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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-25 · Heft 48 (25.11.1862) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 48 (25.11.1862)
Date
1862-11-25
Page
Seite 686 (sequence 2)
Language
German
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''E - .. . , W- ,v i » in M afö Anlehen und Zwangsanlehen erhüben. Das Volk, Bürger und Bauer, war selbst in Deutschland das erste Jahrtausend des Ehristenthums den Juden »freundlich''ge- > sinntgewährte ihnen willige Ruhestätte unter/sich und^ betraute sie sogar mit Aemtern und Ehren der Gemeinde. Nachdem aber behufs der Kreuzzüge ein fürchterlicher religiöser Fanatismus im Volke von den Priestern ange-' facht worden und dieser. zueiner^Höhe gesangte-vor der alle Andersgläubigen zu Theilnehmern derHl)lle,' zu auszurottender Ketzerbrut wurden, wurzelten Haß und Vorurtheil gegen die Juden im Volke und schlugen bei jeder Veranlaffung, die meist sehr geflissentlich hetbeigesührt wurde, in vernichtende Flammen aus. Damals waren es die Herren, wie wir sie aufführten, welche den Juden Schutz, wenn auch, schwer erkauften Schutz gewährten, ei-, nen Schutz, der, wenn auch von den Herren behufs einer Erpressung oder einer Schuldentilgung dann und wann unterbrochen, immer aber wieder ausgenommen wurde. Sie konnten die Juden nicht entbehren, und darum schützten sie diese. Um so begieriger werden wir nach den Motiven des; gegenwärtig umgekehrten Verhältnisses, wo das Volk in den meisten Ländern die Juden gern unter sich aufnimmt, sie willig gleichberechtigt sieht, bei allen Wahlen, die aus ihm selbst hervorgehen, berücksichtigt, die Partei der Herren dagegen alle Glieder des jüdischen Stammes mit einem unauslöschlichen Hasse betrachtet und verfolgt. Vorzugsweise ist dies in Preußen-der Fall/ und .unsere Bemerkungen beziehen sich im'Wesentlichen auf die. Zustände in diesem Landes Das Motiv, welches am nächsten zu liegen scheint, ist der religiöse Fanatismus. Aber trotzdem die Feudalen "und Pietisten einen Bund geschlossen, die Feudalen daher , sich gern einen kirchlich-frommen Anstrich-geben/ und die Pietisten die Vorrechte der Feudalen als unmittelbar aus dem Himmel stammend und von Gott selbst verordnet, ausgeben, ist ihnen der religiöse Fanatismus doch eine gar ferne Gegend. Denn es haben diese Männer in der Regel eine frivole Äugend hinter sich/ leben viel zu cabalierement und haben ihren irdischen Vottheil zu sehr im Auge, als daß sie eines religiösen Fanatismus fähig wären, der nur bei höchst concentrirter Kraft vorhanden sein kann; sie besitzen fürwahr die Energie des Geistes und Charakters nicht/ welche zum Fanatismus erforderlich ist, wie er denn in unserer Zeit höchstens in einigen wenigen Individuen möglich ist.- Der Fanatismus. geht aus einer tiefen Gluth der Seele, aus' einem zum Himmel auflodernden Feuer des Geistes hervordas' die schwächlichen Erben des Mittelalters, die kleinlichen Egoisten, sicherlich nicht in sich tragen. /Der^religiöse-Fanatismus' h.at gewiß dM geringsten^ AnthM - an Hrem Judenhasses so-viel siMäuch-Zaüs ihre ChristlichMtEPochen und den feudalen Staat,'wie sie ihn haben wollen/ den .christlichen nennen. Wenn aber nicht der religiöse Fanatismus, was bringt . sie denn fo sehr in Harnisch sgegew die ^Juden? Ist es etwa ein politisches Princip, sind die Feudalen etwa geborene politische Gegner der Juden und ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung?^ Doch nur zum Theil. Der Jude will nicht mehr als dem übrigen Volke gleichgestellt sein, er will nicht etwa über den Bürger und Bauer hinaus einebevorrechtete Stellung, ähnlich den Feudalen, einnehmen, sondern Bürger mit dem Bürger, Bauer mit dem Bauer sein. In einem feudalen Staate würde der Jude vollkommen seinen Platz 'da haben,, wo ihn der Bürger und-Bauer hat, nur eine abgesonderte und benachtheiligte Kaste würde er auch da nicht bilden wollen. Politisch finden also die Feudalen im Juden gar keine andere Opposition als im übrigen Theile des Volkes überhaupt, und sie hätten daher eigentlich nur so weit Grund, den Juden mit ihrem Haffe zu beantheilen, wie das übrige Volk. Es gilt die Emancipation des ganzen Volkes von aller feudalen Herrschaft, und darin ist die Emancipation der Juden nur ein Glied; die Juden sollten also in dem Hasse der Feudalen nur hinter dem Volke kommen, statt daß er jetzt das Volk hinter die Juden stellt. Also auch das politische Princip der Feudalen nöthigt sie zu keiner heftigeren Opposition gegen die Juden als Hegen das gesammte Volk. - <? Wenn also auch Dieses nicht, so wird man vielleicht sagen, daß die Energie, Intelligenz und Beweglichkeit der Juden,-die diese im Kampfe gegen die, Feudalen: bethätigen, sie zu besonderer Wuth gegen die Juden aufstachelt. Aber einen Augenblick jene vermeintlichen Eigenschaften der Juden als wahr und wirklich und im Kampfe gegen die Feudalen verwendet vorausgesetzt, so fordern die Feudalen sie durch ihre immerwährenden Jnvectiven und Verlästerungen ja erst heraus / die Reaktionäre haben es genügsam erfahren, daß ein ziemlicher Theil ö er Juden 'vom' Kaufmannsstande recht wohl befähigt und bereit sei, wenn sie es nicht zu sehr übertreiben,'mit'ihnen zu gehen; in den Jahren 1849 —55' schloffen 'sich/ trotz den Verketzerungen der Kreuzzeitung,'' trotz Wagener und CönsorteN'viele Juden den Reihen der Reäctiönare an. Die Feudalen Haben also selbst die Juden mit Sack

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