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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-17 · Heft 3 (17.1.1865) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 3 (17.1.1865)
Date
1865-01-17
Page
Seite 38 (sequence 8)
Language
German
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hierauf beschlossen, dem Zwecke des Vereins dadurch zu genügen h daß an drei Abenden wöchentlich einmal ksmbom undzweimal Ülisoünek vorgetragen werde. Wir. bedauern diesen Beschluß und hätten gewünscht, daß man den Begriff „Thora" etwas weiter gefaßt und" alles darunter verstanden hätte, was zur Kenntniß und zum Verstandniß des Judenthums beiträgt, und dieser Auffassung entsprechend die Vorträge eingerichtet hätten Wie diese' aber jetzt gehalten werden, müssen wir nach den ^machten Erfahrungen befürchten, daß die Theilnahme für dieselben nur von sehr kurzer Dauer sein werde, da unter den gesummten, sich auf mehr als hundert belaufenden Mitgliedern des Vereins bekanntlich nur sehr wenige sind; welche eine hinreichende Kenntniß des Rabbinischen besitzen, um derartige Vorträge mit Interesse anzuhören. Der weit überwiegende Theil muß sich demnach langweilen und selbst diejenigen Zuhörer, welche sich regelmäßig sraiö oiab ein finden sollten, werden durch..solche Borträge schwerlich wahrhafte 'n ■mab d. h. vom Geiste des Judenthums erfüllt und mit dem großartigen Inhalte der Gotteslehre vertraut werden. Wären dagegen Vorträge be-- liebt worden, in denen die Anforderungen der Gegenwart wie die Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft mehr Berücksichtigung gefunden hätten, so würde man nicht allein aus eine größere Theilnahme haben rechnen, sondern auch einem, wie uns scheint, auch anderwärts noch zu wenig beachteten und darum so selten beseitigten Uebelstande haben abhelfen können, der sich nicht allein hier sondern ohne Zweifel auch in den meisten größeren Gemeinden kundgibt, in denen sich .eine beträchtliche Anzahl jüdischer junger Männer findet. Letztere bringen nämlich, nachdem sie während des Tages im Geschäfte gearbeitet haben, die Abende, wie bekannt, in der Regel in Gasthäusern mit einer den Geist gerade nicht sehr bildenden Beschäftigung und im günstigsten Falle im Theater zu; von dem Judenthume erfahren sie, da die meisten unter ihnen das ganze Jahr hindurch mit etwaiger Ausnahme des Neujahrs- und VersöhnungStages auch das Gotteshaus nicht besuchen, nichts und das wenige, das sie von der jüdischen Religion in ihrer Kindheit in der Schule gelernt, ist längst von ihnen vergessen, und doch sollen sie künftig die Mitglieder der Gemeinde bilden, sollen dem Glauben der Väter anhängen und an der Erhaltung der religiösen Institutionen ein Interesse nehmen! Kann man aber von jemandem Interesse für eine Sache fordern, die er gar nicht kennt und von" deren Werth er nicht die geringste Vorstellung hat? Welche Antworten vermögen die meisten jüdischen jungen Leute zu geben, wenn sie nach den Lehren ihres Bekenntnisses gefragt werden, und mit welchen Waffen vermögen sie selbst die unbegründetsten Verunglimpfungen zu bekämpfen, die das Judenthum so häufig von den verschiedensten Seiten erfährt? Nach unserem Dafürhalten gibt es nur ein Mittel, diesem Uebelstande abzuhelfen, und dies besteht in einer angemessenen Belehrung über Israels Glauben und seine Geschichte, und eine solche Belehrung könnte eben in Vorträgen, wie wir sie oben angedeutet haben, ertheilt werden. Man entgegne Uns aber nicht, daß derartige Borträge bei den Jünglingen keinen Anklang finden würden, da wir niemals zugeben werden, daß dieselben nicht mindestens ebenso interessant sollten -gemacht werden können wie die über deutsche Literaturgeschichte, welche in dem unter dem Namen der Gesellschaft der Freunde hier bestehenden jüdischen Club gehalten werden, bei denen sich regelmäßig auch die. jungen Leute einfinden. Wir räumen zwar gern ein/ daß in dem genannten Club manchen weniger der Vortrag als das diesem in der Regel folgende Souper oder das Amüsement, das er in der UnterhaltunL^mit den Damen findet, anziehen mag; allein wir würden nichts dagegen haben, bei den von uns gewünschten Vorträgen ein gleiches Reizmittel zuzulassen, wenn dadurch nur das Ziel, das wir vor Augen haben, erreicht würde. Und vollends würden wir uns freuen, wenn auf diese Weise auch unseren Jungfrauen, Frauen und Müttern Gelegenheit gegeben würde, sich an dem Lichte unseres Glaubens zu erwärmen und an der unvergleichlichen Vergangenheit unseres Volkes zu erheben. Möchten diese lediglich die Erhaltung des Judenthums bezweckenden Worte hier wie auswärts Beachtung und Beherzigung finden!*) Die hiesige Anwaltskammer wählte vor kurzem den Obergerichtsanwalt Simon in den Ausschuß und daö Bürgervorstehercollegium ernannte den ersten und ein- *) Wir haben über dieses Bedürfm^reMüiäßiger religiöser Lehrvorträge außerhalb der Synagoge im Leitartikel von Nr. 27, S. 412 ausführlich gesprochen und dieselben als eine P fl ich t der Gemeinden hervorgehoben. Ausführlicher sprechen wir darüber noch in dem unter der Presse befindlichen 3. Theile unseres Religionswerkes in dem Abschnitt über die israel, Religionsgemeinde. * Die Redaction.

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