Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1862)
- Date
- 1862-12-23
- Page
- Seite 754 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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754 erfordert. Aber in der That, so fern auch noch das Ziel ist, zu viele schöne Resultate sind schon erreicht worden, und liegen vor uns, als daß wir uns der. begonnenen Arbeit nicht freuen und sie nicht für ein in ihren Erfolgen .sicheres Werk erachten. sollten. Lasset Euch nicht irre machen, nicht den Blick verwirren; darum weil noch nichts fertig, weil in dem Drängen des Tages und in der Hitze des Streites das Erreichte so leicht verkommt und gering geschätzt wird, sich von den Gegnern Erfolglosigkeit einreden^zu lassen.! Sprechen wir es kühn aus: das Judenthum ist bereits gerettet; es ist gerettet aus der Versumpfung, in welche es die vorangegangenen Jahrhunderte versenkt hatten; es ist gerettet vor der Auflösung, mit welcher der schnelle Uebergang in das allgemeine Leben, der Nihilismus einer materialistischen Geistesrichtung und der ungeheure Andrang des Industrialismus es. bedrohte; und diese-Rettung.verdankt/es der Entschiedenheit der Männer, welche ihre Lebensarbeit hierin fanden und die Extreme abwiesen, sowie dem entschiedenen Triebe der Masse, sich vor den Extremen zu hüten.. Wohl, entschieden müssen wir sein, aber dies sind wir recht und wahrhaftig in dem Streben, ein geklärtes, kulturhistorisches,/weltgeschichtliches Judenthum herzustellen! In diesem Streben mögen uns unsre Freunde und Leser mit immer gehobenem Geiste auch in den neuen Jahrgang dieser Blätter folgen. Zerstreute Bemerkungen. Dem schwedischen Reichstage ist von der dortigen Regierung ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, durch welchen das Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Angehörigen der schwedischen „Staatskirche" aufgehoben werden soll, jedoch mit Aushebung der gesetzlichen Bestimmung, daß die Kinder solcher gemischten Ehen der Staatskirche angehören müssen. Hiergegen muß wohl von Seiten des Judenthums Protest erhoben werden. Auch die Rabbinerversammlung zu Braunschweig erklärte, daß zwar die Ehen zwischen Juden und Anhängern der monotheistischen Religionen gestattet seien, aber nur in den Ländern, wo das Staatsgesetz den Eltern nicht die Freiheit entzieht, ihre Kinder in der israelitischen Religion zu erziehen. Man sieht übrigens an diesem Beispiele, daß es auch protestantische Länder giebt, in welchen das natürliche Recht der Ellern mißachtet undder-Glaubenszwang oder besser der Kirchenzwang gesetzlich isk , Die Kritik, wie sie namentlich an der Bibel geübt wird, ist doch ein wunderliches, Ding. So, sagt Miner auch in der dritten Auflage seines biblischen >,Realwörterbuches": „In der Geschichte erscheint! die Benennung iN2 „Hoherpriester" erst 2 Kön. 12, 10. Vor ausgebildeter Hierarchie finden wir den Oberpriester durch keinen besonderen Titel ausgezeichnet." Daß dieser Ausdruck in den fünf Büchern Mosis nicht vorkomme,, hebt auch Bähr -„Mosaischer Kultus JI. S. 4" hervor und baut scharfsinnige Hypothesen darauf. Nun heißt es aber ausdrücklich 3 Mos. 21, 10, nachdem von den gewöhnlichen Priestern gehandelt worden psm pta 1W8-I bv pssr> rnND — hier haben wir doch den Titel des Hohenpriesters so bestimmt, wie man es nur wünschen kann. Die Kritik kommt aber nicht in Verlegenheit. Sie sagt zuerst, der Titel ist nicht alt, denn er kommt nicht einmal in den 5 BB. Mos. vor; zeigt man aber nun, daß er ja vorkommt, so antwortet sie, weil er da vorkommt, ist das Stück, worin er vorkommt, nicht alt, sondern aus einer späteren Zeit. Jeder Unbefangene sieht aber gerade aus der Fassung in der angeführten Stelle, daß er hier zum ersten Male gebraucht und darum ausführlich beschrieben wird, was wiederum ganz unnöthig und unpassend gewesen wäre, wenn das Amt schon lange vorher bestanden hätte, und daß dies lange vor der Zeit David's stattgefunden, leugnen auch die Kritiker nicht. In Petersburg erschien zur Feier des tausendjährigen Jubiläums des russischen Reiches ein großartiges Prachtwerk: veseripüons ethnograpliiques des peuples de la Russie. In demselben findet sich auch ein näherer Bericht über die Religionsverhaltniffe der hundert Völkerschaften, die dem Scepter des Czaren unterworfen sind. Nach diesem Berichte bestehen in der griechisch - orthodoxen Kirche über zweihundert Sekten, während von den Juden nur die zwei, Juden und Karäer, aufgeführt werden konnten. Literarischer Wochenbericht. Gaya, 16. November. .Gestatten Sie mir, in diesem Blatte über Aben-Esra's Geburts- und Todesjahr,