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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-11 · Heft 46 (11.11.1862) · p. Seite 657

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 46 (11.11.1862)
Date
1862-11-11
Page
Seite 657 (sequence 5)
Language
German
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«57 Hamburg, 28. October. Bei den gestern stattgefundenen Wahlen zur Erneuerung der einen Hälfte der Bürgerschaft hat die demokratische Partei den entschiedenen Sieg davon getragen. Ein überraschendes Resultat war dabei, daß Dr. G. Rießer nur 19 Stimmen erhielt, während sein Gegencandidat deren 100 hatte. Frankfurt am Main, 2. November. (Privatmitth.) Das vom Rabbiner Dr. Stein intendirte Erziehungsinstitut für Mädchen ist mit Erfolg ins Leben getreten. Es hat mit 32 Schülerinnen begonnen, nämlich 24 jüdischen und 8 christlichen. Preußen. Berlin, 30. October. (Privatmitth.) Gestern Vormittag 10 Uhr fand hier im englischen Hause eine Versammlung des „Preußischen Volksvereins" statt, welche auf den Aufruf des Vorstandes hin von circa 250 Mitgliedern besucht war. Nach langem Reden der Herren v. Blanckenburg und Wagener, welche die bekannten Redensarten wiederholten, trat auch ein gewisser Andre" aus Pommern auf und sagte: „Bei Militär sind die Söhne von Banquiers, Juden und Ladendiener ein wahres Gift." Betreffs der Juden können wir die Behauptung als eine grobe Lüge bezeichnen, denn wir wissen aus Documenten und persönlicher Erfahrung, daß gerade die jüdischen Soldaten in ihrer Mehrzahl von ihren Officieren für die pünktlichsten, gewandtesten und befähigtesten erklärt werden.' Man weiß jedoch schon längst, wie wenig die Männer des preußischen Volksvereins auf die Wahrheit halten, und wie es ihnen namentlich darauf ankommt, die verschiedenen. Stände, Classen und Religionsparteien im Staate gegen einander aufzuhetzen, und sodann, wie sie hoffen, einzelne Stände, Classen und Religionsparteien in ihr Garn zu ziehen. Trotz allen Wühlereien jedoch hat es der „Preußische Volksverein" von den 19 Millionen des preußischen Volkes nur zu 26,000 Mitgliedern gebracht— wie er selbst angiebt. Posen, 19. October. (Privatmitth.) Unsere Stadtverordneten beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung vom 15. d. aus Vorschlag des Vorsitzenden einstimmig, dem Dr. Jutro sinsky der Verwaltung der 3. ordentlichen Lehrerstelle an der städtischen Realschule mit allen Rechten eines angestellten Lehrers, namentlich auch dem Rechte auf die reglementsmäßige Pension zu übertragen. Berlin, 28. October. Nachdem dasjenige Ministerium, dessen Justiz-Minister Herr von Bernuth gewesen, bei Sr. Majestät dem Könige die Aufhebung des durch die Gerichtsordnung eingeführten- Juden- Eides beantragt hatte, daraufhin eine Vorlage dem Landtage gemacht worden war, das Haus der Abgeordneten diese auch fast einstimmig angenommen und nur das Herrenhaus sie abgelehnt, hat der zeitige Justiz- Minister die Gerichte wiederum zur Angabe eines Gutachtens für Aufhebung oder Beibehaltung des in jeder Beziehung antiquirten Juden-Eides aufgefordert. Zu bemerken ist noch, daß die eben gedachte Vorlage auf den Wunsch der gesetzlichen Vertreter der preußischen Synagogen-Gemeinden erfolgte und des Königs Majestät von der Annahme derselben auch die Aufhebung der bestehenden Norm des von jüdischen Soldaten zu leistenden Fahnen-Eides abhängig machte. (K. Z.) Posen, 26. October. (Privatmitth.) Am 1. November tritt die vom vr. Perles hier projectirte Religionsschule ins Leben. Jeder für Religion, diesen ersten und wichtigsten Factor der menschlichen Cultur, Begeisterte wünscht gewiß diesem neuen Institute ein langes Dasein und Bestehen, so wie fruchtbare Resultate seiner Bestrebungen. Frische Lehrkräfte zu ihrer inneren Lebensfähigkeit stehen ihr genugsam zu Gebot und Verfügung, ob aber die der äußern Vitalität bedingenden Mittel, d. h. die lebhafte Theilnahme und richtige Würdigung der Anstalt von Seiten des hiesigen, so gerne dem Reize der Neuheit und Abwechselung huldigenden jüdischen Publicums von langer Dauer sein würden, ist eine Frage, welche nach dem Beispiele des erlittenen Schicksals der früheren Religionsschulen, z. B. der von Di*. Deutsch, Wimmer u. A. gerechten Zweifel erwecken. Vielleicht wird aber der Genius der Schulen über die neu gegründete günstiger obwalten, als über jene. Buchwald. Bielefeld, 26. October. (Privatmitth.) Mittelst Vollmacht vom 24. September d. I. hat der Herr Consistorial-Oberrabbiner Kahn zu Trier mich zu seinem Stellvertreter beim Curatorium des israelitischen Waisenhauses für Westphalen und Rheinprovinz' in Paderborn ernannt und habe ich in dieser Eigenschaft einer

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