Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1865)
- Date
- 1865-01-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226475--22710-3249977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 dienst bei dem Mangel jeder eigentlichen Gemeindesynagoge sich schon von selbst in viele Bethäuser zersplittert, verstanden sie es, sich in befriedigender Weise zu verständigen, so daß die Gemeinde in bester Organisation alle in sich vereinigt und jeder Streit dadurch beendet ward. Andererseits gelang es den Anhängern der Stabilität nur an , vier oder fünf Plätzen, wie Frankfurt am Main, Mainz, Darmstadt, separirte „orthodoxe Religionsgenossenschaften" zu bilden, die jedoch nur äußerst kleine Bruchtheile der genannten Gemeinden enthalten. Ein so geringes Resultat bei dem großen Lärm, den diese Leute machen, kann nicht anders als auch dieses ihr Streben als gescheitert ansehen lasten. Weder die Proteste noch die Pamphlete noch die örtlichen Anstrengungen hatten irgend einen wesentlichen Erfolg und lieferten um so mehr Beweise der Schwäche und des Mangels an allem Einflüsse. So weit die Dinge von außen betrachtet. Sehen wir uns nun die Faction nach innen, nach ihrer Beschaffenheit, ihrem Inhalte,, ihrem Verfahren u. s. w« genauer an. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Paris, 15. December. (Arch. isr.) Herr Abraham Firkowitz, dessen karaitische Sammlungen die kaiserliche Bibliothek zu Petersburg angekauft, hat eine Reise nach Aegypten gemacht, wo er sich längere Zeit in Kairo aufhielt und als Karait Zutritt zu der dortigen Gemeinde der Samaritaner erhielt. Seitdem es Munk gelungen war, im Jahre 1840, von ihnen für die kaiserliche Bibliothek von Paris eine gewisse Anzahl Manuscripte zu erlangen, welche er hierhergebracht und den Katalog davon ausgearbeitet hat, glaubte man nicht, noch neue Documente dort zu finden. Herr Firkowitz, glücklicher und in seiner Eigenschaft als Karait vielleicht freundlicher ausgenommen, hat unter den Gliedern dieser Gemeinde fast dreihundert noch nicht herausgegebene Bände gefunden, von denen mehrere bis jetzt vollständig unbekannt waren, selbst den Bibliographen und Hebraisten. Er hat die Beschuldigung des Götzendienstes gerechtfertigt gefunden, die gegen diese Secte vom Talmud aufgestellt wird, welcher erklärt, daß sie auf dem Berge Garizim die Gestalt einer Taube anbete, ein Bildniß, welches, nach ihm, noch heute, auf einer Marmorsäule abgebildet, existirt. . . . > Endlich, und das ist eine der interessantesten und merkwürdigsten, wenn nicht der belehrendsten Auffindungen, hat Herr Firkowitz in dem Register der Archive dieser samaritanischen Gemeinde eine hebräische Inschrift gefunden, deren wörtliche Uebersetzung hier folgt: „Derjenige, welcher die Synagoge von Alcadra erbaut hat, ist der Priester Akbatrn, -Sohn des Amrom, Sohn des Tobias, im Jahre 177 nach der Geburt des Messias oder cm Äahre.4458 nach der Geburt des ersten Menschen oder Adam; denn der Messias hat zur Zeit des Hohenpriesters Jakom, im Jahre 4281, gelebt. Nach dem soeben Gesagten stammt das Monument aus der Zeit Adrians, welcher über die Römer herrschte und die Tochter des Priesters der Samaritaner heirathete." Wenn dieses Document authentisch wäre, so würde es uns in chronologischer Beziehung wichtige Thatsachen enthüllen; um sich ihres Werthes bewußt zu werden, muß man sie prüfen, verificiren und die Daten untereinander vergleichen, um sie auf die Höhe des historischen Gebietes zu erheben. Es finden sich da drei verschiedene Acren, welche sich aufeinander beziehen und vervollständigen: die des ersten Menschen oder Adams, gleichbedeutend mit der Schöpfung der Welt; die des Hohenpriesters Aakoum, die dann durch die Regierung Adrian's noch befestigt wurde, und endlich die, welche von der Geburt des Messias datirt, ein hebräischer Ausdruck, welcher hier vielleicht die ganz wörtliche, obgleich unpassende Uebersetzung des griechischen Wortes Christ ist. Wenn wir, in Ermangelung einer besseren, diese Hypothese annehmen, so muß man sich vor allem daran erinnern, daß die Samaritaner der Welt ein größeres Alter geben als alle anderen Juden; es ist dies ersichtlich aus einem Briefe, der vom vierten Monat des Jahres 6257 datirt ist, entsprechend dem Thammus des Jahres 5579 (1819 nach der christl. Zeitr.). Er war von den Samaritanern von Naplus an ihre Brüder in Paris im Jahre 1820 gerichtet, so daß ihre Berechnung die unserige um 678 Jahre übersteigt.*) Bon der anderen Seite bedienen sich die Rabbanisten — wie wir schon Gelegenheit hatten zu sagen**) — erst sehr spät der *) 8. de Sa-cy, Notices et extraits des manuscrits de la Bibliolh. irap. de Paris, t. XII (1831), p, 1—236; 0. Terquem, dans la Bible de M. Cohen, t. V, p. 40 et p. 43, n. 22. **) Almanach perpetuel behreu-frangais, preface, p. IX.