Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1865)
- Date
- 1865-01-10
- Page
- Seite 21 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226476--22728-3249996- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 Vorstandes dem unermüdlichen Chor-Dirigenten Herrn David Marx sowie dem ganzen Chor der Dank der Gemeinde in warmen Worten ausgesprochen. Schließlich können wir nur dem Wunsche Leitreten, welcher kürzlich in diesem Blatte von Köln aus ver- . lautbarte: „Möchten doch alle Gegner der Orgel sich durch eigene Anschauung von deren Wirkung und Resultaten überzeugen; dann dürfte der Widerstand gegen diese unschätzbare Verbesserung bald Nachlassen!" —. Ueber diese Feier und die neue Orgel selbst gibt ein katholischer Musikkenner in der Nr. 357 des „Echo der Gegenwart", eines täglich erscheinenden und vorzugsweise katholisch gefärbten Blattes, einen Bericht, den wir hier wörtlich wiedergeben: „Der schöne israelitische Tempel, welcher schwerlich seines Gleichen durch das Edle seines Baues und der eleganten Einfachheit seiner Ornamentik findet, hat soeben eine neue Zierde in der schönen Orgel erhalten, welche die Gemeinde durch die Gebrüder Rudolf und Richard Ibach von Barmen erbauen ließ. Dieselbe ward feierlichst am Samstag den 24. dss. eingeweiht. Bei diesem Anlaß hatte man den glücklichen Gedanken, die Cantate aufführen zu lassen, die der gelehrte und elegante Cornponist I. Rosenheim zur Feier der Einweihung des Tempels eomponirt hatte und die damals einen großen Effect bewirkte. Die Aufführung dieser schönen Composition, in welcher die Orgel diesmal das Orchester ausfüllte, übertraf bei weitem die erstere und zwar deshalb, weil der Chor, namentlich der Damenchor, unleugbar staunenswerthe Fortschritte gemacht: der Männerchor durfte freilich zahlreicher sein, um besseres Gleichgewicht der Stimmen zu bewirken. Die Aufführung, unter Leitung des Herrn Marx, zeichnete sich durch ein Feuer, eine Kraft, eine Sicherheit und Abrundung aus, die aller Anerkennung Werth. Der Effect der vollstimmigen Chöre und namentlich das Halleluja der Cantate war wirklich frappant und lieferte uns einen neuen Beweis, wie sehr unser katholischer Gottesdienst an Pracht und Majestät durch Verbannung der Frauenstimmen von unfern Emporkirchen eingebüßt hat. Wenn wir daher unsere Erinnerung an die alte musikalische Pracht unseres Gottesdienstes wieder auffrischen wollen, werden wir am Ende genöthigt sein, dieselbe in der Synagoge uns zu holen. Wir fügen noch hinzu, daß man daselbst mit einer Zuvorkommenheit, einer Artigkeit und einem Wohlwollen empfangen wird, für die wir mit diesen Zeilen noch unfern Dank abstatten. Die Gebrüder Ibach haben sich in ihrer Kunst einen Ruf erworben, der sich nicht allein auf ihr Land, sondern in die fernsten Gegenden, selbst nach der Havanna erstreckt, wo ihre Erzeugnisse Eingang fanden. Die Metropole zu Valencia in Spanien besitzt eine Orgel aus dieser Kunstwerkstätte; dieselbe zählt 77 Stimmen. ^Inzwischen ist man von dieser Idee, die Register übermäßig zu vermehren, abgegangen; England allein verfällt noch in diese Uebertreibungen, die weiter nichts als Prahlerei sind. Die Orgel der hiesigen Synagoge hat 20 klingende Stimmen für zwei Manuale und Pedal darunter 16füßig. (Es folgt nun eine genaue wissenschaftliche Beschreibung der neuen Orgel, die wir hier übergehen, und schließt der Bericht): Wir können sagen, daß unsere Stadt, welche eine der allerersten war, wo eine Orgel erbaut wurde, da bereits im Jahre 812 eine aus Aachens Werkstätte herrührende in Compiegne ausgestellt wurde, durch ein neues Instrument bereichert ist, welches der Rheinprovinz im allgemeinen und den Gebrüdern Ibach insbesondere zur Ehre gereicht. Möge das neue Instrument jener muthigen Sängerschar, welche die israelitische Gemeinde zu besitzen das Glück hat, einen neuen Aufschwung und ferneren Muth verleihen und die sicherlich mit dem Besten wetteifern darf, was wir von diesem Genre bisher gehört haben." — —. Aus einer jüdischen Feder kommt uns noch ein Bericht zu, dem wir eine Stelle nicht versagen wollen. „Am Chanukka-Sabbathe fand in unserer Gemeinde die Einweihung der neuen Orgel statt, womit nun der schöne Bau des Tempels, der werth war, vor nunmehr denn 2 Jahren aus dem Munde eines Philippson seine erste Weihe zu empfangen, zum Abschluß gebracht worden ist. Mochte man sich an die Töne des Harmoniums auch noch so sehr gewöhnt haben, mochten auch manche ein stilles Mißbehagen aus welchem Grunde immer in dem Gedanken an die Einführung einer wirklichen Orgel in den jüdischen Gottesdienst verspüren — alle mußten bekennen, daß die Klänge der Orgel denn doch die Feier der Andacht gar sehr zu heben vermöchten. Ja, als die Worte'des Herrn Dr. Wolfsohn verhallten — er schilderte in seiner Predigt den Todesmuth des Matisjahu und seiner Heldenschar, er wies auf die große.Geschichte Juda's hin, be-