Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1865)
- Date
- 1865-01-17
- Page
- Seite 37 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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37 richtungen mit Steuerbewilligungsrecht bestanden, diese gerade durchdie Feudalen verfielen. Ein schlagendes Beispiel bringt hierfür Ranke im ersten Bande seiner ,/Neun . Bücher preußischer Geschichte." Der Kurfürst Friedrich Wilhelm sah die Notwendigkeit ein, sein stehendes Heer aufrecht zu erhalten, und dazu diente die ,-Contribution", eine Steuer, welche in drückendster Weife auf den Gebäuden lastete, so sehr, daß, nachdem durch den dreißigjährigen. Krieg die Gebäude, namentlich in den Städten, an manchen Orten ^fast bis auf ein Fünftel der früheren Zahl verschwunden waren, doch niemand neue Häuser.zu bauen unternehmen konnte, weil die darauf ruhenden Lasten nicht zu erschwingen waren. Der Kurfürst schlug daher den Ständen vor, die Contribution abzuschaffen und dafür eine Consumtionssteuer einzuführen. Die Vertreter der Städte wollten mit Freuden darauf eingehen, weil dadurch das zunächst größte Bedürfniß, von dessen Befriedigung die Neubelebung und der Aufschwung der Städte abhing, der Bau neuer Häuser ermöglicht ward und die Last, die nur auf einem Object ruhte, auf alle vertheilt ward. Gerade darum wollten die adeligen Stände durchaus nichts davon wissen und widersetzten sich , dem Vorschläge nachdrücklich. Eine Consuulüonssteuer mußte sie ebenso treffen wie alle andereniMgehörigen des Staates, während die Gebäudefteuer sie nur in sehr geringem Maße beanspruchte. Der Kurfürst traf daher den Ausweg, daß er den Städten die Consumtion auferlegte und den Adel bei der Contribution ließ. Dadurch waren die Stände getheilt, das Steuerbewilligungsrecht illusorisch und das ganze ständische Recht gerieth in Ruhestand und erlosch auf diese Weise. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. Januar. Angekommen: Die 32ste Lief, des Wörterbuchs der deutschen Sprache von Dr. Daniel Sanders. Leipzig, 1864 (Otto Wiegand). Diese Lief, des von uns^mehrfach empfohlenen Werkes befaßt die Wörter dfjRi" bis „W ehre n." Das Ganze wird demnach mit noch drei Lief, beendet sein. pnar» ^2212 von M. E. Stern,- das 31. Heft. Wien, 1865, im Verlage des Herausgebers. Die mit so vieler Ausdauer von dem verdienstvollen Herausgeber fortgeführte Sammlung von Aufsätzen und Gedichten in hebräischer Sprache wächst immer ansehnlicher an und dient in der That der Pflege der hebr. Sprache in anerkennenswerther Weise. Allerdings sind die mitgetheilten Arbeiten an Form und Inhalt von sehr verschiedenem Verdienste, aber im ganzen ist keine ganz ohne Werth, wenn auch die meisten exegetischen noch auf schwachen kritischen Füßen stehen und die poetischen bisweilen mehr Reimgeklingel und Wiederholung schon oft gebrauchter Formeln als reich an Gedanken und neu und frisch im Ausdruck sind. Jedenfalls wird das Talent dadurch gefötv^t und vielseitig zu weiteren Versuchen angereizt. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, 7. December. (Privatmitth.) Unser Regierungsorgan, die neue hannoversche Zeitung und nach ihr sämmtliche hier erscheinenden Blätter theilten in jüngster Zeit nicht allein die von uns bereits berichtete Thatsache mit, daß der Bau der kgl. Marienburg auf allerhöchsten Befehl nunmehr dem Architekten Oppter als alleinigem Bauherrn übertragen worden sei, sondern spendeten auch dem begabten Künstler, welchem dieser Bau Gelegenheit gebe, seine Kenntnisse, seinen Geschmack und seine Phantasie zu zeigen, das größte Lob und hoben hervor, wie derselbe, das Grundprincip der Baukunst: „Der Außenbau soll das Spiegelbild hes Jnnenbaues sein" stets im Auge behaltend,, bereits eine Anzahl neuer Projecte entworfen habe, welche die allerhöchste Genehmigung um so eher gefunden hätten, als sie nicht blos praktischen Sinn und künstlerische Begabung bekunden, sondern auch, weil bei ihnen der Grundsatz echter Kunst: „Wahrheit in Construction und Form" auf das strengste gewahrt sei. Demselben Künstler ist nunmehr auch nach einer von ihm entworfenen Zeichnung die Ausführung des hier zu errichtenden Marschner-Denkmals übertragen worden. *) Die Generalversammlung der Mitglieder des Talmud-Thora-Vereins hat unlängst stattgefunden und sind auf derselben die provisorischen Statuten im wesentlichen genehmigt und ein aus 5 Mitgliedern bestehender Vorstand ernannt worden. Der Vorstand hat *) Wir nehmen diese Mittheilung, die eigentlich unser Bl. nicht interessirt, aus dem Grunde auf, weil gerade in der Architektur sich bis jetzt Männer unseres Glaubens seltener. ausgezeichnet Haben. Die Redaction.