Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1865)
- Date
- 1865-01-10
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
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tonte die Heilighaltung aller der Gebräuche, welche gewissermaßen als ewig lebendiges Zeugniß von der Wahrheit unserer Geschichte das Walten Gottes in derselben uns immer wieder kundthun, kam auch wiederum aus sein Ceterum censeo: daß man nur ja nicht in noch so prunkvoller Aeußerlichkeit d. i. geräuschvoller Gehaltlosigkeit das Wesen des Gottesdienstes und das des Juden suchen wolle, erwähnte, daß, indem das Lied sich an Juda's Geschichte anlehne, die Orgelklange erst recht zur Zierde dem Gottesdienste gereichen, dann erst die Heiligkeit des Ortes so recht zum Gemüthe führen und den Jubel zu Ehren des Herrn, zu dem auch der heutige Tag auffordere, vermehren würden — als seine schönen Worte verhallten und nun die einleitenden Klänge der Musik zur Rosenhayn'schen Einweihungs- - Cantate sich durch das Gotteshaus verbreiteten: wen überkam da nicht ein Erbeben des Herzens, etwas Unsagbares, ein Unaussprechliches, das plötzlich hinaushob in ungeahnte Sphären, ein Schauergefühl der Existenz eines Gottes und seiner Allmacht gegenüber unserer Nichtigkeit!! Alle die unbestimmten Vorstellungsmassen, welche die Musik immer erweckt und hier die feierliche Musik ganz besonders in Fluß brachte, sie strebten fast unbewußt auf den einen Gedanken an Gott! So erkläre ich mir den einzigen Augenblick, zu großartig, um an Worte gebunden werden zu können. Der Gesang war, wie der Text ergab, ein Ausdruck des Bewußtseins,-/das neue Gottesgebäude nun vollendet zu sehen; schade nur, daß die Melodie des Frauenchors so gar auffallend dem Lohengrien'schen Abschiede ähnelt, die, wie schön sie auch sei, doch aus dem Tempel hinaus aus eine ganz bestimmte Vorstellung leiten mußte. Wir besitzen einen so großen Schatz jüdischer Melodien, so reich der schönsten elegischen Klänge, welch herrliche Kirchenmusik könnte nicht aus ihnen geschaffen werden, die das jüdische Bewußtsein mit Stolz erfüllen müßte. Wenn dies bis jetzt nicht geschehen ist, so mag den jüdischen Componisten das als Entschuldigung gelten, daß die Kirchenmusik den meisten jüdischen Gemeinden nicht genehm war; da sich aber mit jedem Jahre das gerade Gegentheil allenthalben geltend macht, so wird sich gewiß einer der vielen begabten jüdischen Componisten finden, der, vom Geiste des Judenthums beseelt, unsere vielen Tausende von Jahren alten Melodien dem heutigen lebendigen Gottesdienste anpassen wird und so unsere Nationalgesänge der Vergessenheit, in die sie zu verfallen.drohen, entreißt und dem Judenthume wiedergibt. Die allgemeine Anerkennung wird hier ebenso wenig ausbleib en wie auf dem Gebiete der pröfsinen Musik, wohin bereits eine Menge specifisch jüdischer Melodien mit so großem Erfolge hinübergepflanzt worden sind.*) Dr. L. S. Schwersenz, im December. (Privatmitth.) Es feierte am vorigen Sabbath, den 17. d. M., der würdige Lehrer Herr Ludwig Lesser, dieser treue und bewährte Arbeiter im Weinberge des Herrn, sein dreißigjähriges Amtsjubiläum. Bald nach Beendigung der Mussaf- Andacht geleiteten die drei Herren Schulvorsteher den Jubilar nach dem Saale der Elementarschule, welcher mit Blumen und Guirlanden geschmückt war. Dort harrten seiner bereits der Schulinspector, Herr Pastor Thönert, die Vorsitzenden des Gemeinde-Vorstandes und der Repräsentanten, die gesammte Schuljugend in festlichem Gewände, sowie ein Theil der.Gemeinde als auch mehrere seiner hiesigen Collegen katholischer. und evangelischer Confession. Die Schuljugend stimmte, unter Leitung des Lehrers Hrn. Moritz Grünfeld, einen von diesem eigens dazu verfaßten Choral an. Sodann hielt der Pastor Thönert eine wirklich Geist und Herz erhebende Ansprache an den Jubilar, welche nicht allein diesen sondern auch alle Anwesenden zu Thränen der Freude gerührt. — Demnächst überreichte der Redner, im Aufträge des Schulvorstandes, dem Jubilar einen kostbaren silbernen Pokal, welcher folgende Inschrift enthält: „Die jüdische Schulgemeinde zu Schwersenz ihrem bewährten Lehrer zu seinem 30jährigen Amtsjubilämn am 17. Dec. 1864.." Auch der Lehrer Hr. Dienstag hielt eine herzliche Ansprache an den Jubilar und überreichte demselben, namens der Schuljugend, ein kostbares Geschenk. Der Jubilar dankte tiefbewegt. — Herr Lesser wirkt erst 7 Jahre an hiesiger Schule — aber die Gemeinde wollte durch diese Feier beurkunden, wie man einem Lehrer, welcher 30 Jahre hindurch seinem ebenso schwierigen als verdienstvollen Berufe treu gelebt, die verdiente Anerkennung zollen müsse. *) Wir können doch hem geschätzten Corresp. insofern nicht ganz beistimmen, als die Werke von Sülzer, Naumburg, Weintraub u. a. den Schatz der Synagogenmelodien bereits vielfach der neueren Musik adäptirt und für. die Synagoge brauchbar gemacht haben. Die Redaction.' ‘