Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1862)
- Date
- 1862-12-16
- Page
- Seite 740 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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740 hergehendcn diese Erscheinung vollständig ihre Aufklärung erhalten hat. Es wird uns dieselbe aus der Natur der kaufmännischen Bildung und der kaufmännischen Interessen als.eine nothwendige Folge, als der natürliche Gang der Dinge einsichtlich geworden sein.; Man, wird deshalb dem Kaufmannsstande nicht mehr ein politisches Schwanken, ein haltloses Hin- und Hergehen vorwerfen dürfen. Die besonnenen Politiker werden: aber auch daraus erkennen, wo, wann und wie weit sie aus den Kaufmannsstand rechnen dürfen. Nicht die Conservativen und nicht die Liberalen werden glauben dürfen, den Kaufmarmsstand im sicheren Schlepptau zu haben, sondern , wissen, daß derselbe nur bis zu einer gewissen Grenze mit ihnen geht und gehen kann, hier aber angelangt, sicher umkehren, und die Kräfte der Gegner vermehren, wird. Daß dies die*Parteien nicht gewußt, hat ihnen hüben und . drüben schon großen Nachtheil verursacht. - Zeitungsnachrichten. Preußen. Aus dem Posenschen, im November. (Privatmitth.) In L i s s a haben unlängst an einem' und demselben Tage, am 15. d. M. nämlich, die Herren R o s e n st o ck und R o thenb erg ihr „sünsundzwanzigjähriges Amtsjubiläum" begangen und bei dieser Gelegenheit sowohl Seitens der Gemeinde - als auch der städtischen Behörden sehr ehrende Beweise der Achtung und Anerkennung erhalten. Die israel. Schule zu Kr o t o s ch i n ist, wie wir hören, um eine h LH ere Knabenclasse vermehrt und, in der ^Person eines talentvollen jungen Mannes aus: Breslau, Herrn C. Huth, noch ein Lehrer angestellt worden. - In Jnowraclaw hat Herr Rabbiner Pollak neben der längst bestehenden Elementarschule eine besondere Religionsschule eingerichtet und diese letztere nach viermonatlichem: Bestehen an dem verwichenen Hüttenfeste bereits die erste öffentliche Probe ihrer Leistungen abgelegte Thor», im November. (Privatmitth.) Die hiesige Synagogen-Gemeinde, die, was Gottesdienst, Schule und wissenschaftlichen Sinn anlangt, während der letzten Jahre ihrem sicheren Verfalle entgegenzugehen drohte, beginnt, angeregt durch ihren jetzigen Rabbiner Dr; Rahmer, ein neues gemeindliches Leben. Der Gottesdienst ist — Dank den Energie mit Friedensliebe vereinenden Bemühungen unserers Rabbiners — jetzt ein etwas geregelter, durch den deutschen. Gesangsvortrag unseres Cantors Elkan und durch inhaltsvolle Predigten gehobener. Das Schulwesen hat durch die Begründung einer jüdischen Elementarschule für Kinder von 6—10 Jahren, die der Lehrer Gutherz gewissenhaft verwaltet, die rechte Grundlage erlangt, auf welcher die Religionsschule und der Confirmationsunterricht sich zweckentsprechend aufbaut.*) Auch der wissenschaftliche Sinn findet durch die wöchentlichen Vorlesungen unseres Rabbiners über Themata aus der jüdischen Geschichte und Literatur Anregung und Nahrung. Was den Religionsunterricht anlangt, so wird derselbe den jüdischen Schülerinnen an der hiesigen höheren Töchterschule, die unter dem Direktorat des sehr humanen Dr. Prowe steht, vom Rabbiner und vom Lehrer Gutherz ertheilt; dagegen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den Director des hiesigen evangelischen Gymnasiums, vr. Passow, zu bestimmen, den jüdischen Gymnasiasten (50—60 an der Zahl) den Religionsunterricht: am Gymnasium ertheilen zu lassen, während dies für die katholischen Schüler (kaum die Hälfte an Zahl) ja gestattet ist. Die Gemeinde wird , deshalb bei dem Provinzial-Schulcollegium Beschwerde führen, und gedenkt Referent seiner zeit über den Ausfall der Angelegenheiten zu berichten.**) ■ C: E. Lissa (Provinz Posen), 25. November. (Privatmitth.) Ein schönes Fest ist am 15. b. M. innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde begangen worden: die Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens unserer sünfclassigen Gemeindeschule und das damit verbundene Amtsjubiläum der ältesten Lehrer der Anstalt, der Herren Rochenberg und Rosenftock. Am frühen Morgen, schon wurden die ergrauten Jubilare in ihrer Behausung von sämmtlichen Lehrern der Com- *) In dieser Beziehung hat der treffliche Artikel: „Elementar- oder Religionsschule" in No. 45 dieser Ztg. den Nagel auf den Kopf getroffen. Corresp. **) Gern würden wir Präcedenzfälle aus jüdischen Gemeinden in Gymnasial-Städten in diesem Blatte — mit Erlaubnis; des Herrn Redakteurs — vernehmen. Corresp.