Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1862)
- Date
- 1862-11-18
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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675 lehrkräfte sind in der Anstatt selbst vorhanden, eine geborene Französin und eine geborene Engländerin, beide Damen an Wissen und Erziehungstalent vortrefflich; die deutschen Disciplinen lehrt in den unteren Classen die älteste Tochter Steines und in den oberen dieser selbst. Ebenso übernahm dieser den Religionsunterricht, insonders den confessionell jüdischen. Die Schülerinnen sind in vier Classen zu je zwei Abtheilungen getheilt und werden von 15 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet, nnter den ersteren befinden sich die bedeutendsten Schulmänner der Stadt. Es ist in der That anerkennenswerth, daß Stein in dieser Weise mit den größten Opfern seine Anstalt auf die Höhe des Ortes und der Jetztzeit zu bringen und sie zu erhalten sucht. Lehrer Und Schüler sind von dem fröhlichsten und erhabensten Geiste beseelt, und alle Räder der Anstalt greifen trefflich in einander. So ist es natürlich auch unser Wunsch, daß das neue Institut allseitige Anerkennung findet. Aus Baden, 3. November. (K. Z.) Die jüdischen Gemeinden Badens haben durch Deputirte in Karlsruhe zu dankbarer Erinnerung an die bürgerliche Gleichstellung der Juden eine Stiftung für Unterstützung hülfsbedürftiger Lehrer aller Confessionen beschlossen. Mannheim, im November. (Privatmitth.) Der vom hiesigen Synagogenrathe zum Stadtrabbinen gewählte, früher in Warschau fungirende Prediger vr. Jastrow hatte, nachdem ihm die Rückkehr nach Polen gestattet worden, dem Rufe dahin wieder folgen wollen. Aus seinen Wunsch wurde ein Schiedsgericht zusammengesetzt, um über das Verbleiben oder den Abgang des Herrn vr. I. zu entscheiden. Das Schiedsgericht sprach sich für sein Verbleiben an hiesigem Orte aus. Dennoch fühlte sich Herr vr. Jastrow gedrungen^ Mannheim zu verlassen und nach Warschau zu gehen. Die Motive hierzu hat er in einem offenen Sendschreiben vom 2. November veröffentlicht und liegen sie besonders in der eigenthümlichen und bedeutenderen Wirksamkeit, die er unter den jetzigen Verhältnissen in Warschau sich verspricht, da er mit der wissenschaftlichen Bildung auch die Fähigkeit, polnisch zu predigen, verbindet. Hamburg, im November. (Privatmitth.) Bei der dreijährigen halben Erneuerung unserer Bürgerschaft ist die ganze doktrinäre Partei, obenan unser Rießer durchgefallen, und an ihrer Stelle sind sogenannte Demokraten gewählt; unter ihnen vr. Piza, Chasan am hiesigen Tempel. Wohl der erste Fall, daß ein Chasan Mitglied eines, wenn auch kleinen, Parlaments ist. Indessen, ein Mann, auf dessen Worte eine ganze Versammlung gewohnt ist, Amen zu rufen, ist jeder Partei wohl ein willkommenes Mitglied. Im Allgemeinen scheint es nicht wünschenswerth zu sein, wenn jüdische Cultusbeamte sich an den politischen Kämpfen, sei es schriftlich oder mündlich, betheiligen. Gefallen sie nach beiden Seiten hin, so gelten sie für kelabim ilmim, und gefallen sie nur der einen Partei, so fällt der Haß der anderen nicht auf sie allein, sondern zugleich auf das Institut, das fie, wie man meint, repräsentiren.*) Es dürfte rathsam sein, wenn alle Rabbiner, Prediger, Lehrer u. s. w. bei ihrer Anstellung den Gemeinden versprechen müßten, ihrer persönlichen bürgerlichen Freiheit unbeschadet, nicht als politische Redner oder Scribenten aufzutreten.**) Wer ein Stammgast der französischen Journalistik ist, wird sich nicht wundern, daß Herr Cohen in Paris jetzt für den Papst schreibt. Sobald Herr Thouvenel wieder Minister ist, wird er wieder gegen den Papst schreiben. Und daß Herr Cohen auch Mitglied des Consistoriums bleibt, das sollte, eben wie die Zustände in Holland u. s. w., die deutschen Juden warnen, um Staatssubventionen für den jüdischen Cultus zu bitten. Preußen. < Bonn, 7. November. (Privatmitth.) Die „Kreuzzeitung" und ihre Partei, fährt fort, nicht blos die Gesammtheit der Liberalen, sondern auch vorzugsweise die Juden mit allen möglichen Waffen, zu denen denn auch ein vollgerütteltes Maß von Gift und Geifer gehört, zu bekämpfen; sie fährt fort, Liberale und Juden völlig zu identificiren, jeden Liberalen für einen Juden zu erklären, und jede That der vereinigten liberalen Parteien als eine „jüdische" zu bezeichnen. Wenn im gesammten preußischen Vaterlande von der russischen bis zur französischen Grenze zu einem „Nationalfonds" für gemaßregelte Staatsbeamte, die dem Abgeordneten- *) Wird nicht aber der Jude jedenfalls verbrannt, er sei Rabbiner'oder nicht? Redaction. **) Diesen Rath möchten wir um der Konsequenzen willen nicht mit unterschreiben. Redaction.