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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-10 · Heft 2 (10.1.1865) · p. Seite 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 2 (10.1.1865)
Date
1865-01-10
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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17 '/ v Betroffenen sind noch heute nicht ganz verklungen: Hallen fie doch besonders aus der Geschichte der Juden mit überwältigendem Wehgeschrei hervor. Diese Encyklica versetzt uns in das tiefste Mittelalter; sie konnte ebenso gut von Gregor VII. erlassen sein, sie zeigt und stellt fest, daß die Grundsätze der römischen Kirche, wie sie sich im eilften Jahrhundert entwickelten, noch heute von ihr unverändert festgehalten werden, nur mit dem Unterschiede, daß sie damals in der Kirche selbst noch vielfach bestritten wurden, jetzt aber als unbestreitbar gelten sollen, daß sie damals wenigstens einen Theil der Welt für sich hatten, jetzt aber die ganze Welt gegen sich haben. Wir wissen nun einmal wieder, wessen wir uns von dieser Seite zu versehen haben. Darum heute nur noch die Bemerkung, daß derjenige sehr irren würde, welcher glaubte, daß die Veröffentlichung dieser Encyklica nicht tiefliegende Motive habe. Die römische Curie, dies wird ihr jedermann nachsagen, handelt niemals aus oberflächlichen und leichtfertigen Gründen, etwa aus der Sucht, Decrete zu erlassen und Sensation zu erregen. Vielmehr will sie wohl damit in einem kritischen Augenblicke den höchsten Trumph ausspielen. Die große Gefahr der weltlichen Herrschaft des Papstes, die Einziehung der Kirchengüter, die Macht der liberalen Ideen in ganz Italien, das Eindringen derselben selbst in die pyrenäische Halbinsel, namentlich in Portugal u. s. w. bedrängen das Papstthum von Tag zu Tag mehr. Proteste gegen diese speciellen Vorgänge blieben erfolglos. Es muß daher höher gegriffen und das ganze kirchliche System in feiner Totalität mit schärfster Consequenz in schroffster Unumwundenheil wieder in das Bewußtsein der Welt gerufen werden. Was es hier für Wirkung thue, muß abgewartet werden. Es gilt das Letzte und dafür muß das Letzte eingesetzt werden. Dies mag die Absicht gewesen sein. Uns scheint der Erfolg kaum zweifelhaft; die öffentliche Stimme hat das Urtheil bereits ausgesprochen. Arber dir jüngsten Bewegungen im Südenthume. (Fortsetzung.) Wir haben.stets die Partei der Stabilität für selbstverständlich, vollberechtigt und für die Gesammtheit nützlich erachtet. Für selbstverständlich, denn bei jeder Entwickelung auf irgend einem Gebiete bleibt immer eine größere oder geringere Anzahl von Personen auf dem Standpunkte zurück, von welchem die Entwickelung vor sich gegangen. Wird diese letztere doch immer erst eine geringere Menge von Anhängern und Förderern finden und nur mit der fortschreitenden Zeit ihre Bekenner mehren, bis diese zuletzt die Mehrzahl ausmachen. Um so natürlicher ist es, daß überall sich immer noch viele finden, welche theils ihrer Bildung und Geistesrichtung gemäß oder aus anderen Motiven dem alten Zustande der Dinge anhängen. Gerade darum sind aber diese auch, soweit sie darin einer aufrichtigen Ueberzeugung folgen, vollberechtigt und müssen darin vollkommen geachtet werden. Aber es ist für die Gesammtheit auch zuträglich, daß solche Freunde des Hergebrachten existiren. Eine jede Entwickelung gedeiht nur dann, wenn sie aus Reibung und Kampf der Geister geläutert, gesichtet und geklärt hervorgeht und wenn sie durch den Gegensatz von allen Ausschreitungen, sich von dem geschichtlichen Boden zu entfernen und sich ganz in die Strömung der Zeit zu verlieren, zurückgehalten wird. Derjenige, welcher einer andern Meinung, als er hat, durchaus keinen Platz gestatten will, welcher jede andere Ansicht durchaus beseitigt haben, welcher einer von der seinigen verschiedenen Ueberzeugung Zwang und Gewalt anthun will, verfolgt einen verwerflichen und zu falschem Ziele führenden Pfad, nach welcher Seite hin dieser auch gerichtet sein mag. Dies war unsere Ansicht vom Beginne unserer Laufbahn an und unbeirrt von oftmaligem Tadel der Radicalen ließen wir uns von ihr leiten auf allen Gebieten, die wir betraten. Wir haben die aufrichtige sog. Orthodoxie stets mit Achtung behandelt, ihre Meinungen, sobald sie sich in geeigneter Weise aussprachen, geehrt, ihre Koryphäen und ihre Vergangenheit mit der wärmsten Pietät besprochen. Es ist wahre Verleumdung, wenn ' man über uns anders aussagt und anderes behauptet Es ist ein gewöhnliches Kunststückchen, dessen sich heuchlerische Gegner bedienen, um die Masse derer, welche die Richtigkeit der ihnen zugetragenen Schmähungen zu prüfen weder Fähigkeit noch Lust haben, aufzuhetzen, daß man ihnen den, welchen man angreift, als einen Feind und Verfolger darstellt, als einen Zeloten der entgegengesetzten Ansicht. So erweckt man Mißtrauen und Haß. Aber diese trügerischen Künste halten nicht lange vor und das gesunde Recht bricht sich immer wieder Bahn; daun fallen jene auf ihre Urheber zurück. Wir brauchen 2*

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