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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-09 · Heft 50 (9.12.1862) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 50 (9.12.1862)
Date
1862-12-09
Page
Seite 726 (sequence 10)
Language
German
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726 gelassen, und eine noch.: ansehnlichere Anzahl jüdischer Kleinhändler aus Rom fand sich dort: ein, um -die Märkte zu beziehen. Die Opinion Nationale „erklärt nun bestimmter, als je", daß sämmtliche Juden, mit Ausnahme der in Folge - eines alten Decretes in Velletri geduldeten, durch ein Decret des Cardinals Mattei aus dem Sprengel ausgewiesen und allen: israelitischen Händlern das Beziehen von Jahrmärkten in der Diöcese verboten ward. Die Opinion setzt hinzu, man habe lange gezögert, Berufung u an, die öffentliche Meinung einzulegen, weil man gehofft habe, Se. Heiligkeit werde jenes Decret rückgängig machen, wenn die Sache ohne Aufsehen zu machen betrieben werde; „durch ein authentisches und officielles Schreiben vom 18. Nov., das ihr, der Redaction der Opinion, mitgetheilt worden, werde jedoch erhärtet, daß alle Versuche zur Ausgleichung gescheitert seien, das Decret in aller Strenge aufrecht erhalten werde und die Lage der unglücklichen Vertriebenen Beistand erheische." Rom, 15. November. Ueber die Stellung der Juden in Rom hatte die Augsb. Allg. Ztg. einen Bericht gebracht, worin es hieß, „die Söhne Israels , seien'nicht mehr auf das fieberfeuchte Ghetto-Quartier am Tiberufer beschränkt". Ein anderer Correspondent der Augsb. Allg. Ztg. bringt hierzu folgende Berichtigung: „Der wahre Sachverhalt ist dieser.. Der Judenschaft, nach der neuesten Zählung 4486 Seelen, - ist gesetzlich der enge, von der Tiber bespülte. Ghetto zur Wohnung angewiesen. Diese Einpserchung schien im Jahre 1848 aufhören zu sollen, da etwa 20 israelitischen. Familien erlaubt ward, sich außerhalb der Ghettogassen, doch stets uur innerhalb des Rione Sanct' Angelo, der den Ghetto mit einschließt, anzusiedeln. Dafür mußte jede Familie 10 Procent der jährlichen Miethe an den Pfarrer von S. Angelo als Vergütung der. von ihnen nicht zu erhebenden Sporteln für Taufe, Trauung, Begräbniß und: andere psarramtliche Verrichtungen bezahlen. Als im Jahre 18.50 die päpstliche Regierung. aus Portici wiederkehrte, zogen sich auch diejenigen israelitischen Familien sofort in den Ghetto zurück, welche unter den Triumvirn Mazzini, Armellini und Saffi außerhalb des Rione S. Angelo in der Stadt Schnittwaarengeschäfte eröffnet-hatten. Gegenwärtig werden, nur noch drei außerhalb des Rione S. Angelo geduldet; von ihnen leben zwei in der Via papale .und auf Pozza. delle Cornacchi in den centralsten Stadtgegenden." Casale, im November. Der ..Läue- Wr." berichtet, daß - Herr Israel Debenedetti in < das Marineministerium befördert worden. - ' Belgien. Brüssel, 16. November. (Privatmitth.) Die jüdischen Einwohner Brüssels bilden ein buntes Gemisch von Angehörigen .der verschiedenstem Länder und Zungen Europas: Deutsche, Holländer, Franzosen lmeist Elsäßer), Engländer — was Wunder, daß sich ln einer Gemeinde so kosmopolitischen Ursprungs, die verschiedensten und zum Theil extremsten Richtungen geltend machen!. Hierzu, kommt noch, daß — in Folge der hier herrschenden Civilehe, freien Niederlassung und unbegrenzten Freiheit —-viele Juden.sich-dem Gemeinde- Verband gänzlich entziehen, ohne deshalb gerade Christen zu sein, denn die belgische Verfassung fxägt Niemanden nach -seinem Glaubensbekenntniß, .sie stellt durchaus nicht das Dilemma: entweder Jude oder Christ. Wie nun aber jedes Ding seine zwei Seiten hat, so trägt eben diese Freiheit, so schätzenswerth.sie ist, gewaltig dazu beider unserer Zeit unhängenden Lauheit, Wem. religiösen Jndifferentismus: Vorschub zu leisten und manchen Israeliten der Gemeinschaft seiner Glaubensgenossen zu entziehen. j;;■ ■■ Dabei muß bemerkt werden, daß, da in Belgien kein Schulzwang existirt, viele Israeliten, darunter namentlich unter den reicheren, ihren Kindern durchaus keinen Religionsunterricht. angedeihen lassen (ausgenommen Einige, die dazu eigens einen Privatlehrer wählen). . Nicht als ob wir keine jüdische Religionsschule hätten, es existirt eine solche, aber verbunden mit der Primärschule, im obern Raume des Tempels: 'Diese Schule, von der Stadt Brüssel unterhaltenmit Ausnahme des. Religionslehrers, den die jüdische Gemeinde besoldet,, wird meist nur von armen Kindern besuchtwelche im Winter noch überdies durch freiwillige Beiträge Mittagsbrot erhalten. Grund genug für unsere Reichen - ihre Kinder nicht. dahin zuschicken! So kommt es denn, daß der ehrenwerthe Herr Rabbiner Dr. Loeb, dem * es Ernst ist mit seinem Berufe, beim Confirmandenunterricht oft traurige Erfahrungen über die Unwissenheit der israelitischen Jugend in Religionssachen machen muß; gewiß sehr' beklagenswerthe Zustände! Dabei' Ist der Tempel während des ganzen Jahres fast verlassen, an den hohen Festtagen, wie

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