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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-04 · Heft 45 (4.11.1862) · p. Seite 648

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 45 (4.11.1862)
Date
1862-11-04
Page
Seite 648 (sequence 12)
Language
German
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«48 war, welche die Juden in M.-V. schnell erreicht. Wir müssen der Wahrheit ihr Recht angedeihen lassen, obgleich wir gegen uns selbst zeugen müssen. Es wurden nämlich daselbst kurz vor den traurigen Ereignissen vom rohen jüdischen Pöbel,dem Rabbüwr die-Fenster eingeschlagen u. dgl.' Rohheiten begangen, was auch von den,Zeitungen gehörig ausposaunt wurden. Nun werden diese jüdisch e n Gemeinheiten mit den Gewaltthätigkeiten des christlichen Pöbels in Verbindung gebracht, um eine mit der andern zu entschuldigen. Ich lege Ihnen folgende charakteristische Notiz eines Wiener Blattes bei und Ihre Leser mögen selbst urtheilen: Als Nachtrag zur hiesigen Judenhetze wurden vergangenen Donnerstag auf dem Wochenmarkte ein Israelit und ein Zigeuner gelyncht, letzterer einfach deshalb, weil er im Verdachte stand, Brennholz für Juden kaufen zu wollen. Die Behörde drohte zwar mit energischer Ahndung ähnlicher Fälle, allein Tags darauf wurden anonyme Brandbriefe-aufgefyuden, in welchen Leben und Vermögen der Juden als vogelfrei erklärt werden. Da die Aufregung beschwichtigt zu sein scheint, blieben diese communistischen Hetzereien ohne Proselyten. Auf dem Stadthause sitzen neun Israeliten gefangen, welche die Haupturheber der Kürschnerprügelei, waren. Vor der Synagoge befindet sich noch immer eine Militärabtheilung. — Soviel ich aus guter Quelle erfahren konnte, balgten sich die Israeliten seit längerer Zeit vor dem Tumult vor und in ihrem Tempel herum, ein Umstand, welcher geignet ist, die Sympathien für sie sehr abzuschwächen. — Der Zustand der Juden in Ungarn ist leider ein sehr verwahrloster. Der religiöse Geist ist beim Volke sehr im Abnehmer:. Ich habe eine größere Reise durch Ungarn gemacht und mir die traurige Ueberzeugüng verschafft, daß z. B. der Sabbath durch den öffentlichen Geschäftsverkehr und Offenhaltung der Kaufläden in der größern Hälfte Ungarns allgemein verletzt wird; sodaß Sie von einer sabbathlichen Weihe nicht die geringste Spur antreffen. Ich will von der Hauptstadt absehen, wo man genug lobenswerthe Ausnahmen findet. Aber nicht blos in den größern Städten wie Szegedin, Temeswar, Arad, Groß-Wardein u. s. w.; sondern selbst auf den Dörfern findet man die kleinsten Krämergeschäfte am Sabbath offen und den alltäglichen Geschäftsverkehr betreiben. Empörend ist es anzusehen, wie in Szegedin, wo am Sabbath Wochenmarkt ist, hie Juden ihre Buden und Hütten am Sabbath aufschlagen,: aüseinanberlögett und ihre Waavett wie gewöhnlich feil bieten, und zwar sowohl der Grossist wie der Detaillist - bis-zum ärmsten Krämer.- Es ist dieser Uebelstand so schnell seit 10—12 Jahren' eingetreten, daß keine geistliche Macht im Stande ist demselben'äbzuhelfen. Die Extreme berühren sich! das finden Sie nirgends-;so.häufig wie Hn Ungarn! Aüf der einest Seite macht der Chassidismus reißende Fortschritte Und auf der andern der Jndifferentismns. Dazu kommt noch der leidige Kampf der sogenannten Reformer und Orthodoxen, der hier, weil er selten lesebem sebowastm geführt wird, meist von den traurigsten Folgen ist, wie es die Zustände in Papa, Stuhlweißenburg,; Groß- Wardein, Erlau genugsam beweisen. Die jüdische Presse in Oesterreich versteht ihre Aufgabe viel zuwenig, und hat noch wenig Gutes geschaffen. Ben Chänänja hat als theologisches Blatt'den Kampf zur Devise. Theologen zanken gern! Als ein Pröbchen, wie -selbst allgemein! geächtete Rabbinett von einem theologischen Blatte behandelt werden, verweise ich Sie auf No. 39 und zwar auf die Correspondenz aus Ofen. Die Neuzeit wird von einer Bersekerwuthergriffen , wenn sie vott Orthodoxen spricht und deren Diatriben sind gradezu lächerlich. Anstatt diese Richtung zu bekämpfen, hat sie ihr mehr Kraft verliehen — und keine der Parteien hat etwas dabei gewonnen! Es fehlt diesen Herren der tiefere Einblick in die sittlichen Zustände des Volkes — und darum sind sie zu Führern nicht berufen. Ich habe mir'aüf Reisen -durch kreuz und stuer durch das schöne Land eine genaue Kenntniß derselben zu verschaffen gesucht und ich hoffe Ihnen ohne weitere Polemik gegen die genannten Blätter ausführlichere Berichte senden zu können. Frankreich. Paris, 6. October. Der„Mgd. Z." schreibt man: Wir glauben schon bemerkt zu haben , daß ein israelitischer Mitarbeiter der „France", Hr. Cohen, durch seine Artikel zu Gunsten des Papstes' das Mißvergnügen seiner Glaubensgenossen hervorgerüfen habe. ° Wir erfahren hierzu Folgendes: In dem israelitischen Consistorium wurde die Frage gestellt, ob ein Tadel gegen Hrn. Cohen ausgesprochen werden solle oder nicht, und als es' zur Abstimmung: kam, votirte die eine Hälfte der Mitglieder für und die andere gegen den „Tadel"," die Geschichte blieb also in der Schwebe. Dieser Vorgang

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