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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-23 · Heft 52 (23.12.1862) · p. Seite 751

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 52 (23.12.1862)
Date
1862-12-23
Page
Seite 751 (sequence 3)
Language
German
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W Gleichgültigkeit in sich trug. Diese Generation, welche unmittelbar aus dem Schoße der erstarrten Orthodoxie hervorgegangen, aus der sie.aber.noch immer ziemliche Kenntnisse der Religionsquellen des Judenthums mit sich genommen, diese Generation war es, welche aus den Synagogen verschwand, aus dem Hause und folglich aus der Erziehung ihrer Kinder das Judenthum verbannte, und das Beispiel des Abfalls in großer Zahl gab. Dem .neu erwachten Leben und den kräftigen Anstrengungen, die mit den Zwanziger Jahren anhoben, konnte es gelingen, in vielen Gliedern der gedachten Generation die religiöse Faser ihres Herzens noch einmal in Bewegung zu setzen. Wie aber mit dem jüngeren Geschlechts, das sie erzogen hat? Der Verband mit dem alten Judenthum war für diese zerschnitten, die Kenntniß des 3udenthums gänzlich verloren, das Bedürfniß für Religion erloschen,' das Organ für. sie unausgebildet. Mit den Folgen dieses Uebergangs, oder sagen wir dieses UebersturzeS Haben wir noch heute und noch für lange. Zeit zu kämpfen. Die gewöhnlich hierbei aufgeführten Momente der Zersetzung durch das allgemeine Leben, .der Alles beherrschenden Industrie, der materialistischen Geistesrichtung unserer. Zeit sind sämmtlich nur einseitige und sehr theilweise Motive. Der Hauptgrund unserer Zustände liegt innen, in dem eben gezeichneten Entwickelungsgange. Denn es ist hierbei nicht außer Acht, zu lassen, daß dieser -letztere nicht alle Theile der Judenheit zugleich ergriffen, daß er sich zuerst auf. den Concentrationsplatzen der Bildung und des Weltverkehrs Bahn machte,'und von da aus mit schnelleren oder langsameren Schritten sich Raum schaffte, und so auf dem Lande und in entlegeneren Landstrichen erst jetzt anlangt, während seine Einwirkungen an den Orten, von welchen er ausging, theilweise schon wieder überwunden werben. Für alle diese Erscheinungen werden unsere Kräfte, unser Interesse, unsere wärmste Theilnahme beansprucht, und so werden unsere Bestrebungen nach dem Maße, als es uns gelingt, sie richtig und energisch zu leiten, gewürdigt werden. Aber wie vermöchten wir dies, wenn nicht , durch die nachhaltige Unterstützung aller Gutgesinnten? Diese ward uns bis hieher zu Theil und hoffen wir, daß sie sich noch Zimmer steigern werde. Es ist aber einsichtlich, daß, um Wirksamkeit möglich zu-Machen, die Verbreitung; unseres Blattes, eine angelegentliche Sorge Derer fein müsse, die dessen Zwecke als preiswürdig ansehen. Es giebt noch immer zu viele Kreise, in'welche die jüdische Presse nicht eingedrungen ist, theils -solche, welche - noch immer vor. allem Jüdischen einen alten Abscheu hegen, theils solche, die in ihrem naiven Zustande noch keine Kenntniß, von ihr^ haben. < Diese ihr zu öffnen, wird ein wesentliches Verdienst sein. - Wir brauchen unseren Lesern keine Versprechungen betreffs Mnserer, Leistungen zu machen. Nach einem so langen Zeiträume -,, .wie wir ihn. bereits durchschritten, wäre,-dies, ganz überflüssig oderzwecklos. - Aufmerksam wollen wir nur darauf .machen , . daß, in den nächsten Monaten eine Reihe sehr intereffanter Artikel:. ,,Das Judeythum des l 9ten Jahrhunderts und! das- Christenthum" erscheinen wird. „Nichts Halbes — EntsthieVen!" Was ist davon zu halten? Den Ruf: „Nichts Halbes— Entschieden!" hört man jetzt wieder auf religiösem wie politischem Gebiete häufig wiederholen, und zum Schiboleth der Parteien machen. , Und man hat Recht. Nichts Trübseligeres giebt. es, als das beständige Schwanken von hier zu dort und von dort zu hier, das Hinken auf Leiden Hüften, heute Dies, morgen Jenes wollen, das Diplomatisiren, nach'Eompromissen suchen, die ängstliche Sorge, Niemanden zu verletzen, Niemandem als Gegner zu erscheinen,- es Jedermann recht zu machen. Dies-ist keine Klugheit, so klug-sich auch dergleichen Männer zu sein und zu verfahren dünken; dies ist keine Güte, so gut dergleichen Männer sich oft glauben , und über ihre eigne Herzensgüte Thränen vergießen könnten^ Es erwächst Niemandem Heil-daraus, am wenigsten dem, der so handelt. Es giebt Zeiten, oft - nur Stunden, wo diese - Männer sehr1 nützlich sindum über einen kritischen; Augenblick hinwegzuhelfen, wo der Bruch " ein Zusammenbruch i der ganzem Situation wäre; aber solche Zeit, solche Stunde geht schnell vorüber und dann wird das Werkzeug als abgenutzt und mit Verachtung von Leiden Seiten weggeworfen. Wer alle Interessen schonen will, schont kein einziges, auch nicht .sein eignes: Wer Aller Freund sein willden erkennt Niemand als seinen Freund. Wer stets vermitteln urld ausgleichen will, wird höchstens auf Monate die Wunde überkleistern, die bald in größerem Umfang und mit noch mehrgiftigem Eiter hervorbrechen wird. 5 Nein! Entschiedenheit der Ansichten, Entschiedenheit im Werke, Entschiedenheit in der That — ganz sein und betreiben, 52*

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