Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1862)
- Date
- 1862-11-25
- Page
- Seite 689 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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rsickkehrte unh, sich . gewaltige Eingriffe. in die . Rechte - des - angestellten Rabbiners erlaubte. . Es entstanden,- bischerlen daraus in den .Geuttinden die bittersten Kämpfe, wovon uns z. B. .die Rechtsgutachten des R. Jakob Weil und R. Jizchak Brünn Po. 127 und ,181 viele Exem-' pel aufbewahrt haben. Manche Rahbinen waren darum: schon seit längerer Zeit ihre wohlbekannte Thätigkeit geübt, ist in letzter Zeit noch ein Witzblatt an die Seite gestellt worden, in der ausgesprochenen Absicht, dem zersetzenden demokratischen Gifte des Kladderadatsch gegenüber als Gegengift.zuwirken, und wenn ein mehr heftiges als anständiges,Schimpfen auf Kreisrichter und Juden einen gerechten Anfpxuch auf., die Bezeichnung „Witz" Hätte, so dürste der „Kleine Reactionär" allerdings. dem älteren Vorbild bald ein -gefährlicher Concurrent werden. Vor der Hand darf indeß der Kladderadatsch'ohne Sorge sein, denn das literarische Lager, aus welchem der -,Kleine Reactionär" in die Welt gesendet wird, besteht zum allergrößten Theile aus dem Bodensatz einer abgefallenen Demokratie und aus talentvollen, aber verkommenen Literaten, und das sind nicht die-rechten Elemente, um ein Witzblatt , zu halten und zu heben. In einem Feuilleton der Weserzeitung , das mit M. R. unterzeichnet ist und von gut unterrichteter Stelle zu kommen scheint, finden wir pikante Mittheilungen über diese Literatenfraction, zu welcher die frühere „Hippelfche Couleur" das Haüptcontingent lieferte. In der Zeit kurz vor der Revolution von 1848 fanden sich in der Weinstube von Hippel in der .Dorotheenstraße zu Berlin eine Anzahl junger, geistreicher Leute zusammen , meist absolute Hegelianer von der äußersten Linken, an ihrer Spitze das wohlbekannte Bruderpaar Bruno und Edgar Bauer. Mben diesen sah man noch den originellen Saint-Paul, der früher Censor gewesen, .später in Schleswig als Freiwilliger kämpfte und zuletzt kläglich endete,.. ein. großes Talent mit hinreißender Beredtsanikeit und wahrhaft, kaustischem j Witz; Max Stirner, der in seinem Buche: „Der Ein-i zige und fein Eigenthum" mit bedeutender Dialektik und Sophistik! den krassesten Egoismus lehrte; L uVöj i g Buhl, der liberale Broschüren schrieb und später von seinen „Ideen" lebte, d. h. von literarischen Speculationen, die er verschiedenen Buchhändlern in versiegelten Couverts überreichte Und für die er, ehe sie dieselben erbrechen durften, ein angemessenes Honorar forderte; den Revolutions-Chronisten Wolf, zum Unterschied von andern Wölfen der Casematten-Wolf geheißen, weil er sich' hauptsächlich mit Schilderung , des socialen. Elends der ärmern Volksclaffen und ihrer traurigen Wohnungen in' Kellern, Casematten rc. beschäftigte; endlich den früheren Ärtlllerieofficier B u s ch b e ck, einen fleißigen Militärschriststeller. Um diesen eigentlichen Kern schaarten sich noch eine Menge andere., mehr oder minder -bekannte Schriftsteller, junge Kaufleute, Assessoren- Bummler: aus allen Ständen, angezogen von der geistreichen. Unterhalt-' auch vorsichtig, und machten es den von ihnen; graduirten Schülern . zur Pflicht,- die: Rechte/ der . angestellten Rabbinen zu wahren und sich nicht dergeringsten Functionen, welche - denselben zukommen, anzumaßen. - Siehe Rechtsgutachten des R. I. Brünn No. 127, wo von R. Israel. Marpurg erzählt wird, daß er zwei Schülern tung und dem freien Tone der Gesellschaft, und auch das weibliche Geschlecht' war durch Frau Louise Aston, die famose Rittmeisterin ' Lehmann und andere emancipirte Damen vertreten. - - „Die meisten dieser jungen Hegelianer gehörten zu der vormärzlichen Opposition.. und standen in religiöser und politischer Beziehung auf der äußersten Linken. Indem sie auf alle Verhältnisse des Lebens die absolute Kritik anwendeten, gelangten sie zu jenem frivolen Nihilismus, der mit souveräner Weltverachtung und Hochmuth Alles für Koth und Schmutz erklärt. In den Augen dieses Leute. war her.geistreiche David.Strauß ein bornirter Orthodoxe, der freisinnige Präsident von.Schön in Königsberg ein lächerlicher Reactionär. In frechster Weise sprachen sie jedem sittlichen Begriffe Hohn, verspotteten sie - Tugend, Austano und Religion durch Wort und That, Diese Berlin er -Encyclopädisten. verhielten -sich zu ihren Pariser Originalen wie gewöhnlicher. Fusel zu perlendem Champagner. Sie waren Gamins, welche in der "Kneipe Voltaire und Diderot spielten, im Rausche Gott und alle Heiligen abfetzten und mit ihren verwegenen Blasphemien Aufsehen erregen wollten; die faulen Früchte einer sich überlebt habenden Philosophie,-Sophisten, die ihre athenischen Vorbilder an.dialektischer Fertigkeit und Kühnheit noch übertrafen, moderne Atheisten, die den Gott in der Geschichte läugneten und' zuletzt mit zerrüttetem Körper und verarmtem'Geiste verzweifelnd'vor dem öden „Nichts"- standen. *) Auch äußerlich setzten sich diese. Sophisten über alle Schranken hinweg , ..indem sie .einem-, oft humoristischen Chnismus huldigten. Nicht fetten redeten sie Abends Vorübergehende als travestirte Bettler folgendermaßen an: „Bitte, bitte um eine kleine Gabe! ich bin ein armer Mensch, der den ganzen Tag-noch keine Bowle, nicht einmal ein einziges Glas Champagner getrunken hat." Die Seltsamkeit und Ueberrafchung einer solch .ungewohnten Ansprache blieb .zuweilen nicht erfolglos. und trug ihnen mitunter: einige -Geldstücke .eindie in Hippel's Weinhalle unterallgemeinem Jubel verzehrt wurden. Unter Andern:, erzählt man, daß Max Stirner an feinem^ Hochzeitstage vergessen hatte, die: nothwendigen Trauringe zu besorgen- Im Augenblicke der Trauung, welche in seiner. Privatwohnung stattfand, als derPrediger von ihm die Ringe forderte, .zog der Bräutigam *-) Damals schrieb Brmto Bauer auch sein Libell gegen die Gleichstellungder Juden, und, .wenner,-der ertremste.Demagoge, jetzt für die Kreuzzeitungspartei schreibt, so ist er sich wenigstens' indiesem Punkte - konsequent -geblieben. <’ ■ Redaktion der Allg. Ztg. d. Zud»