Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1862)
- Date
- 1862-12-02
- Page
- Seite 706 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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706 Len. Segen, und die Bewegung derZeitgufnehmen. und auf sich wirken lassen müsse. Die Sprache ist-vortrefflich, nobel und mannigfaltig. Hier und da möchte.es wünschenswerth sein, den Periodenbau etwas zu kürzen, um die Verständlichkeit für den H örer zu erleichtern. Wir begreifen, sehr wohl, daß diese Predigt einen ungewöhnlichen. Eindruck machen mußte. — In dem uns soeben, zugekommenen Novemberheft des. „Sinai" erklärt der Herausgeber, Herr Dr. David E i n h o r n<in Philadelphia,. daß diese Zeitschrift mit, Ende..dieses Jahres M. erscheinen aufhören, werde. Wir. bedauern dies aufrichtig, da , diese Monatsschrift, viel Treffliches enthielt. — Angekommen: Amours et plasph&mes, par Alexandre Weil!; Bruxelles et Leipsjc. 1862. Wir werden auf diese-, Schrift, die Aufsehen erregt hat , zurückkommen. ZeitAngsnachrichte». Deutschland. Speyer, 15. November. Heute feierte Hr. Schloß, Lehrer der hiesigen israelitischen Schule, sein, sünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Es wurde von vielen Theilnehmenden, von Schülern, Freunden, und Collegen des verdienten Mayn.es als ein Fest begangen. Unter vielen Ehrengeschenken und Gratulationen heben wir den von .vielen Gemeindemitgliedern gewidmeten und von einer herzlichen ^Ansprache begleiteten silbernen Pokal, sowie die Deputation des.Lehrercollegiums und die am Abend dargebrachte Serenade hervor. Möge Herr Schloß noch viele Jahre der kräftigsten Wirksamkeit und des Familienglückes erleben! ... Bonn, 20. November. (Privatmitth.) Wir haben in voriger No. den Tod des Predigers vr. Gotthold Salomon zu melden gehabt. Obgleich wir die Materialien zu einer ausführlichen biographischen Skizze nicht vorliegen haben, so drängt es uns doch, dem verehrten Todten einige Worte der Erinnerung zu widmen, um so mehr, da auch einige persönliche Beziehungen, wenigstens aus stüherer Zeit, uns ihm verbanden. Er war zu Sandersleben in Anhalt-Dessau (wenn wir nicht irren, 1784), einem Städtchen, in welchem auch Salomon's Vorgänger in der jüdischen Homiletik, I. Wolfs, Prediger zu Dessau und Moses Philippson, der Vater des Schreibers dieser Zeilen,. das Licht - erblickt: hatten. Als Jüngling ging Salomon nach Dessau, bildete sich hier zu einem tüch^ Ligen Gelehrten aus, ohne Gymnasial- und Universitätscarriere gemacht zu haben. Er wurde »als Lehrer an der Franzschule angeftellt,' und wir wissen uns aus den ersten Schuljahren noch der-großen Verehrung zu erinnern, die er beiden Schülern genoß. -1 Nicht weniger zeichnete er sich daselbst schon durchseine geselligen Talente aus , die ihm viele Kreise erschlossen. Mit Moses Philippson, Wolff, Neumann gab - er die biuristische Bearbeitung der zwölf Keinen Propheten; welche, der Erstere edirte, heraus; Mit Wolff schrieb er: „Charakter, des Judenthums" als - eine Gegenschrift wider die, Professoren R ü h s ■ und Fr i e s, und nach dem Tode Philipp son's verfaßte er dessen Biographie, die freilich durch die Jean-Paulisirende Schreibart und die Mangelhaftigkeit der damaligen geschichtlichen Auffassung den Mann weniger zu zeichnen vermochte, dessen Lehen sie zum Gegenstände hatte. Im Jahre 1820 erhielt erl die Stelle als- Predigen am Hamburger Tempel, neben Kley, und hiermit begann seine-eigentliche Wirksamkeit,- durch welche er mit nachhaltigstem- Erfolge auf-das yeuere JudeNthum Einfluß übte. Denn er war es, welcher die jüdische Predigt in schnellem Aufschwung zu einer mustergültigen Entwickelung brachte und sie zugleich durch Originalität, durch eigenthümliche Behandlung der Schristtexte unter Benutzung von Sentenzen-aus Midrasch und Talmud vor einer knechtischen Nachahmung der protestantischen Predigt bewahrte: Der Boden, auf welchem seine Predigt sich am liebsten bewegte, war der der Familie, womit er einen Nerv des jüdischen Lebens berührtem Die Erhebung der jüdischen Predigt auf die Höhe des -weltgeschichtlichen Berufes des Judenthums war der nächsten'Zeit nach Salomon's Auftreten Vorbehalten. Mit Recht wird er daher als der Vater der neuern jüdischen Homiletik * gefeiert und anerkannt bleiben. — Eine besondere Foree hatte er in der Polemik; lebendige Sprache,' Humor und Satyre und große Gewandtheit machten ihn hierzu vorzüglich geschickt. Er bewährte diese Kraft in den zweimaligen Streitkämpfen des Hamburger Tempels, ganz besonders in dem siegreich durchgeführten Streite wider Hartmann, weniger glücklich gegen Bruno Bauer. Außer den vielen gedruckten Predigten, von denen-einige fortlaufende Exegesen über das Leben von Schrift- Heroen, wie Moses, David,- enthalten, ist seine Bibel- . Übersetzung hervorzuheben. Dadurch, daß ' sie mit -der