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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-11 · Heft 46 (11.11.1862) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 46 (11.11.1862)
Date
1862-11-11
Page
Seite 662 (sequence 10)
Language
German
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den Stoff so für den Schüler zubereiten soll, daß die mit der Mittheilung desselben beabsichtigten Zwecke sicher erreicht werden. a) Der erste Zweck des biblischen Geschichtsunterrichts besteht in der Aneignung des biblischen Geschichtsstosfes von Seiten des Kindes. Das Kind soll jetzt mit allen biblischen Begebenheiten , ausgenommen die. weiter unten in einigen Rubriken namhaft gemachten, vertraut werden. Im ersten Cursüs concentrirten sich dieselben im Leben und Wirken hervorragender Männer; die Geschichte erschien in concreter Gestalt, individualisirt, und ohne fortlaufenden Zusammenhang. Der zweite Cursus hingegen ist der eigentlich historische; da müssen sämmtliche Begebenheiten, in Gruppen abgegrenzt, daher übersichtlich, geistiges Eigenthum des Kindes werden. Es gab wohl eine Zeit, wo man anders hierüber dachte, wo das Auffassen, Innehaben und Behalten des biblischen Geschichtsstoffes als etwas Gleichgültiges erachtet, aller Werth hingegen ans die sogenannte Nutzanwendung: gelegt wurde: die biblische Geschichte galt damals als bloße Unterlage zur moralischen Ausbeutung. War Gefühl und Urtheil an derselben geübt, so gab man sie der Vergessenheit Preis. Dies Verfahren mochte sein Entstehen zwei Factoren zu verdanken haben, der eine im Gebiete der Pädagogik, der andere in dem der Theologie wurzelnd. Es war der Pestalozzische Formalismus, der, von der Anbildung eines positiven Wissens absehend, das ganze Ziel des Volksschulunterrichtes in eine stete Entwickelung, Uebung und Stärkung der Denkkraft setzte, und der theologische Rationalismus, der in seiner konsequenten Durchführung die Bibel , für ein Werk der Menschen erklärte. Die Nachtheile beider. Richtungen wurden jedoch bald im Leben empfunden. Aus der einseitigen Befolgung des Pestalozzischen Formalismus gingen seichte Schwätzer hervor, die, aufgebläht durch jenes Aussichselbstfinden, Aussichselbsterzeugen, ohne innern Gehalt, über Alles abzuurtheilen sich berechtigt wähnten; und der Rationalismus, Nichts als göttliche Offenbarung anerkennend, was nicht mit dem aus der Erfahrung abstrahirten Causalnexus übereinstimmt, bildete die Brücke zum Naturalismus, und dieser führte zur Abläugnung eines überweltlichen, mit Bewußtsein und Freiheit wirkenden Urgrundes und Schöpfers des Universums, zum trostlosen Materialismus und Pantheismus. Der heutige Standpunkt beider ist jedoch ein anderer geworden. So wie in der Theologie die Ueberzeügung wieder', zur Herrschaft gelangte und fast noch .tiefere Wurzel schlug denn ehemals, die Ideen der bloßen, nur subjektiven Gewißheit gewährenden Vernunft sejen unsicher, alle Vernunftcultur sei durch eine besonder e Erleuchtung bedingt , und eine besondere Offenbarung.sei als eine höhere Auctorität für die Erziehung und Bildung der Menschheit ein nothwendiges Bedürfniß; wie man also in der Theologie wieder zum Glauben an eine außerordentliche, unbegreifliche Veranstaltung Gottes, an eine Belehrung von Außen zurückkehrte: — ebenso griff in der Pädagogik die wohlbegründete Ansicht Platz, bei aller Achtung vor der Genialität der Ideen und'vor der Aufopferung für Menschenwohl des großen Pestalozzi, dürfe das Ziel des Volksschulunterrichts nicht einzig und allein in eine bloße Uebung der Denkkraft in Sprache, Zahl, und Form, nicht in ein Aussichselbsterzeugen des sogenannten Reinmenschlichen gesetzt werden; sondern, ohne die für Verarbeitung des Mitgetheilten uöthige Uebung der Denkkraft zu vernachlässigen, müsse das erwähnte Ziel in der Mittheilung von Kenntnissen, und Fertigkeiten gesucht und gefunden werden, und zwar nicht blos von solchen, die, dem Nützlichkeits-Prinzip entsprechend, blos für das irdische Leben des Menschen, sondern auch von solchen, die für das ideale geistige Leben desselben vonnöthen! sind; — und das Ziel noch tiefer fassend, in der durch die mitgetheilten Kenntnisse und Fertigkeiten. zu erreichenden Ausbildung löblicher Eigenschaften, die sich im später» Leben zum Charakter entwickeln, in der Ausbildung von Frömmigkeit, Sittlichkeit, Gemeinsinn u. f. to. — Durch die erwähnten veränderten Ansichten.ist aber auch die bei den Kindern in den Schulen zu bewirkende Aneignung des biblischen Geschichtsstoffes, als Thatsachen unter außerordentlicher Veranstaltung Gottes geschehen und der Nachwelt erhalten, zu ihrer verdienten Geltung und Würdigung gelangt; die ganze Reihe der biblischen Begebenheiten sollte von den Kindern angeeignet, aufgefaßt und im Gedächtnisse niedergelegt werden, als beständiges, durch dieses reproduetive Seelenvermögen immer zu erneuerndes, leuchtendes Zeugniß vom schöpferischen Einwirken Gottes auf die Menschenwelt und von seiner weisen Führung Israels. — Doch nicht alle biblischen Begebenheiten, sammt und sonders, eignen sich für den Iugendunterricht, es giebt auch Ausnahmen, und ich glaube, die meisten und wichtigsten derselben lassen sich in folgende Rubriken bringen, aa) Es giebt Erzählungen, welche die Verhältnisse

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