Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-02 · Heft 49 (2.12.1862) · p. Seite 713

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 49 (2.12.1862)
Date
1862-12-02
Page
Seite 713 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226360--20825-3249914
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

dev. AriestMadt, sowie, seine Unterredung mit idery Priester'. Ahimelech zwar berichtet, aber der weitere Verlauf/ den.<dieses -i Ereigniß genommen, 'die Verleumdung des Döeg, die grausame Hinrichtung! der Priester rc. übergangen,, 'und ' doch würde er viele lehrreiche, warnende und ermunternde Züge , darbieten. Die Frage, welche Saul 7./!an>seiuen Dieri'er richtet: „Wird euch Allen der Sohn Jsai's Aecker und Weinberge geben rc., daß"ihr"euch Alle verbunden habt wider mich? rc.","'läßt einen Blick werfen in sein von Argwöhn' und Mißtrauen zerrissenes Gemüth. Warnung vor einem solchen Zustande, — Per grausame Befehl, den Saul ertheilt, Ahimelech und die Priester zu tödten, ungeachtet Ersterer seine Unschuld auf eine ganz einleuchtende Weise betheuert und Letztere beim ganzen Vorgänge gewiß unschuldig waren, zeigt uns deN Aufgebrachten, Jähzornigen und Leidenschaftlichen, wie er mordet ohne Untersuchung.und ohne vernünftigen Vorstellungen Gehör zu geben. Warnung: nie im Zorne, in heftiger Gemütsbewegung, in Leidenschaft zw! Händeln, man zerstört sonst eigenes und fremdes Glück — Ein abschreckendes Beispiel der VerleumdÄr^ bietet.:^nÄ'D^eg?ist um fo>nöthiger, daß Kinder mit Abscheu vor der Schändlichkeit dieses Lasters erfüllt werden,,.als sich im .Leben ähnliche Doegs finden, die aus Neid, Ehrgeiz und Selbstsucht unschuldige Menschen bei deren Vorgesetzten verleumden, um sich als treue Diener anzuschmeicheln, Vortheile zu erringen. . Ein .ermunterndes Beispiel giebt uns David (V. 23). Lchame dich nicht zu bekennen, wenn du gefehlt hast, und zen ähre'beseligende Kraft , schon oft empfunden; sein Wort kommt aus dem Herzen und geht wieder zum Herzen. Für -seinen Zweck ist als Predigttext ausreichend ein einfacher, kraftvoller, gedankenreicher Bibelspruch. .Um Mißdeutungen zu verhüten, werde hier ängemerkt, daß ich mit der. Bekämpfung einer falschen, den wahren Zweck der Predigt aus den Augen verlierenden Ansicht nichtim Entferntesten die Absicht verbinde, die Anhänger:agadischer .^exte unedler Motive zu zeihen. — Auchläßt sich nichts dagegen sagen, wenn, nachdem die Predigt an einen .Bibeltext angeknüpft, am schicklichen Orte.. .der Redner eine . agadische Stelle.' einfließen .läßt, die zur-Erläuterung oder auch zum Beweise dienen soll, daß mansch ou in - grauer Vorzeit ebenso , wie er gedacht hat; nur darf ihre Auslegung nicht zu gekünstelt; spitzfindig oderhmch allzugroße Beschäftigung: des Erkenntnißvermögens der Zuhörer der Erbaulichkeit Abbruch thun.; Mm besten, dürfte sich jedoch die Verarbeitung der Agada zu den. discursivenBelehrungen in Vereinen (mian) eignen.^^. es,:, soweit/ es •-möglich)., wieded-gut, zuj machen/ -^7; :Jn derselben. „ Biblischen Geschichte “■ wird in der' Erzähl lung : Davidzu Kegila' l l/'Buch Sam. Cap. 23.) die Frage, welche David an Gott richtet, ob dein? Herannahen Sauls die Einwohner von Kegila ihd, ..nLmüch David, dem. Saul ausliefern werden, übergangen; und doch ist ihre. Beantwortung in einer Hinsicht wichtig, indem sie in jeder biblischen Dogmatckäls Beweisstelle angeführt wird,, daß sich Gottes Allwissenheit nicht blos auf das Wirkliche, sondern auch aus das Mögliche -erstrecke. Ebenso könnte der gewandte Leser von der erfolgten Antwort, die Einwohner von Kegila würden. David, -ihren Befreier und Retter, ausliefern, Notiz nehmen, um die Schändlichkeit des Undankes darzuthun, indem er ein Zeichen eines verdorbenen Gemüthes ist, den Wohlthäügkeitssinn vermindert und zum Ündanke gegen den unsichtbaren Wohlthäter, gegen Gott, führt.' . ' An merk. d. Corresp. zu Seite 662 Zeile 17 von unten in No. 46/ ' Absichtlich > habe ich hier das Prädicat „theologisch" gebraucht, weil es einen Rationalismus giebt, welcher der, Philosophie .angehört und dasjenige, System bezeichnet,, das, dem Empirismus entgegengesetzt, hie Möglichkeit. reiner, von der. Erfahrung unabhängigen Erkenntnisse a priori behauptet. Den theologischen Rationalismus anlangend, so ließ er noch immerhin eine göttliche Einwirkung, Eingebung, Erleuchtung, Inspiration gelten; allein er beschränkte sie ungefähr dahin: der Geist Gottes habe, die Verfasser derb Wischen Bücher vor Jrrthümern bewahrt,: aber nur .in Sachen der Religion,: in allen übrigen Dingen .seien, sie wie andere Menschen dem Jrrthume unterworfen gewesen, und selbst. in Sachen der Religion hätten!sie Vieles ausgenommen, . was in der Anschauung ihres. Zeitalters seinen Ursprung Hatte,. Der Vernunft (ralio) stehe demzufolge das Recht zu,, nicht blos die!biblischen Hrkunden. kritisch 'zu-'.«Utersuchen^sordern auch zu prüfen und zu scheiden, das der Religion Angehörige .von Dem, was ihr nicht angehört,. sowie .das in der damaligen Anschauung Gegründete von Dem, was ewig gilt. — ...,v. ........Es ist leicht ersichtlich, auf was für.Minimum der Rationalismus. das Geoffenbarte zusammengeschrumpft, wie schwankend selbst dieses Minimum noch war, wie nahe er an den Naturalismus angrenzte und wie-leicht er - insonders? das Volk zu diesem hinüberleiten mußte, das, an scharfsinnige Distinctionen -nicht gewöhnt, anstatt: den beengten Begriff der Inspiration in feinen Geist, aufzunehmen, .lieber denselben ganz aufgab; —: Im Judenthume, wo der Rationalismus seit mehreren . Decennien: Eingang/gefunden,, müßte er geradezu, ml den Naturalismus-, .Umschlägen-; denn jenes außerordentliche und übemajürliche MoMnt,y. welches er im Protepan-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.