Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1862)
- Date
- 1862-12-02
- Page
- Seite 707 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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707 Zunzischen Übersetzung zusammentraf, und die Bibelwerke von Philippson und. Herxheimer bald darauf folgten, -hat sie keine weitere Verbreitung gesunden, was auch wohl darin seinen Grund hat, daß sie noch zu sehr in der Mendelssohn'schen Weise mehr paraphrastisch als getreu überträgt. — Einer Jugendschrist Salomon's, die.zu ihrer Zeit wohlgefiel, wollen wir hier noch erwähnen: „Selima, Stunden der Weihe." Auch ein.unter dem Namen Saalberg herausgegebcnes belletristisches Sammelwerk: „Teutonia", fand vielen Anklang.— An den Rabbinerversammlungen zu Braunschweig uyd Breslau nahm er thätigen Antheil. — So hat Salomon ein reiches und gesegnetes Leben geführt, und seine Bedeutung für eine Übergangsperiode des Judenthums wird von der Nachwelt mehr gewürdigt werden, wenn sie auch augenblicklich durch ein sich selbst überschätzendes Geschlecht verkannt wird. Als Mensch war der Verstorbene so wenig wie wir Alle von gewissen Schwächen frei; wenn aber ^in Wohlthätigkeitssinn, den er in Unermüdlicher Meise bethätigte, als eine Tugend, so ist seine persönliche Liebenswürdigkeit als ein Vorzug hervorzuheben) dürch welchen er zu einer Zeit zur Hebung. des Judenthums beitrug, wo hierüber bei den gebildeten Juden in Betracht der jüdischen Masse selbst noch viele Vorurtheile gang und gäbe waren. Sei uns daher das Andenken des Verewigten ein geehrtes! - vr. L. P. Preußen.' Oppeln, 17. November. (Privatmitth.) Obgleich jeder denkende und fühlende Israelit auf der einen Seite mit Betrübniß wahrnimmt, daß die Religionsübungen bei einem großen Theile unserer Glaubensgenossen vernachlässigt werden, daß namentlich bei der Jugend Gleichgültigkeit und Lauheit gegen dieselben zunehmen müssen, da durch den frühen Besuch von christlichen Schulanstalten die Kenntniß des Hebräischen bei derselben immer mehr abnimmt, so ist doch auf der andern Seite nicht zu verkennen, daß das Judenthum durch feine unversiegbare geistige Kraft und die neuen Institutionen, die es sich geschaffen, einen Aufschwung zum Bessern nimmt. Ws beweisen unter andern Erscheinungen die in jüngerer Zeit, bisweilen vorgekommenen Conversionen zum Judenthume. Wir haben Ihnen auch von einer solchen in unserer Mitte zu berichten. Ein früherer Oekonom, Sohn eines evangelischen Geistlichen, Namens Schreiner, ein Mann von einigen 20 Jahren, trat seit 2 Jahren als Bureaü-Assistent beim hiesigen Kreisgerichte ein. Sein'Wohlverhalten und Fleiß haben ihm die vollkommene Zufriedenheit seines Chefs erworben. Im Frühling dieses Jahres gab er dem hiesigen Rabbiner seinen Wunsch zu erkennen, in die jüdische Gemeinschaft ausgenommen zu werden. Dieser belehrte ihn, wie gerade nach den Grundsätzen des Judaismus auch die Bekenner anderer Religionen, die sich eines sittlich moralischen Lebenswandels befleißigen,' des ewigen Lebens theilhaftig seien. Es wiederholten sich die Unterredungen; der p. Schreiner zeigte sich beharrlich in seinem Entschlüsse. Auch der Unterzeichnete verfehlte nicht, ihm das Bedenkliche des Schrittes, den er zu thun im Begriff stehe, von allen Seiten zu beleuchten. Sch. ließ sich nicht abweisen und begab' sich nach Berlin. Dort hat derselbe durch 4 Monate ein wahres Märthrerthum bestehen müssen; er hatte mit Mangel, Roth und Elend jeglicher Art zu kämpfen; er mußte Alles, was er besaß, — seine Kleidungsstücke veräußern, dazu wurden von ßepMeistlichkeit Versuche angestellt, ihn in den Schooß MMrche zurückzuführen. Sch. hat den schweren Prüfungen glücklich widerstanden und ist, nachdem er im vorigen Monat in den Bund Israels ausgenommen wurde,' in unsere Stadt zurückgekehrt. Unsere Gemeinde, die nicht der Bekehrungssucht, wohl aber den Werken der Mildthätigkeit Freund ist, hat sich gegen Schreiner sehr edelmüthig bewiesen. Sie ist im Wiederholen des Wohlthuns an demselben nicht ermüdet. Doch kann Sch., wie sich das leicht denken läßt) hier nicht länger verweilen. Und wenn selbst das Kreisgericht so humün wäre, ihn noch ferner in seinem Amte zu belassen, so wäre doch die Feier des Sabbaths, welche der p. Schreiner heilig halten will, ihm daran hinderlich. Er ist daher heute nach Gleiwitz übergesiedelt, woselbst er vielleicht bei einem Unserer Glaubensgenossen eine Stellung als Oekonom oder Buchhalter zu finden hofft. Diese Hoffnung ist jedoch nur sehr schwach; unsere Bitte geht an unsere Glaubensbrüder, dem p. Schreiner zu einer Stellung verhelfen und dem Unterzeichneten oder dem Rabbiner, Herrn vr. Hirschfeld in Gleiwitz, gefällige Nachricht davon geben zu wollen. M. M. Cohn. Desterreichischer Kaiserstaat. Aus Ungarn, im November. (Privatmitth.) Der „Magyar izraelita“ wird nicht ferner erscheinen. Die Unterdrückung des Blattes soll durch seine Artikel über