Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1862)
- Date
- 1862-11-18
- Page
- Seite 673 (sequence 5)
- Language
- German
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678 gäbe,j die ihr. Glück im Wohlthun^ fänden, Wemüther, wie > das des Mannes, von dem ich geredet habe.' - I L. Schücking.? Vas Papflthum und Las Iudenthum. - - Wir haben jüngst Veranlassung gehabt, einen jüdischen Vertheidiger der weltlichen Herrschaft des Papstes zuruckzuweiseN. Damit wir unsere Leser überzeugen, wenn dies Noch nothwendig wäre, daß wir dabei nicht einseitig verfuhren, theilen wir einige Stellen aus dem ersten Aushängebogen — er kommt uns soeben zu — des siebenten Bandes von Grätz' „Geschichte der Juden", welchen das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur -in diesem Jahre veröffentlicht, mit^ Es wird hier aus dem Anfänge des 13. Jahrhunderts „der Kamps des Papstthums gegen das Judenthum" behandelt. Es heißt da: „Zu dieser Verwaiftheit des Judenthums (nach dem Tode Maimuni's) im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts'trat hinzu die Feindseligkeit eines Uebermächtigen gegen dasselbe, wie es eine solche seit der Zeit Hadrian's, -was Machtmittel und beharrliche Consequenz betrifft, nicht gesehen hat. Der Papst Jnnocenz III. (1198—1216), von dem alle Nebel stammen, an denen die europäischen Völker bis zur lutherischen Reformation litten: die tyrannische Gewalt der römischen Kirche über Fürsten und Völker, die Knechtung und Verdummung der Geister, die Verfolgung der freien Forscher, die Einführung der Inquisition, die Scheiterhaufen gegen Ketzer, d. h. gegen Solche, welche an der; Unfehlbarkeit des römischen Bischofs zu zweifeln sich unterfingen; der Papst Jnnocenz Hl. war auch ein erbitterter Feind der Juden und des Judenthums und hat ihnen tiefere Wunden geschlagen, als sämMtliche vorangegangene Widerfacher. Dem allmächtigen Kirchenfürsten im Vatican, der Könige ein- und absetzte, Krönen und Länder vertheilte und durch seine Armee von päpstlichen Legaten, Dominikaner- und Franziskaner-Mönchen mit ihrer blutdürstigen ' Frömmigkeit ganz Europa vom atlantischen Meere bis Konstantinopel und vom Mittelmeere bis zur Eisregion knechtete, ihm war das Häuflein Juden ein Dorn im Auge, weil diese Hand voll Menschen mit ihrem klaren Verstände, ihrem geläuterten Glauben , ihrer sittlichen -Kraft und ihrer überlegenen Bildungein stiller Protest gegen die römische Anmaßung war." — - „Jnnocenz überwachte mit eifersüchtigem Auge die Fürsten, Laß - sie: den Juden ja nichts niehr als ' das nackte Lebengönnen sollten. Dem französischen König Philipp August, dem Erzfeind der Judenf der -^sie gequält, geplündert, 'aus seinem Lande gejagt' gehetzt- und nur''aus Trotz und Geldverlegenheit sie-wieder zurückgerufen hat, 'machte' der Papst (Januar "1205) Jüdenfreundlichkeit zum Vorwurfe! Es verletze sein Auge, schrieb er an denselben, daß manche Fürsten die - Söhne der Kreuziger den Miterben des gekreuzigten Christus vorzögen, als wenn der Sohn von der Sclavin Erbe des Sohnes von der Freien sein könnte. Es fei ihm zu Ohren gekommen, daß in Frankreich die Juden durch Wucher die Güter der Kirche und die Besitzung der Christen an sich gezogen, daß sie gegen den! Beschluß des Lateranconcil unter Alexander III. christliche Diener und Ammen in ihren Häusern hielten, daß ferner Christen nicht als Zeugen gegen Juden zugelassen werden, ebenfalls gegen den Beschluß desselben Concils, daß die Gemeinde von Sens eine neue Synagoge erbaut hätte, welche höher als die Kirche der Nachbarschaft angelegt sei, und in welcher nicht, wie vor der Vertreibung, leise, sondern so laut gebetet würde, daß dadurch der kirchliche Gottesdienst gestört sei. Jnnocenz tadelte endlich den König von Frankreich, daß er den Juden zu viel Freiheit lasse, und daß sie sich herausnehmen dürften, in der Osterwoche auf den Straßen und in den Dörfern zu erscheinen. Er wiederholte mit Entrüstung die teuflische Verleumdung, daß die Juden heimlich Meuchelmord an Christen begingen. Gegen die öffentliche, täglich sich wiederholende Judenschlächterei hatte das Oberhaupt der Kirche kein so scharfes Wort. Er ermähnte darauf Philipp August, wahren Christeneifer zur Unterdrückung der Juden zu zeigen und vergaß dabei nicht zu erinnern, die Ketzer in seinem Lande zu vertilgen. Inden und Ketzer ließen dem geistlichen Beherrscher Europas keine Ruhe. — In demselben Jahre (Mai 1205) schrieb Jnnocenz auch einen schärfen. Hirtenbrief an den- König von Castilien, Alfonso den Edeln, weil dieser, ein Gönner der Juden, dicht zugeben wollte, daß die Geistlichen mahommedanische Sclaven 1 der Juden mit Gewalt durch die Taufe ihnen entziehen, von den Feldern der‘ Juden und Mahommedaner den Zehnten eintreiben sollten. Er drohte dem stolzen spanischen Könige mit der kirchlichen Censur, wenn er fortfahren sollte, die Synagoge gedeihen und die Kirche schmälern zu lassen. Jnnocenz bestand darauf, daß die Inden von den Ländereien, die sie von