Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1865)
- Date
- 1865-01-17
- Page
- Seite 40 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Leipzig, im Januar. (Privatmitth.) Herr Prof. Di*. Julius Fürst %oi von Sr^ Majestät dem König von Preußen das Ritterkreuz des Kronenordens vierter Elasse erhalten. — Der „Verein zur Förderung geistiger Interessen im Judenthume" hat auch diesmal den / Todestag Moses Mendelssohns durch eine sehr würdige-Feier begangen , bei welcher in diesem Jahre Herr vr. Joel aus Breslau die Festrede gehalten. Preußen. KoLmin, 28. December. (Privatmitth.) Die Mission scheint unter den Heiden ihren Zweck schon erreicht zu haben und die Bekehrung der Juden soll nun schäre fer in Angriff genommen werden. Wenigstens wird für das Geld, das nach Afrika gehen sollte, in neuerer Zeit die Zahl der Missionsschulen bei uns bedeutend vermehrt. Aber man fragt, in welcher Art und Weise begründet die Mission ihre Stationen und Schulen? Die erste Frage ist hierbei: wonach ermißt die Mission, ob ein Ort des Segens würdig ist, irgend ein Institut von ihr zu erhalten? Dies geht so zu. Ein Beamter nämlich, der sonst der Rex der kleinen Städte ist, weiß, was man in gewissen Regionen gern sieht, und weiß auch die Leute zu nehmen, wie er sie nehmen muß, damit sie nach seiner Pfeife tanzen. Dieser Rex der Stadt hat auch schon dafür gesorgt (und was läßt sich in einer kleinen Stadt nicht thun?), daß im Schulvorstande Männer sind, groß an Geld, denen aber das Schreiben und Lesen so fremd ist wie den Mamluken. Und nun, was leichter, als von der Mission eine . Schule verlangen? Diese beschafft dann sofort für theueres, wenn auch erbetteltes Geld Localität und Utensilien und sendet einen ihrer Lehrer an den Ort. Die verschiedenen Experimente, welche ein solcher macht, um, wenn auch aus den niedrigsten Classen, einige Judenkinder in die Schule zu bekommen, sind wohl allbekannt. Gelingt es ihm wie hier an der jüdischen Schule beschäftigt zu werden, dann Gloria. Die Mission hat die Freude, Kinder in der Hand zu haben, um den Samen des Heils auszustreuen in die jungen Herzen, und freiwillig hat eine Judengemeinde ihr diesen Weinberg zum Bearbeiten übergeben. Ja, freiwillig, nach den oben geschilderten Umständen. Daß die Werkzeuge der Mission gar nicht blöde sind, beweist, daß trotz der Einsprache eines bessergesinnten Schulvorstehers die Kinder in der Missionsbibel lesen müssen, denn der Schul-Inspektor hat sich darüber einen Machtsprüch angeeignet, und so blieb es beim Alten. Aber der Rabbiner, werden Sie sagen, der müßte doch seinen Einfluß geltend machen. Leider auch hierüber eine betrübende Antwort. Die Rolle der alten Rabbinen ist ausgespielt und nur dadurch bekundet ein solcher sein Vorhandensein, daß er über das Käschern vorträgt. Doch das Interesse des Judenthums kümmert ihn wenig; .jhm ist es genug, wenn er Leute um sich hat, die einerr geordneten Gottesdienst als unheilvolle Neuerung betrachten, die einen Lehrer verketzern, der seinen Schülern sagt, daß es eine geringere Sünde sei, am Sabbath einen Leuchter in; die Hand zu nehmen, als irgend einen ÄebenmeuscheU' üM sein Eigenthum zu betrügen. Ob solche Leute vielleicht auch keine Wahrheit hören mögen? Von dieser Seite und überhaupt hier läßt sich sobald keine Aenderung der Verhältnisse erwarten: So kommt es, daß an einer jüdischen Schule - Missionäre unterrichten und die jüdischen Kinder gezwungen sind, in der Mlssionsbibel zu lesen. -::i' Oesterreichlscher Kaistrstairt. Wien, 5. Januar. Den Israeliten ist es noch immer nicht gestattet, sich in der k. k. Militärgrenze ansässig zu machen. Selbst der israelitische Soldat, der seiner Wehrpflicht Genüge geleistet hat und aus dem Militärverbande entlassen wurde, darf sich in der k. k. Militärgrenze nicht bleibend niederlassen. Wie graß diese Ausschließung sich darstellt, ersieht man daraus, daß ein Verbrecher, der einer christlichen Kirche angehört, sich, sobald er seine Strafzeit überständen hat, allenthalben, auch in der Militärgrenze niederlassen darf, wenn er daselbst seine Existenz zu begründen hofft. Dem verabschiedeten jüdischen Soldaten wird diese Begünstigung nicht zu Theil, selbst wenn er die besten Zeugnisse vorzeigt! Die Wunden, die er vom Feinde auf dem Schlachtfelde erhalten, können ihm ebenso wenig den Weg zur Niederlassung in der MiWrgrenze bahnen als die etwaigen Auszeichnungen, dil seM Brust zieren! Ein verabschiedeter jüdischer Soldat hat deshalb ein Gesuch um Aufhebung dieses 'Niederlassungsverbotes an den Reichsrath gerichtet Wir hoffen, daß ihm entsprochen wird. —. Das „W. L." berichtet: Im hiesigen allgemeinen Krankenhause befand sich ein israelitischer Spengler-