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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-09 · Heft 50 (9.12.1862) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 50 (9.12.1862)
Date
1862-12-09
Page
Seite 719 (sequence 3)
Language
German
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719 in Nordamerika); alle Momente und geistige Potenzen innerhalb dieses 'Volkes trugen die Bedingung in sich, oder waren gezwungen, diesen Fundamentalcharakter zu stärken und zu ehren, das Prophetenthum, das Priesterthum, das Rabbinerthum. Hieraus entsprang nun die höhere Einheit, in welche im Judenthume durch seine ganze Geschichte hindurch Gesetz und Freiheit, Autorität und Gleichheit aufgingen, sich zu einer höheren Einheit verschmolzen,-so daß die beiden keine Gegensätze ausmachten, sondern einander stützten und trugen, daß Parteiung, Opposition und zerrüttende Kämpfe aus dem einen und dem anderen. Gesichtspunkte heraus nicht möglich waren, und dies wiederum ist das innere Motivs warum jene beiden Extreme stets im, Judenthume und in den Juden ihre Gegner finden müssen, die Feinde der Freiheit und Gleichheit auf der einen, die Feinde des Gesetzes und der bürgerlichen Ordnung auf der anderen Seite. Ganz ebenso verhält es sich mit der Gotteslehre^ Die Erkenntniß und Anbetung des einzigen, einigen, unkörperlichen Gottes, des Schöpfers der Welt, des Allgerechten und-Allliebenden, der den Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen und ihn zur Heiligung in Recht und Liebe, bestimmt hat, die Erkenntniß und Anbetung dieses Gottes im strengsten Monotheismus und im Geiste, rchne Gegensatz und. Mitgottheit, ohne Bild und leibliche Darstellung — dies war und ist die religiöse Idee, welche die. Gotteslehre Israels in die Welt gebracht und bis auf den Heutigen Tag unbedingt erhalten hat.. Mer .mit dieser Gotteslehre war die freie; Bewegung mnd. Selbstständigkeit des Geistes verbunden; keine formulirten Dogmen waren und wurden zur Fesselung des Geistes aufgestellt; keine Autorität war im Stande,- Glaubensartikel aufzustellen, welche mehr als Aussprüche des. Einzelnen. oder Einzelner galten; und wenn nun auch in. verschiedenen Zeitaltern und unter verschiedenen, Verhältnissen diese Gotteslehre mit Lehrsätzen umgeben wurde, die der Zeit angehörten, so war es der folgenden Epoche gestattet, sie allmählig wieder hinwegzuräumen, ohne daß daraus Spaltungen und Seelen entstanden. Auch hier asso ging Das, was in anderen Religionen und Archen. Gegensätze bildete, in eine höhere.Einheit auf, die bestimmteste religiöse Idee, und die freie;. Bewegung des Geistes. Auch dies aber muß das Motiv- .zur Feindseligkeit der beiden Extreme gegen das Judenthum abgeben. Die Anhänger altformulirter Dogmen müssen im Judenthum ihren Feind sehen, weil es ihr geborener und lebendiger Widerspruch ist; und die - Atheisten und Materialisten müssen in ihm ihren ewigen Gegner erkennen, da es die Gotteslehre in der ganzen Fülle der Äechtheit und Ursprünglichkeit gegeben und erhalten hat, und der ganzen Menschheit als Fundament i des religiös sittlichen Lebens hinstellt. Wir können uns also über , diesen unvertilgbaren Judenhaß nicht wundern, der so lange bestehen wird, wie jene beiden extremen Parteien, also vorerst noch eine lange, lange Zeit. Freuen wir uns aber und betrachten es als einen großen Sieg, daß . und wenn sich dieser Haß allmählig in diese äußersten Parteien flüchtet, und aus der Ungeheuern Masse, die zwischen jenen in der Mitte liegt, zurückzieht und sich auf diese Parteien beschränkt. Ein Beweis hierfür in unserer Zeit liegt eben in dem gewaltigen Gepolter,. welches Feudale und Rothe, Pietisten und Atheisten gleichzeitig gegen uns erheben, wie denn der Kreuzzeitungsrundschauer dem Herrn Marr freundschaftlich die Hand schüttelt 'und Bruno Bauer der Schildknappe der Kreuzzeitung geworden. Preußen. Zur Charakterisirung. Es bedarf zwar eigentlich zur Charakterisirung der momentanen Stellung der Juden in Preußen keiner besonderen Zeichen und Erweise. Die. Partei, die gegenwärtig wieder einmal das Steuerruder des Staates in Händen hat, ist zu bekannt, und kennzeichnet sich jeden Tag selbst zu sehr, um ihre Richtung betreffs , der Juden zweifelhaft, zu lassen. Dennoch überraschten zwei Aeußerungen, die in diesen Tagen bekannt geworden. Die eine stammt, so versichert wenigstens das „Kreisblatt für die Insel Rügen" auf Grund einer Deputation , die ihre Aufwartung bei Herrn won Bismark- Schönhausen gemacht, ans dem Munde des Herrn Min i st e r p r ä s i d e n t e n selbst, und ging dahin, die schädlichen Wirkungen der Presse zu beklagen, da sie lediglich von Juden und Menschen, die ihre Carriöre verfehlt hätten, regiert würde. Ob die Redacteure und Correspondenten der preußischen Presse zu der zweiten Kate-, gorie von. .Menschen gehören, mögen sie selbst beantworten. Was. aber die Juden betrifft, so wäre der Ausspruch, wenn er wirklich gesprochen worden, geradezu eine Unwahrheit, die dem höchsten Staatsbeamten einer Großmacht selbst in der Hitze einer Ansprache nicht ent-

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