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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-09 · Heft 50 (9.12.1862) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 50 (9.12.1862)
Date
1862-12-09
Page
Seite 721 (sequence 5)
Language
German
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721 Kahn" ansieht, den er aus Charakterstärke nicht einzeln verlasien will, um sich im Katholicismus zu retten, hingegen das Judenthum einzeln verlasien hat, so erklärt er also hiermit das letztere für ein flottsegelndes Schiffe das er, ohne seinem Charakter zu nahe zu treten, einzeln verlasien konnte. Jndeß geben wir auf dieses Zeugniß eines aus jedem Fahrzeuge, in das er gekommen, sich Rettenden — mit welchem Gleichniß sich Leo selbst einem bekannten, wenig geachteten Thiere gleichstellt — gar nichts, heben aber wiederum hervor, welchen geringen Gewinn und welchen großen Schaden die Kirche durch die getauften Juden erhält! Ein als Culturhistoriker bekannter Schriftsteller, Johannes Scherr, macht in einem seiner neuesten Werke folgende Bemerkung: „Unsere Bauern sind überhaupt noch heute Heiden, wie ihre Altvordern waren. Der christliche Firniß, womit ihr Heidenthum überstrichen wurde, ist ein sehr dünner. Ueberall schimmert noch der Glaube an die alten Naturgewalten durch. Freilich, die Namen der alten Götter hat das Taufwasser allmählig aus dem Gedächtniß des Volkes gewaschen, nicht aber die alten Götterbegriffe. Die Volksreligion ist noch heute so-polytheistisch, wie sie vor zweitausend Jahren gewesen...." — Dem prüfenden Blicke kann es aber nicht entgehen, daß sich diese Behauptung nicht blos auf die dörfliche Bevölkerung beschränken läßt, und daß in Kirche, Schule und Staat sich noch heute viel Heidenthum vorfindet und daß das Verhältniß der Staaten zu einander noch ein völlig heidnisches ist. Wir haben uns über dieses Thema in früheren Jahrgängen dieser Zeitung öfter ausgesprochen, und werden in Bälde Veranlassung nehmen, darauf zürückzukommen. Aber fegen wir auch vor unserer eigenen Thür! Das Judenthum, welches historisch mitten durch das Heidenthum und alles heidnische Wesen hindurchzuschreiten hatte, ist in den verschiedenen Zeitperioden von diesem nicht unberührt geblieben, und hat in Babel und Rom, in Aegypten und Spanien, im Alterthum und Mittelalter heidnische. Begriffe und heidnische Gebräuche in sich ausgenommen, deren Spuren nicht blos im Chassidismus dick aufgetragen, sondern auch im geklärten Judenthum von Westeuropa genügend zu finden find. Oft . sind diese unscheinbar oder scheinbar bedeutungslos, so daß man sie ruhig und lächelnd duldet. Aber dem. ist doch, nicht so, und an jeden einzelnen Zug knüpft sich stets der ganze Charakter einer Sache, und um diesen zu läutern, darf jener nicht unbeachtet bleiben. Heben wir heute nur Eins hervor —' wie viel Abergläubisches liegt noch in den einzelnen Gebräuchen, die bei der Bestattung unserer Tobten stattfinden! Zum Beispiel: das' Zerbrechen eines irdenen Gefäßes hinter der Leiche, das Bedecken der Augen mit den Scherben desselben, das Schlößchen, mit welchem man ihr gleichsam den Mund verschließt und dergleichen Hokuspokus mehr. Es wäre wohl an der Zeit, daß die Räbbinen und Lehrer das Volk darüber aufklären Und diese und ähnliche Dinge verschwinden machen. Wie die„Magdeb. Ztg." (No. 278) bemerkt, hat sich der jetzige preußische Ministerpräsident unter Anderm über die Presse dahin geäußert, „daß zu ihren Agenten blos Juden und in ihrer Carribre Verunglückte gehören." Sie bemerkt dazu: „Beguem ist es freilich, die Presse'durch solche Insinuationen im Publikum discreditiren zu wollen." Einen stärkeren Beweis für unsere Darstellung in No. 48, daß der Judenhaß von der feudalen Partei in Speculation genommen worden, brauchen wir nicht.*) Neue mikroskopische Beobachtungen haben gezeigt, daß besonders im Fleische der Schweine sich Larven von sogenannten Trichinen befinden, die , wenn sie nicht durch vollständig durchdringendes Sieden'des Fleisches getödtet würden, häufig Krankheit und Tod des Menschen bewirken. Es haben sich deshalb schon einige Negierungen, z. B. die Deffauische, durch häufige derartige Vorkommnisse bewogen gefunden, desfallsige Verordnungen zu treffen' und bekannt zu machen. So hat die alte Thora doch einmal wieder Recht! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im November. (Privatmitth.) Die Beerdigung Eh-. Salomon's fand am 19. statt und nach *) Wie No. 94 des „Kreisblattes für die Insel Rügen" berichtet, hat Herr von B i s m a r k- S ch o n h au.s e n wirklich diese Aeüßerung gegen eine bei ihm äufwärtende Deputation gethan. Im - Munde des Herrn-v. B.-Sch. als Führers der Junkerpartei fällt uns so Etwas nicht auf, im Munde eines Ministerpräsidenten-von- Preußen ist sie allerdings auffallend! Es ist dies das staatsmännische Gebühren der neuesten Aera!

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