Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1862)
- Date
- 1862-11-04
- Page
- Seite 642 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«4L Ihr lustiger pariser^ chm i e r e r traurig gestimmt wurde) machen Sie sich gefaßt eine.Trauerrede zu lesen. Wer ist gestorben? Es muß doch eine wichtige Persönlichkeit betreffen, wenn man sich sogleich zum Schreibepulte begiebt, um die Leser des Judenthums zeitig davon in Kenntniß zu setzen,. — Erschrecken Sie nicht, nehmen Sie eine Prise oder ein Fläschchen Kölnisches Wasser, um allen Unglücksfällen, Gott behüte, vorzubeugen. Sind Sie gefaßt, dann will ich mit der Sache heraus; morgen, Freitag, llo8ch Modeseh March schwa.n wird die Wahrheit zu Grabe getragen! Wer wird hier nicht gleich daran denken, daß Herr Joseph Cohen wieder eine Philippica für den Papst schreiben wird. — Es ist dem aber nicht so; Herr Cohen zieht sich von der Redaction der Veriü isr. zurück, und morgen wird sein.Abschiedsbrief erscheinen, ha verile est morte, sagte heute einer vom llewi-olergä. zu mir; einem anderen, der mir be- ■; gegnet, will ich es mittheilen, und er sagte mir wie Elisa, als man ihm das Verschwinden seines Herrn Eliap meldete, auch ich weiß es, schweige! Es heißt zwar, daß die VenUS blos eine Unterbrechung erleiden und dann wieder erscheinen wird; jedenfalls wäre es besser gewesen, wenn Herr Cohen sich zurückgezogen hatte, bevor er ein päpstlicher Zuave, wie ihn der Univcrs israMite bezeichnet, geworden. Man verzeiht es jedem, wenn er seine. Gesinnung ändert; es wird Niemand was dagegen haben, wenn H. M. Heß nach Jerusalem geht, und sich dort einen langen polnischen Rock (Zubitzke) anzieht, und mit dem Chassidim- Rabbi in der Messiasangelegenheit wetteifert. Nur ein Doppelgänger kann nicht geduldet.werden. Der Papst muß in der That in der größten Verlegenheit sein; die DeTcides würden auf den Index gesetzt, und die Artikel desselben Autors in der France verdienten doch einen Orden. Welche Sophistik von einem Consistorialmitglied. Ich hoffe, daß Herr Cohen bei der neuen Wahl des Consistoriums ausgeschoben wird; sollte dies nicht der Fall sein, so wäre es doch besser gleich den Antonelli zum Paine 8 zu machen. Wenn ich von einer Leichenpredigt gesprochen habe, so muß ich doch die Werke des Verstorbenen vorführen. Die Tendenz der Veritä war, sich in keine Diskussionen einzulassen; auf einmal erscheinen die Deicides darin, Artikel, die es mit 200 Millionen Menschen aufnahmen. Sie sollte zur Belehrung am Sabbath in jüdischen Familien dienen, dafür tischt man eine Portion Kirchengeschichte auf, die Geschichte des Katholicismus des 19. Jahrhunderts. Die größten Gelehrten sollen NN derselben mitai2 Leiten; wer sind diese? Wenn nicht Professor Wogue einige Skizzen über jüdische Theologie,' deren Last-aber noch nicht einen Esel erdrücken konnten, mitgetheilt - hätte, würde ich den faulen Witz machendaß die größten Geleerten mitgearbeitet haben; die Belletristik war noch am besten durch einen hoffnungsvollen Stylisten^ Herrn Schornstein, vertreten. — Sie erschien unter dem Patronate der Großrabbinen; nun erscheinen Artikel gegen das französische Rabbinat. Da fängt die Vcrii.6 einmal an die W a h r heit zu sagen, aber das ist die Straft des Lügners; man glaubt ihm nicht, wenn er auch die Wahrheit sagt. Die Verite überlebt es nicht, sie liegt in den letzten Zügen und stirbt. Resquiesiat in pace. — Haben Sie bemerkt, mit welcher hierarchischen Wuth unser jüdische Erzbischof dem Redacteur der Veritö geantwortet hat? Es wäre das auch, daß Sie Ihre geschickte'Feder nicht in Bewegung gesetzt haben, um uns zurecht zu setzen. Die Verllö geht zu Grabe ohne Musik, da alle Componisten und Artisten noch abwesend sind. Die Juden leben hier in bester Har Moni e, deswegen es auch so viele jüdische Künstler giebt. Diesen Sommer wurde eine Oper mit Erfolg von H. Julius Beer, Mffe des berühmten Meyerbeer, aufgeführt; Jom Kippur wurde eine Ouvertüre von H. Samuel David, der erst unlängst aus Rom zurückgekommen, im Institut bei der Preisvertheilung gespielt. Besonders viel erwartet man über von dem jüngsten Künstler hier, Heinrich Ketten, der bei einem Alter von erst 14 Jahren schon Mehrere Stücke componirt hat; der gottselige Halevi prophezeihete einen Mozart in ihm; unser junger Künstler ist jetzt in seinem Vaterlands (in Ungarn), wo er im ungarischen Theater, in Pehst, Concerte geben soll; soeben höre ich, daß er Mittwoch Abend sein erstes Concert mit größtem Erfolge aufgeführt hat. Die Pehster Jugend hat noch an demselben Abend an seinem Vater, dem Cantor hier, eine telegraphische Depesche folgenden Inhalts abgefchickt: Herr Heinrich hatte einen eclatanten Erfolg; wir fetiren ihn jetzt beim Souper.*— Lerftreute Semerlumgen. Du fragst, welche die ärgsten Feinde der Religion sind? Nicht der Unglaube, der Atheismus, der Materialismus, die als Systeme das religiöse System befemben und bekämpfen; auch nicht der feindlichste Fanatismus,