Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-17 · Heft 3 (17.1.1865) · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 3 (17.1.1865)
Date
1865-01-17
Page
Seite 41 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226477--22749-3250018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 lehrjunge in. Behandlung, dessen Krankheit einen tödt- Wen Ausgang nahm. Der Sterbende,welcher bewußtlos. war, wurde ohne weitere Fragen mit den heiligen Hterbesacramenten versehen, und' als er kurze Zeit darauf verschied , nach katholischem Ritus eingesegnet und M 16. v. M. nachts mit dem allgemeinen Spital- Leichknwagennach dem katholischen Friedhofe in Währing überführt. Der Meister des verstorbenen Lehrjungen, ebenfalls ein Jsraelite, kam nun am 22, v: M. in das.Spital, um den Kranken.^ besuchen, underfuhr zu seinem nicht geringWDWstaunen, was geschehen war, worauf er sogleich bei der israelitischen Gemeinde die Anzeige machte. Infolge dessen wurde an^ 23. v. M. der Leichnam, welcher sich im höchsten Grade der .Verwesung befand, ausgegraben und einstweilen in der Leichenkammer des währinger Friedhofes beigesetzt, bis endlich Mittwoch, den 28. v. M. durch die betreffende Commission dessen Uebertragung nach dem israel. Friedhofe veranlaßt wurde. Frankreich. Paris, 2. December. (K. Z.) An Renan's Stelle ist Munck, Mitglied der Akademie der Inschriften, zum Lector des Hebräischen, Chaldäischen und Syrischen am College de France ernannt worden. Wie Michael Breal, der an Renan's Stelle Professor der vergleichenden Grammatik geworden, ist auch Munck Israelit. , Italien.- Rom, 2. December. Die. „Presse" schreibt: „sWieder ein MortarafallJ Aus Rom wird berichtet, daß am 12. December wieder ein Judenkind von acht Jahren, ohne daß dessen Eltern darum gefragt worden wären, von einem katholischen Handwerker als sein Adoptivkind ins Haus genommen und getauft worden sein soll." — Diese abermalige Wiederkehr des traurigen Vorgangs bringt uns den Plan in Erinnerung, welchen zuerst der Redacteur der „4rell. isr.", Herr Isidor Sahen, aussprach und welcher uns jüngst durch ein Scheiben aus Worms empfohlen wurde, nämlich daß die<Mswauderung sämmtlicher Juden aus Rom bewerkstelligt werde. Herrn Cahen's Aufforderung fand nur bei einer sehr geringen Zahl von Personen Anklang, nicht etwa, daß sie nicht, in den Wünschen fedes Wischen Herzens ihren Widerhall fände, sondern weil die Ausführbarkeit des Planes unmöglich erscheint. Es wohnen - in Rom 4500 Juden, also ungefähr 900 Familien. Die Armuth ist sehr groß unter ihnen und die meisten leben nurvon der Hand-züm Mund. Es handelt sich bei einer solchen Verpflanzung nicht nur um die ^Transportkosten der Personen und ihrer beweglichen Habe sondern vielmehr, ihnen Wohnplätze anzuweisen, wo sie den Erwerb ihres Unterhalts wiederfinden, Da können Jahre darüber hinweggehen, während derer die Ausgewanderten unterhalten werden müßten. Denn selbst diejenigen, welche nicht zu den Armen gehören, ziehen zumeist ihren Erwerb aus den Verhältnissen, in welchen sie stehen, und nur wenige finden sobald wieder ähnliche. Erwerbsquellen, nur wenige, haben etwas zuzusetzen. Diejenigen aber, welche ein Grundstück besitzen, können sich pm so schwieriger davon trennen, weil die Grundstücke des römischen Ghetto schwerlich Käufer finden und gewiß keine genügende Entschädigung, wenn der ganze Ghetto mit einem Male verlassen werden soll. Abgesehen also von den Millionen, die hierzu gehörten, wer möchte wohl die Verantwortlichkeit übernehmen, so viele Personen aus ihren heimischen Verhältnissen herauszuziehen und in eine -gänzlich ungewisse Zukunft zu versetzen? Bezeichnend ist es eben, daß in Italien selbst, wo man doch die Sachlage am besten-muß beurtheilen können, nach jener Aufforderung des Herrn Cahen, sich durchaus keine Stimme darüber vernehmen ließ und kein Schritt nach dieser Richtung hin geschehen ist. Mansammelt dort gerade für die tunesischen Juden, warum sollte man also nicht für die römischen Glaubensbrüder das offenste Herz haben, wenn der vorgeschlagene Plan irgend ausführbar erschienen wäre?. Die Red. d. A. Z. d. I. Korfu. Korfu, im December. In Korfu bilden ein Drittheil der aus c. 18,000 Seelen bestehende Bevölkerung die Juden, deren ärmerer Theil den Ghetto bewohnen. Diese zeichnen sich durch ihre blauen Gewänder aus, haben aber sonst in ihrem Aeußern weniger Auffallendes, als man es in anderen Ländern bei diesem langunterdrückten Volke antrifft. Sie sind meistens Handelsleute; eigenthümlich ist, daß zu ihnen sämmtliche Packträger und öffentliche Dienstleute gehören. 3** « .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.