Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1862)
- Date
- 1862-12-02
- Page
- Seite 712 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sammenhang zst.unterbrachen,/ :M unwichtige zu übergehen; denn - abgesehen chavpn-. daß. oft /.eiW Neheyereigniß auf den -Gang der /Geschichte einen .mächtigen Einfluß üLt, so hatja derUnterricht in der biblischen Geschichte außer dem nächsten Ziele:- Aneignung des historischen Dieser Lietet ihm ja .die, .bestimmte - Veranlassung, - Dicht blösim Werg ange. seinen, Inhalt zu. erklären.und wendbar'zu machen, sondern auch da, wo es angeht, selbst einige Häuptpünkte der Predigt aus ihm zu entwickeln, wenigstens oft und vonverschiedenen Seiten auf einzelne Worte, und Ausdrücke desselben.zurückzukommen. Und was kann den Zuhörer besser überzeugen, daß der Prediger, die Bibel als die Richtschnur' seines Glaubens und. Lehrens und' als die Quelle seiner Vorträge betrachtet, als wenn er ihn einen Spruch oder Abschnitt daraus seinem Vortrage zu Grunde legen sieht? Anders verhält es sich aber, wenn der Prediger seinem Vortrage einen Text aus der Agada zu Grunde legt. Dieser vermag nicht, wie der,biblische, demselben eine göttliche Weihe und Heiligkeit zu verleihen. Die Quelle der Agada ist.nicht der sich auf außerordentliche Weise geöfftnbarte Gottesgeist der Bibel, sondern der einer morgenländischen Zeitrichiüng huldigende Menscheugeist. In. der Agada, es läßt sich nicht läugnen,.. ist manches edle Samenkorn ausgestreut, mancher schöne . Gedanke ist da .in ein treffendes. Gletchnist gehüllt; aber ebenso wenig läßt sich verkennen/ daß sie voll ist von Irrthümern aller Art, vom Glauben an den Einfluß von Dämonen, von Wundermärchen, , von symbolischen Schriftdeuteleien rc.^ Wir wissen es aus unserer -Jugendzeit,, selbst die orthodoxesten Rabbiner pflegten die, hin und. wieder inder. Halacha sich .vorfindenden kleineren oder, größeren agadischen, Sprüche und.Abschnitte, -als, einen Ausfluß individueller, oft nicht ernst gemeinter Äewßerungen der Talmudisten, als außerhalb der Tradition sich Besindendes, daher. Ungöttliches, heiihren Lehrvorträgen .zu übergehen. Das Iudenthum, hat, der Agada nie ein göttliches Ansehen vindicirt. Mürbe, demnach das Verfahren mancher moderner Rabbiner.und Prediger, sihren Kanzelreden agadische statt biblische Texte, zu Grunde zu legen,. mehr in Gebrauch kommen, und von ihnenwenigstens dem Anscheine nach, in ihrer öffentlichen und wichtigsten Amtsthätigkeit die Agada in eine gleiche. Kategorie mit der Bibel gesetzt werden, so könnte leicht die Folge, sein, daß, eben dadurch die Bibel selbst ihr göttliches Ansehen belm Volke verlöre, indem sie von diesemgleich der Agada, als das bloße Erzeugniß des Menschengeistes und nicht als das untrügliche Wort Gottes gehalten würde, - was doch wohl von keinem.Kanzelredner möchte beabsichtigt werden.. .;;1 ■ : Ueberdsts wird eine. an einen Bibeltext geknüpfte, Predigt auch behaltbWr für die Zuhörer; denn .die meist bekannte Bibelstelle dient zum Leitfaden Md Erinnerungszeichen für die Hauptpunkte der, Predigt. Und wenn auch das in den Zuhörern zu weckende sittliche und religiöse StpffeH und Inhalts / / noch andere ZielL -airzustreberU- Geist;.upd) Herz sollen-durch ihn vielseitig gebildet wer-' denund j dazu - bietet gerade manches < Nebenereigniß i die^ passendste Veranlassung. So. z. B. wird : in einer mirvorliegenden „Biblischen Geschichtet (1. B^. Sqm. Cap. 21) die Ankunft des vor Saul Wehenden David zu Mob/ Leben nicht aus, dem Behalten der einzelnen Punkte der? Predigt, sondern mehr auf. dem Totaleindrucke des Ganzen beruht, so muß aber 'ftlbstbiesA Totälemvruck durch. ba8; Behalten eines kraftvöllen, gebankenreichen ’ Bibeltextes sehr, gefördert werden^ . a / •” . ,Me in . neuerer Zeit hie und--da austauchendeiAnsicht,' die agadischen .Texte enthielten gewöhnlich - etwas Neues/Seltsames, Ueberraschendes, Frappantes, /spann--! im' daher die Aufmerksamkeit der Zuhörer"aus einen hohen Grad; ferner: eine scharfsinnige Auseinandersetzung und Auslegung der' oft dunkeln, Mhselhafken Nergleichüngen und. Gleichnisse der - agadischen. Texte. hätten für das jüdische; Öhr einen. besondern -Reiz und >Zauber fA würde leicht mit Ruhm und Beifall gekrönt— diese Ansicht, deren Wahrheit noch problematisch ist, kann doch meines Erachtens nur für eine solche Classe von Predigern maßgebend und bestimmend fern, du bei Ausübung der Kanzelberedtsamkeit kein and.erzs Ziel im, Augo MabWMd anstreben', als' den Beifall der so /E urch'Mjrnfähigen Menge zu erlangen, deren/heiliger Rednerbexus im!Dienste niederer -Selbstsuchtsteht. /Ihnen geüützi es/' wenn sie nur: verstanden haben/ der Lieblingsneigung der Zuhörer irgendwie zu schmeicheln, ein. gefälliges Spiel der. Phantasie zu erwecken und eigen dialekLisch-trügerifchm Schein der Gelehrsamkeit, des, Ties- und Scharfsinnes für, sich ' zü gewinnen? Der' pflichttreue, würdige Kanzelredner jedoch setzt sich ein anderes Ziel.' Sein Ziöl'ist und'bleibt das Ideal vollendeter Menschheit (die chöchste''Frömmigkeit, Sittlichkeit:und Glückseligkeit).- Selbst von dem Streben, diesem Ideale immer näher zu kommen, , ganz erfülltsucht .er die Zuhörer für/ein' gleiches, , erhabenes Streben zu begeistern und zu gewinnen. Er'sieht nur dann den Zweck seiner kanzelrednerischen Thätigkeit erfüllt uüh empfindet nur dann volle Befriedigung, wenn es ihm gelungen ist, durch Darstellung seines eigenen inneren sittlichen und religiösen Lebens so auf die Gemüther gewirkt zu haben, daß, sie ihre Bestrebungen münden seinigen zu derselben heiligen, in lebendiger That sich aussprechenden Richtung aus Pas Ewige und ..Göttliche vereinigen. - Er sucht''zwar seiner DärsteÜüü^eine^wöhlgeMige FöÄ zü geben, verschmäht es aber-!.jene/Witzspiele der Phantasie hereinzuziehen und der oft^verporbenen Geschmacksxichtnng der Zuhörer' zw Mlditzeä. ' Er ^oedars dessen! nicht.' Die Wahrheit; die er als -sW'''iriWefle''Ueber'M8ung mit Begeisterung ausspricht, birgt in sich eine Alles besiegende Macht; die Gesinnungs- und Handlungsweise, zu der er' auffördert, ist mit-seinem eigenen Weftn-zu einer Einheit verschmolzen, er hat an seinem eigenem Her--