Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1862)
- Date
- 1862-12-16
- Page
- Seite 739 (sequence 7)
- Language
- German
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739 der Preise, das Fallen und. Steigen der Wandel.der Bedürfnisse, welcher / bald eine Wrare außerordentlich gesucht, bald wieder/gänzlich verdrängt macht, die stete Veränderlichkeit Ein Bezug.und Absatz u. s. w. den Kaufmann -daran: gewöhnt, daß ich den menschlichen Dingen nichts, dauernd// nichts fest , nichts unwandelbar ist , daß vielmehr Verhältnisse und Zustände' in immerwährender Entwickelung und -Modificirung sich fortbewegen. Aus dieser 'seiner;' inneren. Natur heraus kann daher der Kaufmann nicht zu der Ueberzeugung kommen, daß in der- Politik das einmal Bestehende, das vor Jahrhunderten unter ganz anderen Verhältnissen und Bedürfnissen Geschaffene bleiben,, / unverändert aufrecht erhalten werden müsse-, und daß hiervon; abzuweichen, dem neu sich : Gestaltenden Raum zu gewähren, ein Unrecht sei. Er wird vielmehr, wenn er sein eigenes Wesen Leräth, anerkennendaß. neue-; Zeiten auch, neue Pfade im Staatsleben erfordern// und- - daß dem Andrange des entwickelteren Geistes zu genügen, wahre Einsicht' sei.-;;i; / Endlich/ ist zu erwägen, daß - der Kaufmannsstand weder nach .innen, noch: .nach .außen ein abgeschlossener ist. ' Wie er es.. in seiner Thätigkeit mit dem g an z e n Volke zu thun. hat-, mit den Höchsten und Niedrigsten, und gegen Alle dasselbe Verfahren einhalten muß, so rekrutirt er sich auch stets' aus allen Schichten des Volkes, zieht diefrischesten Kräfte aus allen Theilen deffelben heran, und man weiß, daß die Emporkömmlinge im Käufmannsstande nicht gerade den unwirksamsten Theil desselben ausmachen. Standesunterfchiede, Standesrechte und Standeövorurtheile liegen daher dem Wesen des Kaufmannsstandes am Entferntesten, und es giebt kein anderes Glied, der Gesellschaft, welches in der Gleichberechtigung Aller eine größere Befriedigung finden müßte. - Dies sind die hauptsächlichsten Gründe, welche die Ansicht Unterstützen, daß der Kaufmannsstand vorzugsweise der liberalen politischen Richtung sich zuneigen dürfte. Indessen darf nicht übersehen werden,, daß res andere Momente giebt, welche ihn zu der entgegengesetzten Seite, zu der konservativen führen müßten. Wenn eine außerordentliche politische Aufregung oder gar eine revolutionäre Erschütterung eintritt, so ist die nächste Folge eine sehr fühlbare Stockung im Handel, ein plötzlicher Abbruch und Umschwung in allen Verkehrsverhältnissen, der alle Berechnungen vereitelt, alle Spekulation zu Schanden macht. An solch ein Ereigniß.schließt sich dann bald eine Handelskrise im Allgemeinen, wie der Pall vieler Häuser M Einzelnen. Die begüterten Klas- . sen schränken sich in ihren Bedürfnissen ein, und ver- : mindern ihren Eönsüm? Die; Waaren entwerthen sich, * weil der Begehr geringer wird. Je länger diese Un- - ruhen dauern^ desto größer und verderblicher werden die ■ Verlegenheiten des KaufmLnnsstandes. Durch alles Dresses schwächt sich der -Credit, das Vertrauen sinkt auf /Null herab, und auf diesem beruht die ganze merkanti- /lische Welt unserer Zeit. Die Unsicherheit des Besitzes /wird allgemein; die Capitalien ziehen sich aus dem Ver- ' kehrsleben heraus; die Papiere verlieren einen enormen Theil ihres WertheA - Der Sturz vieler, selbst der soli- . besten Häuser ist unvermeidlich. Alle verlieren, und Niemand gewinnt. Dieses Bild ist der Erfahrung entlehnt und muß daher jedem 'besonnenen Mitglieds des , kaufmännischen Standes stets vorschweben. Hieraus muß;; sich die Ansicht bilden,' daß der Handel der Rühe und -Sicherheit im- Staate, in der ganzen bürgerlichen Gesellschaft zu seinem Heile bedarf, und daß diese nur da zu finden, wo das Staatsleben ein conservatives ist, auf festen längst, geregelten Basen - beruht, /und - auf diesen nur in unmerklicher Weise forischreitet. Nichls ist sicherer, als daß alle neue Errungenschaften; durch Opfer erkauft -werden, aber ein Anderes ist es, seinen gänzlichen Ruin vor Augen zu sehen, und dennoch dem ursächlichen Momenten nicht feind sein zu sollen.; So entgegengesetzt aber diese Gründe zu sein scheinen , so, finden sie doch in der Wirklichkeit: ihre Bewährung, und bei tieferem Einblick verbinden sie sich in sehr natürlicher Weise. Die eben geschilderten Uebelstände und Gefahren für die kaufmännische Welt entstehen eben nur, wenn die politische Bewegung in das Extrem äusschlägt, wenn aus einer, politischen. Krise eins revolutionäre Erschütterung hervorgeht. Eine solche ist: aber, mitder liberalen Ansicht und Richtung noch lange nicht identisch. Auch ist jetzt Niemand mehr der Geschichte so unkundig, daß er nicht wüßte, wie an den politischen Umsturzbewegungen; die 'Hartnäckigkeit der reactionären Partei eben so viel Schuld trägt, wie die Leidenschaft der Opposition/ Es wird hieraus für den Kaufmannsstand die eigenthümliche Stellung refultiren, daß. er im Allgemeinen und bei ruhigerer Entfaltung - der liberalen i Richtung angehört, und fein ganzes Gewicht in die Schale des liberalen Fortschrittes legt, daß er aber, sobald der Liberalismus in Radikalismus umschlägt, wenn ein revolutionäres Fieber durch die Gesellschaft geht, sich auf die konservative Seite wirft, und zeitweise sich auch zum Werkzeug der Reaktion macht. Wir glauben, daß aus dem Bor-