Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1862)
- Date
- 1862-11-11
- Page
- Seite 656 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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656 von seinen Landesgenoffen der Hoffnung, durch Frankreich emancipirt zu. werden, bezüchtigt zu werden —" ff. Wir glauben nicht, daß die Deutschen überhaupt und die deutschen Juden insbesondere Veranlassung haben, auf die Behauptungen des Herrn A. Weill so viel Gewicht zu legen; um sie widerlegen zu sollen, müssen wir jedoch, um nicht durch Stillschweigen zu consentiren, jene uns persönlich betreffende Aussage für eine völlige und grundlose Unwahrheit erklären. Wer unfern damaligen Artikel gelesen, weiß, daß wir bei Alliance 1) wegen der Unbestimmtheit und Unklarheit ihres Zweckes, 2) der Mangelhaftigkeit ihrer Organisation und 3) weil uns Paris durchaus nicht zum Mittelpunkt eines solchen Vereins geeignet erschien, und zwar dies besonders, da die dortigen Israeliten — bei allen sonstigen hochachtbaren Eigenschaften — die Bedürfnisse der Juden anderer Länder nur in sehr geringem Maße kennen, nicht beitreten wollten. Die Thatfachen haben unsere Ansichten seitdem hinreichend bestätigt. Ob wir „Furcht" kennen — dies überlassen wir Denjenigen zu beurtheilen, die unsere publicistische Thätigkeit und unsere sonstige Handlungsweise seit mehr als einem Vierteljahrhundert kennen. Wenn Andere in Deutschland noch andere Motive hatten, um sich jenem Vereine nicht anzuschließen, so geht dies uns nichts an. Wir verzeihen übrigens gern Herrn Weill seine Auslassungen, da Jedermann weiß, daß er solche nicht gar so ernst meint. Bonn, 2. November 1862. vr. Ludwig Philippson. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2. November. In dem von Di*. G. Wolf soeben herausgegebenen Hefte: „Zur Geschichte der Juden in Worms und des deutschen Städtewesens" (Breslau 1862) werden sehr schätzenswerthe, bis jetzt ungcdruckte Urkunden in ihrem Wortlaute (von S. 29—113) mitgetheilt, welche der Geschichtsforscher des Mittelalters sich mit großer Befriedigung zugänglich gemacht sehen wird. In einer Einleitung zu diesen wird der Kampf der Juden Worms mit dem dortigen Rathe und seiner Bürgerschaft um das Recht der Ansässigkeit, das ihnen von Kaiser und Bischof gewährt worden, bis zum Jahre 1699, wo die Wormser Bürger sich endlich mit den Juden vertrugen, in sehr interessanter Weise beschrieb.en. Es versteht sich, daß in diesem engen Rahmen dieser vier Jahrhunderte dauernde Kampf nur in Umrissen gezeichnet werden konnte; aber der Vers, hat es verstanden, die wesentlichsten Momente mit Schärfe und Präcision hervorzuheben, sodaß dem Leser ein sehr klares Bild entgegentritt. Neben dem Gewinn, den die Geschichte der Juden aus diesem Beitrage zieht, tritt aber auch die Selbstständigkeit und das energische Streben nach Unabhängigkeit Seitens der deutschen Städte im Mittelalter, gegenüber der kaiserlichen und der geistlichen Gewalt, sowie die Ohnmacht der ersteren, sehr prägnant hervor. Die Arbeit des Vers, ist daher als eine sehr schätzenswerthe Gabe anzuerkennen. — In der trüben Zeit und ernsten Stimmung, in welcher sich jetzt Alle befinden, welche an dem Gange der öffentlichen Ereignisse und Verhältnisse einen regen Antheil nehmen, wird eine humoristische Gabe, die sich dennoch innerhalb der Zeitströmung hält, sehr willkommen sein. Als eine solche haben wir „Das Parlament der Volksgetränke, gehalten in d.er Festhalle zur Mitternachtszeit. Nachklänge zum ersten deutschen Nationalschützenfeste in Frankfurt a. M. Von Di'. Levy Stein. Frankfurt a. M." zu betrachten und zu empfehlen. Erfindung und Ausführung sind sehr gelungen, die Sprache fließend und nur selten mit süddeutschen Härten beschwert. Dabei ist der Humor durch einen acht jüdischen Geist der Humanität und des Völkerfriedens durchweht. Niemand wird das Heftchen ohne Befriedigung aus den Händen legen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Gotha, im October. (Privatmitth.) Wie bereits auch in diesem Blatte angedeutet worden, hat die herzogliche sächsische Staatsregierung den aus seinem Vaterlande Kurhessen durch die ihm als Juden trotz glänzend bestandene Examina geschehene Verweigerung der Anstellung vertriebene vr. jur. utr. Kunreuth er zum Rechtsanwalt und Notar mit dem Wohnsitze Gotha ernannt und ist derselbe bereits in Geschäststhätigkeit getreten. : Hamburg , 26. Oetober. Die Herren vvr. Rießer und Wolfssohn haben in der jüngsten Sitzung der Bürgerschaft die Aufhebung des in Hamburg für die Juden noch gültigen jüdischen Erbrechts beantragt, und hat dieser Antrag seitens der Bürgerschaft einstimmige Annahme gefunden. .