Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1862)
- Date
- 1862-12-16
- Page
- Seite 735 (sequence 3)
- Language
- German
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die Zurücknahme noch immer möglich und reservirt .wäre.! Nirgends tritt solche Anschauung schlimmer Hervor, als \ in der, überhaupt,arg,? verfahrenen deutschen Polizei, , deren Literatoren sich , nicht scheuen- .mit.ebenso hohler Uumiffenheit> wie,mit verwegener Eitelkeit das Judenthum als eine abgeschlossene trübe - Genossenschaft, darzustellen,! wie ja . denn unter Andern . der Eriminalactuar Thiele! in Berlin .es, wagen konnte, ein eignes WerkMber.-,-d.ie - jüdischen Gauner" und über,„die^jüdische- Gaunersprache" zu schreiben. Wie ich schon , lange jener trüben Gruppe! (besonders, im vorigen Jahre in meiner >,Krisis der.deutschen, . Polizei"), mit. ihren - falschen ■ Propheten. ernstlichen Kampf angesagt habe/ so habe ich auch in meinem jetzigen Werke die Nichtswürdigkeit solcher : tief eingewurzelten, Anschauung angegriffen. > Vor Allem gilt es mir, die politische.„Emanzipation" Israels aufdeutschem Boden als eine durch, lange Jahrhunderte hindurch h isst o r ,i s ch e r se ss e n e f ac tis ch.e und rechtliche Nothwendigkeit zum, allgemeinsten Bewußtsein zu bringen, damit auch Israel selbst diese „Emancipation" mit der vollsten Rechtssicherheit erfasse und in vollkommener politischer Stätigkeit genieße. Es fehlt dazu noch immer eine klare unbefangene Darstellung des jüdischen Volkslebens auf deutschem Boden. Und doch ist dies deutsche Volksleben der Juden, auf deutschem Boden sogar schon eine vorhistorische deutsche Erscheinung. Dies reiche Volksleben spricht aus vielen Zeichen hervor. Ein lebendiges Zeugniß giebt das noch überall so gering angesehene sogenannte Judendeutsch, das noch niemals richtig gewürdigt und untersucht worden ist. Mich hat. dies äußerlich so wunderlich erscheinende Sprachgefüge lebhaft interessirt. Bei der Untersuchung seiner.grammatischen Bestandtheile.fand ich in ihm das Althochdeutsche, als' wesentlichen Grundstoff und somi.t im Judendeutfch den. getreuesten Depositar dieser althochdeutschen Sprache, durch viele Jahrhunderte; hindurch.. Mit der jüdifchdeutschen Literatur ist -aber der deuts chen. Nationalliteratur ein höchst bedeutender . und wichtiger Schatz verborgen geblieben. Dieser reiche historische Schatz mußte gehoben werden. > Er ist ein vollmächtiges Zeugniß für das. volle deutsche Leben und. für die -volle politische Berechtigung der; Juden., ssm dessen lebendigen Auffassung, auch das. politischeMch.tsbewußtsein mit,voller Sicherheit sich befestigen muß.: Je fremdartiger die heterogenen, Sprachstoffe an-fich gegen einander erscheinen,, so giebt gerade ihre. Züfammenfügungwin desto lebendigeres. Zeugniß, für das gewaltige innere-Zusammenstreben der christlichen und jüdischen Volkselemente zu einander und ebenso gewaltig spricht der unmittelbare Anschluß des Judendeutfch1 an die vielen Wandlungen, -welche durch Jahrhundertehindurch bis zur Stunde unser^ deutsche. Sprache-erleiden mußte, für die liefe' innere -Nothwendigkeit und: für die Thatsache des volksthümlichen Anschlusses. ' l. .Daß ichdiesen Stoff im vorliegenden Werke behandelte, rechtfertige, ich nicht weiter.- Wieder Bergmann in . dunkler Tiefe .mußte ich ’ die Erscheinung überall da fassen, wo ich sie fand,' und sie ans Tageslicht bringen, um. dort -den Scheidungsproceß vorzunehmen, damit das edle Metall -zu würdigen Formen verarbeitet werden könne.: Sie werden-in meiner Arbeit münche Mängel und Unkunde^ genug finden; ich hübe ja selbst erst als Fremdling das Gebiet betreten müssem Aber ich' hatte den. edleren; Zweck vor Augen und habe zu ihm hingestrebt in..Gottes Namen, den- Israel- und die Christenheit als den Einen Herrn preiset.— Die Hauptergebnisse des Herrn Verfassers sind demnach zwiefacher Art: 1) daß die Gaunersprache nicht jüdischen Ursprungs, sondern eine große Sprachvermischung ist, welche willkürlich bedeutende Elemente dem jüdischdeutschen Dialect entnahm und in ihrer Art conventionell verbreitete; 2) daß der'jüdischdeutsche Dialect ein Product des jüdischen Lebens auf deutschem Boden und darum sowohl ein ächt deutsch-nationales, dem großen, deutschen Sprach Organismus zugehöriges Glied, als auch ein unwiderlegbares Zeugniß für das deutsche Leben der Judenist. Wir möchten hinzufügen, daß; gewissen in jüngster Zeit aufgetauchten Ansichten und Bestrebungen gegenüber, das Resultat des Verfassers auch ein Zeugniß! dafür ist, daß die Juden seit uralter Zeit kein abgeschlossenes jüdischnationales Leben gehabt und nicht erst innerhalb der modernsten Cultur, sondern von ihrem Auftreten in Deutschland an das deutsche Leben mit .ihrem eigenen amalgamirt haben. Die Juden haben nicht die hebräische Sprache als ihre Muttersprache und die deutsche Sprache als eine fremde, erlernte und nur zur Verständigung mit den Landesbewohnern gebrauchte Sprache gesprochen, sondern die deutsche Sprache zu ihrem völligen Eigenthum gemachd und darum natürlich mit dialectischer Färbung versehen. Bevor wir jedoch hierauf näher eingehen, heben wir zur Charakterisirung noch einige Stellenausdem Vorwort des Verfassers zum dritten und vierten Bande seines Werkes hervor. Er fügt: - „Sobald er die eigenthümlich versetzte und verschränkte 51*