Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1865)
- Date
- 1865-01-10
- Page
- Seite 23 (sequence 9)
- Language
- German
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- v Die hiesige Schulgemeinde hat auf diese Weise nicht nur ihren Lehrer sondern auch sich selbst geehrt. Abends schloß ein. heiteres Festmahl die schöne Feier. M. R. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 20. December. (W. L.) Gestern lockte das seltene feierliche Schauspiel des Leichenbegängnisses eines jüdischen k. k. Stabsofficiers, des Majors Simon Prüsker, viele Neugierige in die Straßen und auf den israelitischen Friedhof zu Wolschau. -ES war der Verblichene der erste Jsraelite, der es in der k. k. Armee bis zu dem Range eines Stabsofficiers gebracht, und bürste eine kurze Darstellung seiner Carriere auch Ihre Leser interessiren. Derselbe wurde im Jahre 1815 assentirt und trat, nachdem ihm eine Cadettenstelle verschafft worden war, in das damalige Infanterie-Regiment Graf Kinskh ein, in dem er eine lange Reihe von Jahren diente, während welcher er allmählich von Charge zu Charge stieg, bis er im Jahre .1847. zum Major ernannt wurde. Seine Dienstzeit brachte Prüsker größtentheils mit seinem Regiment in Italien zu und machte den Zug der österreichischen Truppen nach Neapel mit. In den Iahten 1848 und 1849 wurden dem Verstorbenen einige nicht unwichtige Aemter anvertraut; er fungirte namentlich nach der Einnahme von Venedig als Platzmajor und später als Spitals-Commandant in Verona. Major Prüsker nahm seit dem Jahre 1854, in welchem er pensionirt wurde, seinen Aufenthalt in Prag. Ein Kehlkopfleiden, an welchem Major Prüsker bereits geraume Zeit gelitten hatte, machte seinem Leben ein Ende. — Er erreichte das hohe Alter von 84 Jahren und . wußte sich in den weitesten Kreisen auch außer seiner Dienstessphäre allgemeine Verehrung zu verdienen, welche auch in der auszeichnenden Weise, in welcher ihm. gestern die letzte Ehre erwiesen wurde, deutlich Ausdruck gefunden. Um 2 Uhr begann die Trauerfunction mit einem Trauergesang, ausgeführt vom Chorpersonale des israelitischen Tempels, während der bei den Israeliten üblich einfache, aus vier Bretern gezimmerte Sarg mit der Leiche, die der Betmantel des Verstorbenen deckte, aus dem Trauerhause in den mit 4 Rappen bespannten militärischen Leichenwagen gehoben wurde. Den Wagen zierte der Hut, der Säbel und das Dienstkreuz des Verstorbenen. Nun setzte sich der Zug in Bewegung, voran eine Abtheilung des k. k. Lin.-Jnfanterie-Regiments Königs von Preußen. Direct vor dem Wagen schritt die Musikcapelle dieses Regiments, Trauermarsche spielend. Hinter dem Wagen sah man die Leichenconducteure im Ornate einherschreitend, nach ihnen kamen die Leidtragenden , der Ober- Rabbiner Herr Rappaport in der Mitte der Herren Prediger Professor Dr. Kämpf und Dr. Hübsch, ebenfalls sämmtlich im Ornate. Daß sich auch viele Stabs¬ und Oberofficiere im Leichenzuge befanden, versteht sich von selbst. Den Schluß bildete eine zweite Abtheilung des ausgerückten Bataillons mit der Fahne. Der Zug bewegte sich über den Josephsplatz, den Graben und den Wenzelsplatz zum Roßthore nach dem obgenannten Friedhofe. Daselbst wurde die Leiche beim oberen Thore aus dem Wagen gehoben und unter Vorantritt des Chores, der wieder Trauerweisen anstimmte, bis zur Kanzel getragen. Diese hatte inzwischen Herr Professor vr. Kämpf bestiegen, der dem Dahingeschiedenen eine Leichenrede hielt, worin er in kräftigen Worten auf dessen Verdienst um den Staat und um seine Nation hinwies und einige Trostworte an dessen Verwandte richtete, die so ergreifend waren, daß kein Auge thränenleer blieb. Sodann wurde die Leiche zur letzten Ruhestätte getragen. Der militärische Conduct hatte sich gleich beim Thore auf der gegen das Kornthor führenden Straße aufgestellt und daselbst die üblichen Salven abgefeuert. Auö dem Österreichischen, im December. (Kleine Nachrichten.) Die „Presse" berichtet: „Aus Brodh geht uns die Klage zu, daß es sich dort gar oft ereigne, daß bei Visitationen auf dem Zollamte die Reisenden von den manipulirenden Aufsichts-Organen eben nicht mit Glacehandschuhen angegriffen werden. Wir würden uns, heißt es in dem uns zugegangenen Schreiben, zum Wohlthäter einer ganzen Bevölkerung machen, wenn wir unsere Stimme gegen die „Attentate" erheben wollten, welche „besonders die jüdischen Reisenden" treffen. Jeder, und wäre er der achtbarste Kaufmann, werde als Schwärzer behandelt und müsse sich die genaueste Leibes-Visitation gefallen lassen, sobald er die jüdisch-polnische Kleidung, Kaftan und Pelzmütze, trage." — Aus Papa schreibt uns Herr I. Spatz: Der hiesige Vorstand hat beschlosseneine sogenannte 5. Claffe zu creiren, welche den löblichen Zweck hat: die der Volksschule bereits Entwachsenen, insbesondere 2