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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-17 · Heft 3 (17.1.1865) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 3 (17.1.1865)
Date
1865-01-17
Page
Seite 34 (sequence 4)
Language
German
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H auf diese Weise den Uebertritt sehr leicht machten. Aber wir glauben, wir haben Recht behalten, und es kann nicht verkannt werden, daß auch die evangel. Kirche zu dem lutherischen Bekenntniß mit gleicher Energie zurückgekehrt ist wie die katholische zu den Principien der Encyklica. Wenn die evangel. Kirche in dem Verlangen nach staatlicher Einwirkung auch nicht so weit geht und gehen kann wie die katholische, so hat auch sie mit nichten ganz darauf verzichtet, verlangt für Schule, Unterricht und Wissenschaft denselben Einfluß und will die Juden nicht minder wie diejenigen, welche der Landeskirche nicht angehören, von den staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlosien haben. Wenn über diese Wahrnehmungen irgend ein Zweifel vorhanden wäre, so hätten wir nur auf eine in den berliner Blättern soeben veröffentlichte Erklärung der bedeutendsten berliner evangel. Geistlichen sowie auf den dieselbe betreffenden Erlaß des preußischen evangelischen Ober-Kirchenrathes zu verweisen, welche, indem sie sich gegen den bekannten badischen Professor der Theologie Di*. Schenkel auslassen, die Dogmen der evang. Kirche auf'das nachdrücklichste hervorheben. Jene Erklärung redet die badischen Amtsbrüder folgendermaßen an: „Seitdem Ihr den Euch durch Euer heiliges Amt gebotenen Kampf gegen den Jrrgeist, der da leugnet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, ausgenommen habt, sind wir, die Unterzeichneten berliner Geistlichen, Eure Mitkämpfer gewesen im Geist und im Glauben und in der Fürbitte. Wir bekennen mit Euch, daß kein Heil ist außer dem, der in Kraft seiner ewigen Gottheit sich selbst für uns dahingegeben hat und der als Herr und Christ am dritten Tage wahrhaftig auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters, von dannen er wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten, deß Reich kein Ende haben wird." In gleicher Weise spricht sich der Oberkirchenrath aus. . Wir sind weit davon entfernt, irgend einer Religionspartei das Recht, sich ihre Glaubenslehren festzustellen und ihre Kämpfe darum auszufechten, streitig zu machen oder nur antasten zu wollen. Wir haben nur zwei Zwecke vor Augen, nämlich den einen, vor jedem Eingriffe in die Gewissensfreiheit und in unsere Glaubensfreiheit zu wahren, andererseits die Lehrsätze anderer Religionen den Bekennern des Judenthums klar zu machen, um daran zu erkennen, was sie in und an ihrem Judenthume haben, damit die Liebe zu ihm von neuem erwache und gestärkt werde und jenes Halbdunkel verschwinde,. das die Erkentniß verhüllt und die Gegensätze verdeckt. Wer deutsche Nechtsschutzverem in London und der „jüdische Helfershelfer." Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Liberalismus in England. Von H. Lirndors in Manchester. I. Der Proceß Müller ist in ganz Europa zu einer traurigen Berühmtheit gelangt und die wackeren Bemühungen des deutschen Rechtsschutzvereins, dem Unglücklichen die Wohlthat der Gesetze zuzuwenden und zuletzt die königl. Gnade zur Schonung seines Lebens anzurufen, haben in der deutschen Heimath die verdiente Würdigung gefunden. Es ist aber hohe Zeit, daß das deutsche Publicum und zumal unsere Glaubensgenossen in Deutschland auch die Kehrseite dieser Bestrebungen des Vereins gewahr werde. Denn auf eine ebenso unerklärliche wie unverantwortliche Weise, ist von dem Verein der Name „Jude" in diese Criminaltragödie hineingezogen worden, zu welcher er nicht die geringste Beziehung darbietet. Ihre Leser haben bereits von der verleumderischen Stelle Kunde erhalten, welche sich in dem Bittgesuche an die Königin, bez. an Sir George Grey, befindet und die in ihrer breiten Allgemeinheit ein so trauriges Zeugniß von der vorurtheilsvollen Gesinnung dieser Gesellschaft gibt. Allein die bewußte Stelle hat inzwischen ihre Geschichte gehabt und viele ihrer Leser wissen es mir ohne Zweifel Dank, wenn ich ihnen die Einzelheiten, die sich daran knüpfen, mittheile; denn der Geist, welcher jene häßlichen Worte dictirt hat, tritt in diesen Einzelheiten noch viel schroffer hervor. Es sind dies traurige, aber lehrreiche Notizen aus dem deutschen Leben Englands, die ich hier Ihrer Betrachtung vorführe. Die gerügte Stelle in dem Begnadigungsgesuche lautet nach des- Vereins eigener Übertragung (im Hermann v. 12. Nov.) wie folgt: „Wenn Müller einer von den beiden Leuten wäre, die im Eisenbahnwagen gesehen wurden, und Herr Lee behauptet, dies sei nicht der Fall, so ist es schwer zu verstehen, wie er im Besitze sämmtlicher Gegenstände sein konnte, da er sie doch mit seinem Verbündeten hätte theilen muffen. Es ist viel wahrscheinlicher, daß er sie von

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