Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1862)
- Date
- 1862-11-04
- Page
- Seite 647 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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647 schen Korporations-Rendanten K. während seiner Amtsfunction in Bezug auf sein Amt beleidigt zu haben. Nachdem der Thatbestand durch Zeugenaussagen festgestellt war, beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestrafung des B., weil er einen mittelbaren Staatsbeamten während der Ausübung seines Amtes beleidigt habe. Der Vertheidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Ahlemann, bestritt, daß der Rendant einer jüdischen Gemeinde als mittelbarer Staatsbeamter zu bettachten sei. Der Gerichtshof aber trat der Ansicht der Staatsanwaltschaft bei und verurtheilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 Thlr. oder 5 Tagen Gefängniß und zur Tragung der Kosten. Daß die Vorsteher jüdischer Gemeinden als mittelbare Staatsbeamten anzusehen, ist vom Obertribunal durch Erkenntniß vom 16. September 1857 festgestellt und allgemein bekannt; daß aber auch der. Gemeinde-Rendant zu dieser Kategorie von Beamten gehöre, ist unseres Wissens noch nie erörtert worden und. kam hier zum ersten Male zur Sprache. (Es kann doch wohl keinem Zweifel unterworfen sein, daß, wenn der Gemeindevorsteher ein mittelbares öffentliches Amt bekleidet, dies auch bei dem Verwalter der Gemeindekasse der Fall ist. (Die Redaction.) . O e st e r r e i ch i sch e r K a i se r st a a t. Mus Ungarn, im October. (Privatmitth.) Wir theilen Ihnen über die Vorgänge in Maros-VLssrhely die folgenden kleinen Notizen aus dem Pehster Lloyd und andern Blättern mit, da unsere Feder sich sträubt, die weitläufigeren Berichte aus dem „Siebenbürger Boten" u. dgl. niederzuschreiben. Doch mögen Sie den Anfang eines solchen Berichtes lesen: „Nun, bei uns geht es hübsch drunter und drüber. Allenthalben Selbsttechtsprechungsfälle" — und in weiterm Verlaufe heißt es in Folge der Schlägerei verbreiteten sich die lächerlichsten Gerüchte: „die Juden haben einen Christen gekreuzigt, sie haben ihm Blut abgezapft, um es zu ihrem Cultus«zu verwenden rc." Doch genug der Citate! der kurze Sachverhalt wird in der folgenden Notiz erzählt: Die Stcwt Maro s - V ä s ä rh e ly. in Siebenbürgen war in, den letzten Tagen der Schauplatz bedauerlicher Scenen, zu deren Kenntniß wir theils durch die Mittheilungen - der hiesigen, und siebenbürgifchen Journale, theils aber auch durch mehrere an unsere Redaetion gerichtetePrivrtschreiben gelangten. Wir unterlassen es, den Sachverhalt mit allen seinen/ einer mittelalterlichen Affaire würdigen Einzelheiten mitzutheilen, sondern beschränken uns darauf, den Hergang in kurzen Worten zu erwähnen. Ein betrunkener Handwerksgeselle drang nämlich in die Synagoge der genannten Stadt, während die Gemeinde daselbst zur frommen Andachtsübung versammelt war. Der Eindringling schlenderte in der frivolsten Weise in den der Andacht geweihten Räumen umher und zündete sich sogar an den brennenden Kerzen seine Cigarre an. In Folge dessen ward er hinausgeworfen, und einige in ihren religiösen Gefühlen verletzte Mitglieder der Gemeinde legten sogar thätlich Hand an ihn. Als er hierauf mit seinem Csäksny gegen Thüre und Fenster schlug, kam es zu neuen Thätlichkeiten, der Andachtsstörer wurde blutig geschlagen und gebunden, um nach beendigtem Gottesdienste der Polizei übergeben zu werden. Dieser Vorfall verbreitete sich rasch in der Stadt und sofort gingen die abenteuerlichsten. Gerüchte von Mund zu Mund. Menschen, welche aus'dem Judenhaß ein Gewerbe machten, waren rasch zur Hand, um die unglaublichsten Dinge zu erzählen. Die Folge hievon war die, daß sich das Volk zusammenrottete, die Tempelgeräthe zerstörte und die vandalischsten Scenen beging, die sich leider einige Tage hindurch wiederholten. — Unser Berichterstatter, dem wir diese Darstellung entnehmen, spricht sein Bedauern darüber aus, daß sich solche Seenen in Maros-Vssarhely, dem Sitze der königlichen Tafel für Siebenbürgen, ereignen konnten, und daß leider die Intelligenz jener Stadt wenig oder, gar nichts gethan, um Auftritten zu begegnen, welche geeignet sind, die genannte Stadt dem Auslände gegenüber sowie in den Augen jedes billig denkenden Menschen auf das Aergste zu compromittiren. : Diesem Berichte fügen wir noch ergänzend hinzu, daß leider diese Vorgänge auch in den benachbarten kleinen Gemeinden Akosfalva Vaja Bonyha bedauerliche Folgen und brutale Austritte nach sich gezogen haben und daß das Eigenthum vieler Bewohner in Maros-Dssarhely bedeutend gefährdet wurde. So wurde z. B. die Spirituosen- Niederlage eines Israeliten auf dem Hauptplatze und die Fruchtkammer des römischkathol. Erzpriesters erbrochen und ausgeplündert,- die Fenster der Bataillonskanzlei und des Werbbezirks- Commando's zertrümmert — und das Militär war nähe daran von den Feuerwaffen Gebrauch zu machen. — Fast möchte man aber meinen, daß es die Nemesis 45**