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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-18 · Heft 47 (18.11.1862) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 47 (18.11.1862)
Date
1862-11-18
Page
Seite 670 (sequence 2)
Language
German
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"!• - 5. 670 feinem Eigenthum und Jedweder zu seinem Geschlechts!" zu lesen findest. Und nun schlag^ die Bücher der Geschichte^ auf: wo Du irgend''-einer Zeit begegnest,'die) uÄ> fei sie-noch so. kurz, zu wahrem, edlem und hochherzigem Aufschwünge -sich erhob, so war es eine solche, die den Ruf ertönen ließ: Lera veror! und wo Du einen Mann antriffst, der sich ein.wMch.'dNueMes./Don.Meut fvoll^SetzepS und Heiles errichtet hat, so stehet auf dieses eingegra» ben: Lkl-a veror! Und wenn Du dem Gange der Entwickelung, welchen die ganze Menschheit beschreitet, nachspürest: auf das Ziel, und sei es stoch so fern, ist geschrieben : „Rufet Freiheit aus auf der ganzen Erde für alle ihre Bewohner!" Aber man bemerke wohl: es ist hier nicht die Rede von der bloßen politischen Freiheit, von den persönlichen, bürgerlichen Rechten im Staate, die immer wieder zum Spielball der Parteien werden, weil sie der eigentlichen Grundlage entbehren, sondern zugleich von dem für jede Familie in einem gewissen Erbbesitze gesicherten Bestand, zu welchem innerhalb aller Verschiedenheit und alles Wechsels des Besitzthums Jedweder im Jobeljahre zurückkehren solle, und-durch welchen die persönliche Freiheit erst Wesen und Gestalt erhält.. Wir wissen, daß der Weg zu einem solchen Zustande in der menschlichen Gesellschaft noch sehr weit ist; wir wissen, daß Lei der großen Entfaltung in derselben an die Verwirklichung dieses Gesetzes nach seinem buchstäblichen Wortlaut, in feinen genauen concreten Bestimmungen nicht die Rede sein kann; aber wir haben es auch schon genugsam erfahren , daß nur in der Bereinigung beider Momente! die Dauerhaftigkeit der Freiheit liegt, sie nur dadurch zu Gesetz und Ordnung werden, und endlich aufhören kann, eine bloße Idee zu sein, welcher der Mensch nachjagt, ohne sie zu erreichen. Wie dies aber auch sei, das Gesetzbuch Israels hat durch das eine Wort: Kera Deror! sich seinen göttlichen Stempel, seinen Charakter für ewig ausgeprägt. Dieses Wortzin keinem anderen Religionsbuche wiederkehrend, ist das Wort der Menschheit, ist die göttliche Seele der Menschengesellfchaft. : Hrofefsox vr. Alexander Haindors. Wir haben bereits in No. 45 einen kurzen Nekrolog des verewigten Haindorf gegeben. Diese Persönlichkeit ist aber wichtig genug, schon als belebendes Vorbild, als daß wir nicht folgende biographische Skizze geben sollten, und zwar um so eher, als sie faus der Feder eines rühmlichst bekannten christlichen Autors herrührt und zugleich in ihrer Form vortrefflich ist. Ich habe in diesen Blättern einst die Grabrede gehalten auf zwei große Männer, die bestimmend in den Lauf der Geschichte ihrer Zeit stingnsien, auf einen berühmten Feld Herrn, den Erzherzog Karl von Oesterreich, und auf einen für sein Vaterland glühenden Patrioten, auf Kaniel O'Connell. Räumen Sie mir heute zum dritten Male zu einer Grabrede die Tribüne Ihres Blat- "tes ein, ich möchte einem Manne ein Ehrenmal setzen, dessen Name vielen Ihrer Leser so unbekannt ist, wie der Name Jener, die ich eben nannte, klangvoll und vertraut. Wer ist Professor Dr. Alexander Haindorf? werden Ihre Leser in Schwaben, in Franken und im Sachsenlaude fragen. Nichts als ein alter, milder, bescheidener Mann, der 81 Jahre alt am 16. October zu Hamm in Westphalen die müden Augen schloß, und ein Mann, um dessen Lebensgang die stille, rührende Poesie eines tiefen Gemüthes, eines guten, frommen Herzens lag. Diese Poesie ist am Ende ebenso groß, ebenso schön, wie jene, die um die Lorbeeren eines großen Feldherrn weht oder auf der gedankenvollen Stirn, auf dem Worte eines großen Agitators ruht, das Völker dahinreißt und Blitze des Geistes schleudert. Die Poesie liegt ja nicht allein im Glanze blendender Thaten, nicht im Ruhme großer, durch Jahrhunderte hin sich fortsetzender Wirkungen; sie kann auch um den greisen Scheitel eines ehrlichen Mannes schweben und aus den Grashalmen flüstern, die der Herbstwind über einem Grabe kräuselt, das Viele, die an ihm vorübergehen, segnen, weil Der, welcher darunter liegt, Gutes gethan. Und ein Ehrenmann, das. war dieser Mann, von dem ich rede, treu, im Wohlthun unermüdlich, ehrlich . vom Scheitel bis zur Sohle; und was er Gutes gethan, davon will ich reden, indem ich seinen Lebensgang erzähle. Alexander Haindorf war am 2. Mai 1782 von mosaischen Eltern in einem westphälischen Dorfe (Lenhausen, Kreis Meschedegeboren und hatte in seiner Jugend mit dem ganzen Elend zu ringen, welches einen armen Knaben seines Stammes nur drücken kann. Die Eltern waren verarmt; ältere Brüder gingen schonungslos mit ihm um; in einem Alter, wo er noch so Hülflos war, daß er, um seine Wege wiederzufinden, sie sich mit Stäb-

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