Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1862)
- Date
- 1862-12-16
- Page
- Seite 734 (sequence 2)
- Language
- German
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Provinz Velletri von keinem Juden mehr betreten werden dürfe. Die Opfer -desselben sind daher Mesa^er^ Art, denn erstens werden' hierdurch" alle in ^Velletri ansässigen Juden vonHeerd undHeimath vertrieben) zwei-- tens wird den römischen Juden, die durch den Handel in dieser Provinz ihren Lebensunterhalt gewannen, dieser gänzlich abgeschnitten. Die Anzahl der elfteren ist' allerdings, wie: man schreibt, gering,^ sdestch bedeutender die Zahl der letzteren. x Wenigstens die verjagten, über die Grenze geworfenen Juden müssen unterstützt werden, wenn es auch unmöglich ist, die brotlos gewordenen Juden Roms für ihren Verlust zu entschädigen. Diese Forderung, oder sagen wir diese Verpflichtung stellt sich aber . nicht blos für. die Juden aller .anderen Länder, sondern auch für die Christenwenigstens für alle diejenigen Christen, Melche die Decrete der Papste lichen Regierung nicht als unfehlbare göttliche Vorschriften ansehen, auf. Es ging hier abermals im Namen der christlichen Religion, oder doch der christlichen Kirche, ein Vernichtungsbefehl über schuldlose, arme und schon so tief gedrückte Menschen aus und so sind 'es die Christen der verletzten Religion und Gerechtigkeit schuldigden um des Glaubens willen geschehenen Frevel wieder gut zu machen. Wir erwarten stündlich die genauesten unddetaillirtesten Nachweisungen von Ort und Stelle', und werden uns dann offen an Alle, welche ein Herz für ihre verfolgten Mitmenschen haben , wenden. Der jüdisch-deutsche Drateet vom cultrrrhistorischen Standpunkte. I. ''' . ' - V ' . Wenn irgend eine Erscheinung unserer Zeit wahrhafte Freude und Erhebung dem Beobachter schaffen kann, so ist es die aus so vielen Gebieten tatsächlich hervortretende, daß lange übersehene und mißachtete Momente der Culturgeschichte aus dem Schutte hervorgegraben, oder wie im fernen Ocean verborgene Eilande entdeckt, nach allen Richtungen hin durchforscht und'in ihrem wahren Werthe durch objective Prüfung und Dar^- fiellung erkannt werden. Es ist dies eine natürliche Folge von der gründlichen Bearbeitung, welche die gangbaren Stoffe und allgemeinen Fundamente der Wissenschaft bereits gefunden haben, auf deren Grundlage hin nun auch die einzelnen, bis jetzt weniger beachteten Objecte zu einem ^neuen Studium und zu^nemr Auffassung aufforpexiLsuMi gelangO^ 'DieseKHinstigHGHchA^hat . nunmthv auch den jüdiftHdeutsthm DialeetHetroffeß, der sich jetzt nicht blos in linguistischer Beziehung, selbst nicht allein vom culturhistorischen Standpunkte von großer Wichtigkeit erweist, sondern auch als Zeugniß des - hes. deutschen DHslebenszder^ Juden fWf Deutschem Boden für die politische und sociale Stellung der Juden in Deutschland in der Gegenwart und Zukunft ein bedeutungsvolles^ Gewicht zu besitzen scheint. In diesen Tagen erschienen der zweite und dritte Band eines Werkes (Leipzig 1862), dessen erste beide Theile vor vier Jahren veröffentlicht wurden, und das den Titel führt: „Das deutsche Gaunerthumin seiner social-politischen, literarischen und linguistischen Ausbildung zu seinem heutigen. Bestände. Von. F. C. B. Avö-Lallein ant, Doctor beider Rechte.^ Diese beiden Theile behandeln als vierten Abschnitt des ganzen Werkes die Gaunersprache', deren Ursprungs und? ganze Geschichte, und; verfolgen hierbei insonders die' Betrachtung aller der .Sprachen, aus welchen 'die Gaunersprache die Elemente; zu ihrer Mischung aus. allen gezogen chat< Zu, diesem! Behufe unternahm der Verfasser eine gründliche Dürch- - forschung und allseitige Bearbeitung dieses Dialectes, welche den größten Raum des dritten Bandes einnimmt. Bevor wir auf die interessanten Ergebnisse Vieser Forschungen eingehen, theilen wir hier ein Schreiben des Verfassers an uns Mit, welches den Standpunkt dieses Gelehrten klar darstellt, und von welchem wir nur die Sätze auslassen, die uns persönlich betreffen. Lübeck, 7.-November. Ich habe das Werk aus tiefem, inneren Drange geschrieben. Durch und durch von der Wahrheit der christlichen Religion beseelt, bin ich doch kein starrer Eonfessionalist und kein orthodoxer Eiferer. Ich erkenne im Jüdenthum die gewaltige untrennbare Grundlage meines Christenthums und in beiden die unmittelbare heilige Offenbarung Gottes, des Herrn. Ich war eher Culturhistoriker, ehe ich Criminalist und Polizeimann wurde.' Das Studium der Geschichte Israels auf deutschem ^Boden hat'Mich besonders tief ergriffen; sie ist eine fortlaufende Geschichte schwerer christlicher Schuld, welche durch die sogenannte „Emancipation" nur kümmerlich gesühnt ist, zumal diese „Emancipation" noch vielfach als ein hochmüthiges Erbarmen und als ein eitles Gnadengeschenk erscheint, wie wenn