Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1862)
- Date
- 1862-12-23
- Page
- Seite 755 (sequence 7)
- Language
- German
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755 das noch immer im Dunkel schwebt, meine Ansicht mitzutheilen. llr. Zunz charakterisirt ihn so: „Er war gleich berühmt als Dichter, Grammatiker, Exeget und Theolog, ein ausgezeichneter Mathematiker und Astronom, arm an Geld, reich an Witz, geborener Feind aller seichten Köpfe, dessen Poesien gesammelt zu werden verdienen und über dessen Antworten und Leben die Alten ein eigenes Buch besaßen. Sein Todesjahr war der 23. Jänner 1167." (Busch Jahrbuch 5608 S. 89.) Zunz begründet dieses daselbst nicht. Allein wir besitzen hierüber eine von Grätz allegirte ganz authentische Notiz. Sie lautet: ö'Pzn Vt «w p« TSpnn 'n rirw ynöjn -m rfo navis wroö ny©a i?2L^b p**o anai p rrin-r tp ynma tnstta nrur ©an p it’ •übvri Diese biographische Notiz, sagt Grätz selbst, ist authentisch, denn sie befindet sich in einem Wiener Codex, in 2 vaticanischen Codices. Eine so bestimmt gehaltene Notiz, welche Jahr, Monat und Tag so genau sixirt, muß die Kritik respectiren. Allein damit ist eine andere Schwierigkeit verbunden. Zieht man nämlich 75 Jahre, die Lebensdauer Aben-Esra's, von 1167 — taphn ab, so müßte er im I. 1092 das Licht der Welt erblickt haben. Allein Aben-Esra hatte den Commentar zu Exodus 1153 vollendet, denn mehrere Codices haben zum Schluffe von Exodus die Worte: *nnn mau? nban "iss* .y'pnn nass obm Dmaetb Als er den Pentateuch zu commentiren begann, war er 64 Jahre alt. Dieses giebt ein Gedicht an, welches sich in einigen Codices vor dem Pentateuch - Commentar befindet. (Ginse Oxford, Einl. 16.) Nehmen wir an, daß er bei seinem schnellen und raschen Arbeiten mit dem Commentar von den ersten zwei Theilen des Pentateuchs ein Jahr zubrüchte, so war er im Jahre 1152 im Alter von 64 Jahren, und er müßte demnach 1088 zur Welt gekommen sein. Demnach bleibt nichts übrig, da sich oben das Geburtsjahr 1092 ergab, als zu behaupten, in der genannten Quelle, in dem Epigraph nach Exodus fei mit 4 Jahren gefehlt, und :ppnn sei r>"pnn zu lesen*). Dieser Commentar war also 1157 vollendet, ein Jahr früher, 1156, war er 64 Jahre alt und 1092 geboren. Er erreichte ein Alter von 75 Jahren, also starb er 1092 -f- 75,---- 1167. Allein dagegen erhebt sich wieder folgende Schwierigkeit. In seinem Psalmen-Commentare citirt.er die Bibel-Commentare. Jener war 1156 vollendet, demnach mußten diese *) Dies vermuthete bereits Rapoport und Geiger. Vgl. Divan S. 148. Nager. ja vor 1156 aus seiner Feder gefloffen sein. Da aber das witzige Epigraph p ensan geeignet ist zu imponiren, und die 75 Lebensjahre sind nicht zu alteriren, demnach werden wir die Vollendung der Psalmen ebenfalls um 4 Jahre hinausschieben, und den Epilog im de Rossi'schen codex absolutus est anno 4916 als einen lapsus calami bezeichnen. Begründet ist diese Ansicht dadurch, daß ja in diesem Jahre die Commentare auf Daniel und die kleinen Propheten von ihm vollendet wurden. Sollte er in demselben Jahre auch noch die Psalmen commentirt haben? Das wäre auch für den eminenten Geist eines Aben-Esra etwas zu viel. Sachs' Meinung (Zur religiösen Poesie der Juden in Spanien 310), Aben-Esra sei 1119 geboren, ist als aufzugehen zu betrachten, und der gefeierte Grätz wird uns hoffentlich beistimmen, daß jenes Epigraph durchweg authentisch und nicht abzuändern sei. Di*. M. Duschak. Historische Noch. Frankfurt a. d. Oder, 16. November. Zur Geschichte der Familie Porta Leone. Ueber diese berühmte „Familie jüdischer Aerzte" ist neulich in diesen Blättern (No. 44) Seitens des Herrn G. Wolf eine höchst interessante Notiz geliefert worden. Wenn wir heute unsererseits auf diesen Gegenstand noch einmal zurückkommen, so geschieht's vor Allem, darum, weil es uns auffallend erschien, den Stammvater gedachter Familie in dem Wölfischen Artikel „Wilhelm" (Guglielmo) genannt zu sehen, während derselbe bei Carmolh*), Epstein**) rc. nie anders als unter dem Namen „Benjamin" auftritt. Und in der That hat der Stammvater der Porta Leone's nur „Benjamin" geheißen, wofür das berühmte Werk seines berühmten Urenkels, das Buch '■»übü, wohl die beste Bestätigung liefert. Nichts desto weniger aber meinen wir, daß der Name „Wilhelm" (italien. Ouglielmo) hier mindestens insoweit gerechtfertigt erscheinen dürfte, als der biblische Benjamin 1. B. M. 49, 27. vrn, d. i. Wolf, genannt ist, und der Name „Wolf" von jeher nur zu gern in „Wilhelm" umgewandelt wurde. — Herrn G. W. gebührt jedenfalls das Verdienst, uns in feinem Artikel mit zehn Gliedern der P. L.'schen Familie be-- *) Histoire de msdecins juifs (Brüssel 1844). **) Ha-Scharon im Gegensatz zu Finn's Ha-Larmel.