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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-23 · Heft 52 (23.12.1862) · p. Seite 757

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 52 (23.12.1862)
Date
1862-12-23
Page
Seite 757 (sequence 9)
Language
German
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757 Ausschreiben der Stelle von Seiten des; Vorstandes in Aussicht gestellte Aufnahme selbst eines Rabbinatscandidaten war sicherlich -nicht so ernst gemeint; indem wir bei aller Erregtheit, um nicht zu sagen Leidenschaftlichkeit, die zur Zeit der Abfassung desselben in dem Vörstandscollegium die Oberhand gehabt zu haben scheint, einem Franffurter Vorstande den traurigen Muth nicht zutrauen, der Frankfurter K'hila den Ersten Besten als Rabbiner zu octroyiren. Die Erkenntnis daß die Instruction modificirt werden Müsst, scheint daher auch in neuerer Zeit bei den wenigstens nicht ganz verbissenen Berwaltungsmitgliedern sich Eingang verschafft und damit den Anlaß gegeben zu haben, daß von Seiten der zahlreichen Anhänger des Herrn Dr. Stein eben der Versuch gemacht wird, eine Ausgleichung zwischen diesem und dem Vorstande zu Stande zu bringen. Die gegenwärtig in der Gemeinde herrschende Stimmung giebt uns fast die Gewißheit, daß dieser Versuch sich realisiren werde. Der Umstand nämlich, daß Stein so rasch sich andere Gebiete der Berufsthätigkeit mit dem entschiedensten Erfolge eröffnet hat, indem er nicht nur mit einer Gewandtheit, wie sie nur eine Jahre lange Praxis zu geben pflegt, sein errichtetes Mädchen-Institut leitet, sondern auch noch in besonderen Literaturstünden das wärmste Interesse der teilnehmenden strebsamen Damen zu erregen versteht und in wöchentlichen Vorlesungen — über die französische Revolution von 1789 — die er in stets überfülltem Saale hält, sich eines immer steigenden Beifalles erfreut, — dieser Umstand, der von der vielseitigen Begabung Steines ein so herrliches Zeugniß giebt, imponirt dem gebildeten Frankfurter und steigert bei den Einen die Begeisterung, bei den Anderen die Hochachtung gegen denselben. Es ist darum ganz natürlich, daß der Wunsch, diesen Mann wieder als Rabbiner der Gemeinde zu erhalten, immer allgemeiner, immer dringender wird. 1 Stuttgart, 7. Decbr. Wie dem „Nürnb. Corr." geschrieben wird, hat die Regierung dem ständischen Ausschüsse auch einen Antrag übergeben, die gemeindebürgerliche Gleichstellung der Israeliten betreffend. Es sind, nachdem die 48er Zeit den Juden bereits wichtige .gemeindebürgerliche Rechte bleibend verschafft hat, nur wenige Punkte, welche der Regelung im Sinne vollständiger Emancipation gegenwärtig noch bedürfen und nunmehr ihre Erledigung finden sollen. Leider will die Regierung, daß ^eine -Ausnahmsbestimmung/ der sogenannte Judeneld, d: h. eine für israelitische Glaubensgenossen eigens vorgeschriebene Eidformel, beibehalten werde. v.-,\ Preußen. Frankfurt a. d. 7. December. (Privatmitth.) sZur. judenfeindlichen Presse und ihrer Bekämpfürrg.I Die judenfeindliche Presse hat seit länge nicht und vielleicht noch nie — so geblüht, wie in der gegenwärtigen Zeit. Die Kreüzzeitung findet ihre Nachäffer und Nachkläffer in Städten und Städtlein, in BMterÜ und Blättlein, und wo nur ein Fünkchen RtzNÄM glimmet, und wo-nur ein Atom Wage'ner-Blänkenburgischen Elements vorhanden, da macht es sich Luft M schnödesten Auslassungen gegen die, welche zu - Judäas Glauben sich bekennen. — Ghyllony, Bruno BaUer und Eisenmenger — was seid ihr gegen die Federhelden von diesem Gelichter! Sie drängen euch Inden tiefsten Schatten- und zeigen der Welt , - wie ihr nur erbärmliche Stümper seid in der Kunst der'Erfindüng von Mitteln und Mittelchen, das Unschuldige zu verleumden und zu verdächtigen, daS Makellose zu besudeln und in den Schmutz zu treten.: — Gehet doch hin und sehet euch z. B. einmal die „Conservattve Niederlausitzer Zeitung" an, welche zu Cottbus etscheittt und einen Mann zum Redacteur hat, der seinem Namen nach euch gewiß ebensowenig als einem der Leset dieser Zeitung bekannt - sein dürste '-M Jtt sM die-- ses Blattes oder Blättleins befindet sich ein Attikel unter der Firma „Die Stellung der Conservativen zu den Juden" — und wer diesen nicht liest, der hat, wahrlich! noch - gar keine Ahnung von ächter Judenfresserei. Der Heros vom Federkiel sperrt den Rachen auf, als gälte es ganz Juda auf einmal zü verschlingen. — Doch, halt! - was sagenwir? —- Er gruppirt und sondert ja, er macht ja Kläffen- und Abtheilungen — und er gründet diese auf inMe Eigenschaften und äußere Merkmale In der That, ein zweiter Linus in der Naturgeschichte des jüdischen Volkes! — Ihm zerfallen;die Jüden zuvörderst in drei Hauptklassen, nämlich: 1) strenggläubige, 2) getaufte und 3) die zwischen beiden stehenden Reform- Juden. :;:;j Von den Strenggläubigen nun meint er, daff sie „mit der- Polittk wenig oder gar Nichts zu schaffen" 52

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