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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-25 · Heft 48 (25.11.1862) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 48 (25.11.1862)
Date
1862-11-25
Page
Seite 687 (sequence 3)
Language
German
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' «87 und Pack.in das; c feindliche Lager getrieben und -halten ' sie darin fest. Die Judenin ihrer Gesammtheit sind eine Masse, in welcher die verschiedenartigsten . .Ansichten- und Richtungen so gut wie in jederanderenMasse vor- Händen sindgeweckt, und gepflegt werden können: Es -waralso und ist immerfort, ein großer Fehler ber Feu-. dalen, mit aller Macht an. der Beseitigung jedes Zwiespaltes unter den Juden zu arbeiten, jede Faser im In- - den zu verletzen und zu verwunden, ihr Recht,' ihre Ehre,; ihre ganze Existenz zu bedrohen und zu vernichten, statt' die Juden entweder ganz, was nicht gelungen wäre,-oder doch, einen großen Theil derselben an sich zu ziehen. Das System der Feudalen läuft darauf hinaus, das Volk in verschiedene Stände zu spalten und dann einen gegen denanderen zu gebrauchen und ' aufzuhetzen. - Es ist dies eine Consequenz des feudalen Staates überhaupt,-, der Beweis hierfür liegt aber auch in ihren Bestrebungen vor, den Handwerkerstand aus dem Volke herauszuschälen und ihn an sich zu fesseln. Die Art, wie sie nicht .alleindiesen - Stand, der zum Theil noch 4n den Traditionen alter.Vorrechte lebt, mit Verheißungen der abgestorbenen Zunftprivilegien an sich locken, sondern auch sich mit ihm amalgamixess und mit demokratischem Anstrich ihn sich gleichstellenzeigt, daß sie die bezeichnet^ Tendenz wohl zu verfolgen verstehen. Was hinderte sie also, ähnliche -Künste auch an den Juden zu probiren? Sie hätten, voraussichtlich einen gleichen Erfolg wie bei den Handwerkern gehabt, nämlich den Stand selbst zu zersplittern, einen Theil zu sich herüberzuziehen, während der andere Theil den, liberalen Gesinnungen getreu geblieben. Sie hätten Hierzu 'Handhaben genug auch be/ den-Juden gefunden, wenn sie ihnen nur in ihrem Feudalstaate eine gleiche Stellung mit den übrigen Ständen versprochen hätten. Man denke sich nur,' daß die Reaction von 48 an diesen Weg eingeschlagen, und die Kreuzzeitung mit ihren Trabanten ihre Verfolgung der Juden in allen Tonarten unterlassen hätte, und man wird unseren Bemerkungen Recht geben. Allein wir glauben 'an jene Energie, Jntelligenz und Beweglichkeit, der Juden in Preußen auf dem politischen.Gebiete gar nicht. - Man frage nur im Lager-her entschiedenen Demokraten nach, ob man daselbst mit den Juden so zufrieden ist, wie es die Feudalen glauben'machen' wollen,, ob man einer energischen Hingebung, einer ällseisigen'BÜhäsigüng Seitens - per Juden so sicher unp von ihr so-erbaut ist man . wird das, Gegentheil - vernehmen-- und-dieletzten Vorgänge in Hamburg haben einen thalsächlichen' Beweis dafür geliefert. , Die. F-eudalen'---schlagen• Nm'-emÄt^so' großen Lärm,-wenn ein Paar Juden'als Abgeordnete, Literaten, Vereinsmitglieder zcl sich bemerklich tnachen; sie können es noch immer nicht begreifen- oder stellen sich wenigstens so, als ob kein Jude es wagen dürfe, gegen sie, die Herren, aufzutreten und sich eine politische Aeußerung in Wort oder Thal erlauben dürfe. - Wenn also auch in den furchtbaren Judenhaß, welchen die Organe der feudalen Partei in maßlosester Weise darlegen, sich wohl etwas religiöser Fanatismus, etwas politisches Priucip und eine ziemliche Portion Aerger über das Hervortreten einzelner jüdischer Kräfte innerhalb ihres gegnerischen Lagers mischen, so sind dies doch nur Ingredienzen, welche den eigentlichen Stoff eines so massenhaften Wermuthstrankes nicht ausmachen können. Wie haben wir uns also dies zu erklären? Wir wollen unsere Leser nicht länger in Erwartung halten. Wir sagen es daher gerade aus: es war und ist nichts weiter, als— Speculatiön auf Judenhaß und Judenverachtung im deutschen Volke!.. . Wir wollen dies erweisen. Die Feudalen in. Preußen sind in der That tüchtige Spekulanten; sie sind zum Speculiren getrieben. Wer nur noch wenig hat, aber viel haben will, wo Möglich Alles, der muß speculiren. Er muß das Wenige, das er hat, aufs Spiel setzen, um viel oder Alles zu gewinnen. Dies macht den Industriellen zum Speculanten, dies macht auch den preußischen Feudalen zum Speculanten. Das Wesen der Speculatiön ist aber, zu thun, als ob er die Summe Dessen, was den Werth des Objectes, um den er fpeculirt, besitze. Wissen erst Alle, mit denen der Speculant fpeculirt, daß er im Grunde gar nichts besitzt, womit er fpeculirt,'; daß er nur' fpeculirt, weil er es nicht wirklich besitzt, so werden sie sich hüten, mit ihm zu speculiren, mit ihm ein Geschäft/ eine Allianz einzugehen. — In diesem Sinne ist die erste und vorzüglichste Speculatiön der Feudalen -— der Royälismus, das absolute „starke" Königthum. Sie speculiren mit der Treue für das unbedingte Königthum, mit der Hingebung für die absolute Krosse/mit deren Heiligkeit und Unverletzlichkeit. - Aber alles Dies ist nur Speculation, sie besitzen gar wenig oder gar nichts davon:" Die Geschichte beweist' dies,- und im Wesen des Feudalismus liegt es. Der feudale Staat,, wie er historisch bestanden, und wie er von den Feudalen erstrebt wird, ist das gerade Gegentheil vombabsoluten und „starken'Königthum". Die Feudalen wollen nur einen öbligarchischen Staat 48*

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