Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1865)
- Date
- 1865-01-24
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
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j x des Mosaismüs treten zunächst die Propheten, die heiligen Sänger und Scribenten; dann kommen Esra und , die Mannes.dev, großen Versammlung; hierauf - folgen nacheinander- Pie' Classen der mischnischen und gemari-. scheu Lehrer und enEich^die nachtalmudischen Äutoritäten. Der Schatz der Halachoth, den der Talmud auf die stnaitlsche Offenbarung zurückführt, ist sehr klein;! 48 . m 3 Pi Wir haben sie schon angedeutet und in den Artikeln über „die Reform im Iudenthume" (Jahrg. 1A62, S.L55ff.) ausführlich besprochenL Jeder Blick zeigt,' daß die Stabilen unserer Weit ich-Leben und Wesen mich t mehr die Stabilen selbst noch des vorigen Jahrhunderts sind, daß die Stabilen in Deutschland den Stabilen in Rußland -durchaus nicht gleichen. Wenden wir uns vielmehr zum der ungleich größere^ist dom,Auslegungen und Folgerun- , gen der talmudischen Lehre entsprungen; Gunter diesen eine große Mannigfaltigkeit der Ansichten, die sich. erst., spät zu bestimmten Normen ausglichen. Das sind Sätze, welche auch der Stabilste nicht leugnen kann, und wird, welche aber hinlänglich beweisen, daß das Judenthum, welches sie für unveränderlich ausgeben, doch >erst.,u.us sehr großen Veränderungen hervorgegangen und daß der größte Theil dessen, was in ihm gilt, erst durch sehr späte Autoritäten festgesetzt worden. Im Gegensatz ist außerordentlich vieles, was in den früheren Phasen des Judenthums als heiliges, unverletzliches und unveränderliches Hebst.-bestand- .aufgegeben und verändert, worden. Der. größte ^TMl der ^mosaischen Gesetze konnte schon von . den Talmu.disten nicht mehr.geüht werden und. den größten Theil der talmudischen,Gesetze können die strengsten Stabilen jetzt nicht mehr, ausüben; die Talmudisten wie die jetzigen Stabilen, mußten den geschichtlichen Ereignissen und den unwiderstehlichen Einflüssen des Lebens weichen. , Wenn z. B. vor kurzem in Holstein.die rabbinische.Gerichtsbarkeit, .namentlich auch das.mosaisch-rabbinische. Erbrechtaufgehoben worden, können, und wollen die dortigen Stabilen etwas dagegen thun? Wir sagen auch wolle«, denn bringen sie etwa ihre Streitigkeiten, poch noch vor das R-abbinat in, Altona? Ordnen sieetwa dennoch, ihre. Fafliilienverhältnisse nach den stricten Bestimmungen jenes.Rechtes? Demjenigen, der eine tiefergehende ^Prüfung anstellt, etwas, was -wir . den Stabilen >nicht zumujhen, wird es,.auch klar werden, daß nicht chlos, mden ^orpiirteu Satzungen, sondern auch in der ganzen Geistesftchtung, im Gedanken- und Lehrin-, halt eine, große Verschiedenheit auf den einzelnen Stufen des Judenthums stattgefunden, und daß z. B. die Begriffswelt, Per. ^chlmudisten eine;,ganz andere als die der Propheten und Psalmisten war und. daß.unter den ein-, zelnen talmudisch-rahchinischen Autoritäten innerhalb dev vielen.Jahrhunderte.. keipe^Gleichartigkeit der Glaubensansichten herrschte.. . . .. : .,l Die G.eschichte hat also gesprochen. Auf bie; Gechal-.^ ten des Lebensl wollen wix.hier nicht. weitereingehep. , dritten und bedeutendsten Momente.. Mer-kann verkennen, ' daß die" Natur des Menscheü von Gdtt auf die Entwickelung angelegtest? Vom Kinde bis zum Mannesalter, vom Manne bis zum Greisenalter sehen wir in '- jedem Jndivibüum'eine siete Entwickelung. Und wie verschiedenartig ist diese! Kein Individuum gleicht dem an- ^deM-und^ selbst Pie, welche unter ganz gleichen Verhältnissen erwachsen und leben, bringen die verschiedenartigsten Resultate zu Tage. Und.so auch in der Gattung. Wer vermöchte jetzt diese Entwickelung des Menschengeschlechts und ihre Resultate zu leugnen? Und wer sie als eine fortschreitende, zu höherer Bildung und Vervollkommnung führende leugnen wollt,e, muß doch die stete Veränderung, die..-vor-sich.. geht,.-?WgestehemWer, jene aber leugnet, tritt dem Glauben an die göttliche Vorsehung entgegen. Denn wie im Leben des Einzelnen die göttliche Fügung mit den von Gott gegebenen Anlagen und hem freien Willen des Menschen aus ihm das macht, was er wird, so tritt im Leben der Gesammtheit. die göttliche Vorsehung zu dem Zusammenwirken der. Menschen, um die Resultate der Geschichte zu erzielen und vorzugsweise die göttliche Vorsehung, da hier der Einzelwille der Individuen nur sehr schwach sich geltend machen kann. Der'Begriff der göttlichen Vorsehung aber , schließt aus dem Grundzug der Entwickelung auch das; bloße Steigen und Sinkendas Auf- und Abwärtsstei-; gen., .aus und fordert , an, .,sich die, Bewegung nach dem Besseren, Edleren, Höheren, Aber schließt diese stete Veränderung und Entwickelung in den Individuen wie in der Gattung aus, daß dennoch auch in der Menschennatur ein Dauerndes,.^Unwandelbares chesteht? .Verändert , sich die Menschennatur an sich? Sind nicht, die .Gesetze- ' des Geistes, des Denkens und Fuhlens ewig ,dieselbigen,?; , Strömen nicht, dieselben, Leidenschaften imWer durch das I Menschenherz? Aendert sich die Logik.der-Ursachen^ und? Wirkungen?..Meins-.,die. Entwickelung fb^sieht nur. in Ke,; : immer größeren, undfeineren; Entfaltungcher Kräfte, in! der, Ausdehnung und Berichtigung der Erkenntnisse,, sin ' der Klärung, der .Begriffe, in der Zimmer größere^., und. - exusteren Anerkennung des- Wahren und Guten und;.iy<