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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-02 · Heft 49 (2.12.1862) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 49 (2.12.1862)
Date
1862-12-02
Page
Seite 702 (sequence 2)
Language
German
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702 ■-/ - S || 7 m denselben mit allerhand Flitter» aufgeputzt, galvanisirt und der Welt einreden will, der Moder sei Leben. Ein ungeheurer Umschwung der Ansichten und Verhältnisse bereitet sich; vor^ Alles ist - äuf^^lle^Ziele und Zwecke gerichtet. ~ Die Menschen glauben, hoffen, lieben und wollen nichts mehr, als was sich verwerthen, zählen, wägen läßt und Interessen, reale, greifbare Interessen' trägt. Das Nützliche,, nur dasz Nützliche/ imm.erynd.. überall das Nützliche,'—"das i^S- 'was'üttsreMik'will und mit ungeheurer Arbeit erstrebt. Niemals ist so ge-, arbeitet worden, wie jetzt gearbeitet wird, und wo Arbeit ist, da ist Leben, Bewegung, Zukunft/ Ja, Zukunft, und zwar eine solche, welche dem Nützlichen auch wieder das Schöne gesellen wird. Mag es scheinen, ja mag es Wirklichkeit sein, daß unsere Zeit nur noch an. den schwarzen Höllengott Mammon glaubt, die lichten , Götter der Freiheit und Freude, der Schönheit und Menschlichkeit sind darum nicht lobt. Sie harren nur, wie so oft schon in wildgährenden Uebergangsperioden, auch jetzt wieder ihrer Zeit. .Die reale Arbeit des 19. Jahrhunderts bereitet den Boden, aus welchem im zwanzigsten ideale Samen ausgestrmt werden und fröhlich gedeihen. können....r ' Sprechen wir, hieran anknüpfend, unsere Gedanken darüber aus. Wir haben schon in der Einleitung zu unseren Vorlesungen: „Ueber die Resultate in der Weltgeschichte" (Leipzig, Baumgärtner 1860) uns mit der Ansicht über die rein materialistische Richtung unserer .Zeit nicht einverstanden -erklärt. Wir sagten: „Vielmehr ist der Charakter unserer Zeit und. ihre ganze Tendenz: das Materielle geistig aufzufassen, es geistig zu durchdringen und zum Träger und Werkzeug des Geistigen zu machen" — und glauben dort für diesen Satz aus den verschiedenen Gebieten der menschlichen Thätigkeit genügende Beweise herangebracht zu haben. Blicken wir nun in die Geschichte der Jahrtausende zurück , so gewahren wir, daß zu aller Zeit die beiden, in der Natur des Menschen liegenden Momente des Materiellen und des Idealen , vorhanden gewesen, die höchste Anstrengung beanspruchten, eine gewichtige Entwickelung. nahmen und miteinander in vollem Kampfe . standen. Das Materielle, ist die Unterlage unserer leiblichen Existenz, die Befriedigung aller unserer sinnlichen Bedürfnisse und Triebe, und da nun der Mensch diese nur wenig aus, der rohen Hand der Natur für sich gebrauchen ... kann, vielmehr den Boden, und. feine Erzeugnisse zur Verwendung für sich künstlich bearbeiten muß, und auch hierin die Tendenz hat, sich immer mehr auszudehnen, seine Bedürfnisse zu erweitern,^ bildet!-und zu vepsehlerrMso ist^hierauß^ das^- gÄßG»Wbäühe v bet menEAch^ ÄndustriAmstKArE vrelAs^in^umrWßliche Arbeit, eine beständige Fürsorge, ein nimmer rastendes Streben in Anspruch nimmt. Ebenso sehr ist aber -im Menschen das Ideale begründet, der Drang, das Wessen der Dinge/zu ersitssey^d^ einwohnendert Gesetze und' "Ge^änken^ zu erforschen, seine eigene Natur als eine über das sinnliche Reich hinausragende, von diesem verschiedene und höhere zu erkennest/ demnach ein Reich des Uebersinnlichen anzuerkennen, dem sein Geist in diesem wie in einem jenseitigen Leben angehöre; selbst das Berhältniß der menschlichen Individuen zu.einander ließ sich durchaus nicht auf.dem nackten Boden des bloßen Austausches, des Erwerbes und Genusses aufbüuen, zeigte sich vielmehr immer unhaltbarer, wenn man es allein, dem rohen Egoismus unterthan machen, aus ihm erklären und auf ihn beschränken wollte. Vielmehr mußte maji diesen, in den natürlichen Kreisen der übrigen Erdschöpfung allein waltenden Egoismus für den Menschen als unzureichend erkennen und diesem eine Sittlichkeit zuschreiben, welche den Forderungen -des Rechtes und der Liebe als'unabweisbaren Elementen des menschlichen Wesens Genüge thun. In dem Gange der Entwickelung lag es nun, daß diese beiden Richtungen mächtig anwuchsen, daß sie in ihrer Nothwendigkeit jede ihren eigenen Werth für den Menschen als vorherrschend und überwiegend ansahen, daß sie sich die Thätigkeit und Würdigung der Menschen einander bestritten, und daßgerade darum iw den verschiedenen Zeitaltern bald die eine, bald die andere Richtung äußerlich wie innerlich die.Obherrschaft innerhalb der Anschauung und Thätigkeit der.Menschen gewann. Der einseitige Idealismus verkannte, daß er, losgerissen vom Realen, ohne Kenntniß undVerständniß desselben sich steuer - und segellos in der, Luft umherbewege, und daß dadurch seine Gebilde immer, zu regellosen Auswuchsen entarteten; er sah nicht ein, daß in der Beschäftigung mit dem Materiellen eine große Uebung des Geistes, eine mannigfache. Entfaltung desselben, liege, und daß daher der Geist sein Wachsthum zumeist der Entwickelung des Materiellen verdanke. Ganz dasselbe verkannte auch die materielle Richtung; sie sah nicht ein, daß in ihr der Geist immerfort thätig sei, daß er allein ihre Arbeiten nicht blos fördere, sondern auch veredle und zur höchsten Blüthe bringe, daß er aber dies nicht vermöge, wenn

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