwar die Berechtigung der Entwickelung im'Iüdenthnme anörkeniieti, dber diese Fortentwickelung 'fest an die Autorität des Lälmuds gebunden erachten und ' daher nur diejimgeü Reformen zulassen; -welche einen Grund und Anhaltim Talrnüd hätten/-daher Lei jedem Schritte -sich mach Belegstellen im Talmud ümsehenl Manches; besonders in Bezug auf den Gottesdienst, läßt sich auf diese Weise mit Glück durchführen.' Denn einerseits 'ist der Talmud oft ' viel aufgeklärter ' als die späteren' Rabbinen, - die Mifchua als' die-Gemara; La'die späteren das 'noch'banden/'was die' früheren noch freigelassech jene'jest Machten^'was bei diesen -noch flüssig - Mr.'- Ändörerseits' Lefäß't der Talmüd' hauptsächlich-Diskussion uüd da gibt'diese oder jene Ansicht eine Handhabe. Im den" wesentlichsten Lebensmomenten aber führt dieser 'Weg durchaus nicht "vo'twärtö und könnte nur zu Fälschungen 'veranlassen; da jede im Talmud unzweideutig festgestelltsind.— Die zweite Kategorie geht weiter. - Sie erkennt die bürgerliche Gleichstellung der Juden und ihren Eintritt in^däs Cultur- und staatliche Leben der Völktr als' ein von der Hö'Äichrnl Vorsehung ebenso'angeordnetes und hetbeWführtes Fäc- 4*

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