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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-17 · Heft 3 (17.1.1865) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 3 (17.1.1865)
Date
1865-01-17
Page
Seite 36 (sequence 6)
Language
German
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, I eine zweifache Erwägung, die ich bei dem Redacteur glaubte voraussetzen zu dürfen. Derselbe konnte entweder von einer höheren Rücksicht! der Gerechtigkeit und Billigkeit geleitet werden — und jedes würdige Organ hätte gewiß ^dieser Rücksicht gehorcht, oder aber, den Herausgeber konnte die Klugheit bestimmen, da er mir hierdurch den Anlaß und wohl auch das Recht benommen hätte, den Streit in der englischen und deutschen Presse auszufechten. Allein dieser edle Cherusker schien weder für Gerechtigkeit Mch für Klugheit noch für die ordinäre Höflichkeit anderes Menschenkinder zugänglich und meine Adresse ward ignorirt. Noch wollte-ich ein letztes Mittel versuchen, bevor ich mich widerstrebend entschloß, dieses Stück deutscher Misere vor den Augen der siolzen Fremden auf den Weltmarkt der englischen Presse zu schleppen. Unter dem Comitö des Rechtsschutzvereins gewahrte ich den Namen eines deutschen Gelehrten, für dessen sentimentale Verse und politisches Märtyrerthum das deutsche Publicum von jeher eine beträchtliche Rührung und Theilnahme an den Tag gelegt hat. An diesen Herrn wandte ich mich am 27. Nov. in einem Schreiben und ersuchte ihn vor allem um Auskunft über dies unerklärliche Benehmen. Allein der gelehrte Nechtsbeschützer hatte für meine höfliche Anfrage ebenfalls nur verachtendes Schweigen. Mir blieb nunmehr nichts übrig als meine Adresse ins Englische zu übersetzen und ihr in englischen Journalen-Eingang zu verschaffen. In dieser Gestalt mit den uothwendigsten formalen Aenderungen erschien sie am 2. Dec. in dem Manchester Lxamiuer sowie in dem Manchester Courier, am 5. Dec. in der londoner „8un", am 9. Dec. im llsrvislr Cüronielo, wahrscheinlich noch in anderen englischen Blättern und fand in Myriaden von Exemplaren ihren Weg in die englische Lesewelt. — Mit dieser Kundgebung trat aber die Frage zugleich in ein neues Stadium. Spenden-Liste für die Rießer - Stiftung. 1197) R. Guthmann in Chicago, zweite Gabe, 2 Thlr. 1198) Dr. W. Mack in Fürth 6 Thlr. — Gesammtsumme: 2206 Thlr. 17^/2 Sgr. Die Redaction. Zerstreute Bemerkungen. In einem jüngst erschienenen Buche der Gräfin Dora d'Jstria .stellt diese did Behauptung auf, daß in allen Ländern, in welchen die Juden emancipirt worden, die Zahl derselben abnehme. Diese Behauptung ist trotz der offenbaren Widerlegung, welche jede statistische Tabelle bringt, bereits von mehreren Schriftstellern gewagt wor-' den, weil und sobald sie — in ihren Kram paßt. Leute, welche gern allgemeine Sätze, zu Tage fördern, sind in der Wahl und mit der Richtigkeit von Thatsachen und Beispielen, mit welchen sie jene unterstützen wollen, nicht sehr gewissenhaft. Die Wirklichkeit spricht das GegeNtheil der obigen Behauptung aus.. In Nordamerika sind die Juden aus einer geringen Zahl zu mehreren Hunderttausenden angewachsen; in jedem Jahre entstehen neue Gemeinden, werden neue und prachtvolle Synagogen geweiht und die großen Städte der Union zählen ihre jüdische Bevölkerung nach vielen.Tausenden, i In England und Frankreich ist die jüdische Bevölkerung in den letzten 20 Jahren ungemein angewachsen; in Preußen wuchs ihre Zahl im verflossenen halben Jahrhundert von150,000 auf 250,000; und überall zeigen die statistischen Berichte, daß die Vermehrung der Juden um einem^iichl unbedeutenden Procentfatz stärker ist als die ch^mche, was allerdings nicht in der Mehrzahl der Geburten sondern in der längeren Lebensdauer seinen Grund hat. .'Die edle Gräfin mag sich also beruhigen : den Zelten Jakob's fehlt es nicht an Bewohnern. ' - Wir brachten jüngst (Nr. 52) der „Kreuzzeitung" gegenüber einige Hindeutungen auf die Stellung, welche die Feudalen in dem Bildungsproceß der modernen Staaten eingenommen, Hindeutungen, die wir durch den Verweis auf Droysen's „Geschichte der preuß. Politik" bekräftigten. Wir hoben besonders hervor, daß das Volk der energischen Wirksamkeit der Fürsten es verdankt, daß es zu einer Zeit, wo höchstens die Städte, und diese ohne Zusammenhang, einige Kraft besaßen/ ^^deu^^^e der Feudalen befreit wurde und zu einer MMchM^und socialen Entwickelung gelangte. Dazu war die Machtfülle der Herrscher nothwendig und darin läg das Bedürfniß des monarchischen Absolutismus. Wrr fügen heute hinzu, um diese Verhältnisse noch mehr.ans Klare zu stellen, daß, wo im 17. Jahrhundert ständische Ein-

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