Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1862)
- Date
- 1862-12-09
- Page
- Seite 727 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m neulich Neujahrs- und Versöhnungstag, viel zu eng- und einer Hauptstadt wie Brüssel ohnedies nicht würdig. Der Gottesdienst übrigens > von dem erprobten und vielverdienten . Cantor Herrn Cohn geleitet, von einem Chore, bestehend aus den Zöglingen der israelitischen Schule, unterstützt und mit-Orgelbegleitung, war erhebend,: die Predigt, namentlich die von Kol Nidre, sehr ergreifend, das mußte sich jeder Anwesende gestehen. Sollte es also, unmöglich sein, den eingeschlummerten Sinn für das Religiöse zu wecken und zu beleben? Dem ist wohl nicht so, , und.eine Broschüre, deren-Probebogen vor j mir liegen, ist wohl geeignet, die Liebe zur Religion der Väter von Neuem wach -zu rufen und zur Abhülfe der bestehenden Uebelstände im Schulwesen anzuregen. Die Broschüre beginnt mit einem historischen Ueberblick der jüdischen Geschichte, von Esra und Nehemia: an, zeigt nebenbei unter Citaten von namhaften Gelehrten, wie . Philippson, Grätz u. s. w., wie weit selbst die. gepriesenen Griechen von der Wahrheit entfernt blieben und beleuchtet dann die leidigen Zustände in hiesiger; Gemeinde. Dann wird den Familienvätern aufs Wärmste ans Herzgelegt, der mangelhaften religiösen Erziehung; ihrer Kinder, abzuhelfen durch Erbauung eines; Schulhauses mit Garten u. s. w.; dies sei sogar vorerst wohl nothwendiger als der. Neubau eines Tempels, dessen Bedürfniß ebenfalls allgemein anerkannt sei. Der-Verfasser schlägt, vor, drei Elassen zu errichten, die erstere für die Primärschüler, in den zwei; anderen sollten die jüdischen Zöglinge höherer Stadtschulen (llcole ino^emie et ^tliönee rv^at, etwa den deutschen Realschulen und.Gymnasien.entsprechend) zu gewissen Stunden den -religiösen Unterricht empfangen. Also immer wieder die Sonderung zwischen Armen und Reichen schon bei den Kindern!, Das läßt sich nun wahrscheinlich in Belgien nicht anders machen. Wie ganz anders gestalten sich-die Dinge, wo , wie in Deutschland, der Unterricht vom Staate ausgeht und obligatorisch ist, für Arm und Reich! :; -Sie sehen also, der.Anstoß ist gegeben; die.Broschüre wird; in. allen jüdischen Häusern vertheilt werden,, man -wird diScutiren, und das ist schon Etwas. Hoffen; wir, daß die sprüchwörtlich gewordene - Mildthätigkeit-Israels sich aufs Neue Lewähren wird; denn nur durch sie wird Brüssel erlangen, 'was chm noth thut:. einen- T e m p e l,. ein S ch u l hau s' und ein Hospital! Nordamerika. New- Jork, im October. Der Widerruf jener Acte, nach welcher nur ein Christ als Geistlicher bei der Armee angestellt werden kann, ist dadurch bethätigt worden, daß Rev. Jacob Frankel in Philadelphia vom Präsidenten als Kaplan berufen worden, mit der Aufgabe, für die geistlichen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten im Hospital zu Philadelphia und Umgegend zu sorgen. Seinen Sold erhält er von der Regierung ausgezahlt. — In New- Dort ist es jetzt auch vorgekommen, daß ein Jude, Abraham Despacker, als Organist in einer christlichen Kirche angestellt worden. — Die Juden in Richmond, der Hauptstadt der Conföderirten, befinden sich in sehr blühendem Zustande. Sie bilden 3 Gemeinden, von denen die eine portugiesisch. (Jew. Record.) New -Hork, 19. October. Der „Sinai" enthält folgenden interessanten Bericht: Die hohen Feiertage .sind vorüber, und sie waren diesmal ganz besonders eine Oase in der Wüste; sie haben gezeigt, daß trotz der schweren Sorgen und Bürden, unter denen das Land seufzt, der Sinn und die Theilnahme für die religiösen Interessen keinen Abbruch unter uns erfahren, ri-fb^a b6nia*> ■pbN Nb Der Zudrang zu dem Tempel war dieses Jahr stärker als je, und eine beträchtliche Anzahl Männer, die Sitze im Tempel kaufen oder miethen wollten, mußten bedauerlicher Weise abgewiesen werden, weil kein Raum mehr vorhanden. Dadurchsowohl, als weil viele Mitglieder der Gemeinde nur mit halben Sitzen sich begnügen müssen und für ihre eigene Familie nicht Raum genug haben, ist das Bedürfniß von Neuem erwacht, ein geräumigeres Gotteshaus zu erbauen, und hat ein freiwilliges Comite die Sache in die Hand genommen und bereits einen so tüchtigen Anfang gemacht, daß ein guter Fortgang und ein günstiger Erfolg zu erhoffen steht. Unsere jüdische W o h l t h ä t i g k e i t s g e s e l l s ch a ft hat die heilige Zeit ebenfalls zu einem heiligen Werke benutzt. Am 30. September wurde in höchst feierlicher Weise unter Zuströmung einer großen Menge Theilnehmer, darunter Christen von hervorragender Stellung, der Grundstein zu einem Neubau des jüdischen Waisenhauses gelegt, welches unter; Obhut der erwähnten Gesellschaft steht, und für welches bekanntlich die Stadt nicht allein den umfangreichen Bauplatz, sondern über- 59**